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Veröffentlicht am 01.04.2025

Ein Buch, das Mut macht, sich eigene Räume zu schaffen – egal ob physisch oder gedanklich

Ein Raum zum Schreiben
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Was bedeutet es, als Frau einen eigenen Raum zum Schreiben zu haben? Und was geschieht, wenn dieser Raum verloren geht? Diesen Fragen widmet sich Kristin Valla in ihrem Buch "Ein Raum zum Schreiben". Die ...

Was bedeutet es, als Frau einen eigenen Raum zum Schreiben zu haben? Und was geschieht, wenn dieser Raum verloren geht? Diesen Fragen widmet sich Kristin Valla in ihrem Buch "Ein Raum zum Schreiben". Die norwegische Autorin, Journalistin und Lektorin wurde 1975 geboren und veröffentlichte bereits mehrere international beachtete Romane, darunter "Muskat" und "Das Haus über dem Fjord". In ihrem neuesten Werk verbindet sie persönliche Reflexionen mit literaturhistorischen Betrachtungen über Schriftstellerinnen, die sich ihren eigenen Platz in einer oft männlich dominierten Welt erkämpfen mussten.

Worum geht’s genau?

Kristin Valla stellt mit Anfang vierzig fest, dass sie sich selbst nicht mehr als Schriftstellerin betrachtet. Muttersein, Partnerschaft und berufliche Verpflichtungen haben dazu geführt, dass ihr kreativer Raum geschrumpft ist – ihr ehemaliges Arbeitszimmer wurde zum Kinderzimmer, und sie schreibt kaum noch. Um das zu ändern, begibt sie sich auf zwei Reisen: Eine führt sie nach Südfrankreich, wo sie nach einem eigenen Rückzugsort sucht, die andere auf die Spuren berühmter Autorinnen wie Daphne du Maurier, Selma Lagerlöf oder Toni Morrison, die sich unter oft widrigen Umständen ihren Platz zum Schreiben erkämpften. In einem essayistischen Stil erzählt Valla von den Herausforderungen weiblicher Kreativität und der Bedeutung eines eigenen Ortes – sowohl im physischen als auch im übertragenen Sinn.

Meine Meinung

Das Buch hab ich als Rezensionsexemplar angefordert. Das Cover hat mich zunächst nicht besonders angesprochen, doch der Klappentext war überzeugend – er erinnerte mich an "Frauen Literatur" von Nicole Seifert. Beim Lesen stellte sich jedoch heraus, dass "Ein Raum zum Schreiben" ein ganz anderes Werk ist: persönlicher, intimer und weniger sachbuchhaft (was nicht negativ gemeint ist).

Von der ersten Seite an hat mich Vallas Schreibstil fasziniert. Ihre Sprache ist leise, aber eindringlich, und sie schildert mit großer Klarheit, wie sich die Rolle einer Frau – insbesondere einer Schriftstellerin – durch Heirat und Mutterschaft verändert. Besonders eindrücklich beschreibt sie, wie das Leben von Frauen oft in Bezug auf ihre Beziehungen erzählt wird: „Nullpunkte werden im Leben von Frauen oft unterschätzt. Unsere Geschichten werden in der Regel mit dem Ausgangspunkt in unseren Beziehungen zu anderen erzählt, mit Kindern und Ehe als großes Vorher und Nachher des Lebens; auch diejenigen, die dies nicht erleben oder sich dagegen entscheiden, müssen sich dazu verhalten.“ (S. 164)

Vallas Buch ist eine Mischung aus Selbstfindung und Rückbesinnung auf eigene Bedürfnisse. Das Haus, das sie in Südfrankreich sucht, wird zum Sinnbild für diesen Prozess – es ist ein Raum, der gestaltet, verändert und mit Bedeutung aufgeladen wird. Besonders beeindruckt hat mich die Art, wie Valla immer wieder andere Schriftstellerinnen in ihre Erzählung einbindet. Es entsteht eine literarische Ahnenreihe von Frauen, die alle eines gemeinsam haben: den Wunsch nach einem eigenen Ort, an dem sie schreiben können.

Ein besonders bewegendes Zitat stammt aus dem Buch: „Immer wenn ich in diese Räume zurückkehrte, war es, als ob sie mir etwas über mich erzählten, was ich selbst vergessen oder gar nicht gewusst hatte. Ein Gefühl, mir selbst zu begegnen und freudig davon überrascht zu sein, wer dieser Mensch in Wirklichkeit war.“ (S. 126, E-Book). Diese Reflexion über den eigenen Raum als Spiegel der Identität fand ich besonders treffend.

Auch die Bedeutung eines Arbeitsraums wird immer wieder thematisiert. Valla schreibt: „Das Haus war nicht nur ein Ort, wo ich schrieb, sondern ein Ort, wo ich mich in Gedanken vertiefen, mich in meinen eigenen Kopf einklinken, Klarheit darin erlangen konnte, was ich wollte und was in mir wohnte.“ (S. 169). Dieses Bedürfnis nach einem Rückzugsort kennen sicher viele kreative Menschen – besonders Frauen, die ihre eigenen Wünsche oft hinter anderen Verpflichtungen zurückstellen.

Besonders beeindruckt hat mich zudem eine Passage, die verdeutlicht, unter welchen Umständen Frauen immer wieder geschrieben haben: „Wenn mir die Geschichte etwas gezeigt hatte, dann, dass Frauen überall schreiben können, unter den unmöglichsten Bedingungen. Sie hatten am Herd geschrieben, während sie Brownies buken, und auf dem Treppenabsatz, während sie Kinder hüteten. Auf dem Wickeltisch beim Windelwechsel und im Bus auf dem Weg zur Arbeit, nachts in einer dunklen Wohnstube und tagsüber im Gefängnis. Frauen hatten in einer Höhle im Gebirge geschrieben, in einer psychiatrischen Klinik, in abgrundtiefer Armut und am Rande des Selbstmordes.“ (S. 146, E-Book). Dieser Abschnitt verdeutlicht eindringlich, mit welchen Herausforderungen Frauen in der Literaturgeschichte konfrontiert waren – und wie notwendig ein eigener Raum für kreatives Schaffen ist.

Fazit

"Ein Raum zum Schreiben" ist ein tiefgründiges, kluges und inspirierendes Buch, das sich mit der Frage beschäftigt, was es bedeutet, als Frau zu schreiben – und welchen Raum es dafür braucht. Kristin Vallas Essay verbindet persönliche Erlebnisse mit literaturhistorischen Betrachtungen und schafft so ein vielschichtiges Werk, das mich sowohl emotional als auch intellektuell berührt hat. Ein MUST READ. 5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 01.04.2025

Mehr als eine Biografie - Mama, Deutschland und ich

»Mama, bitte lern Deutsch«
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In seinem Buch "Mama, bitte lern deutsch" erzählt Tahsim Durgun seine persönliche Geschichte als Sohn einer kurdischen Mutter in Deutschland. Schon in jungen Jahren muss er für seine Mutter Formulare lesen, ...

In seinem Buch "Mama, bitte lern deutsch" erzählt Tahsim Durgun seine persönliche Geschichte als Sohn einer kurdischen Mutter in Deutschland. Schon in jungen Jahren muss er für seine Mutter Formulare lesen, Arztbesuche übersetzen und mit der deutschen Bürokratie kämpfen. Das Buch schildert nicht nur seine individuellen Erlebnisse, sondern beleuchtet auch gesellschaftliche Strukturen, die Menschen mit Migrationsgeschichte vor Herausforderungen stellen. Dabei wechseln sich humorvolle Anekdoten mit ernsten Momenten ab, und Durgun gelingt es, ein sehr authentisches Bild der postmigrantischen Realität zu zeichnen.

Meine Meinung

Ich muss zugeben, dass mich der Klappentext zunächst nicht sofort angesprochen hat. Doch die zahlreichen positiven Rückmeldungen in meinem Umfeld haben mich schließlich dazu bewegt, das Buch zu lesen – und ich habe es nicht bereut.

Das Buch lässt sich als Mischung aus Biografie und Sachbuch beschreiben. Während es auf der einen Seite eine sehr persönliche Erzählung ist, vermittelt es gleichzeitig wichtige Erkenntnisse über Integration und gesellschaftliche Zugehörigkeit. Berührend war für mich, wie viele der beschriebenen Situationen ich aus den Erzählungen meines Mannes mit eigener Migrationsbiografie wiedererkannte. Besonders beeindruckt hat mich, wie Durgun trotz des ernsten Themas seinen Humor beibehält. Mehrmals musste ich beim Lesen laut lachen – besonders über die absurd-komischen Szenen, wie die Fußwaschung im Religionsunterricht oder die Schulbasar-Episode mit Mareikes Mutter und den toten Tieren. Gleichzeitig gibt es auch zutiefst bewegende Momente. Eine der letzten Geschichten hat mich sogar zu Tränen gerührt.

Stilistisch beeindruckt Durgun mit poetischer Sprache und starken Metaphern. Schon die Widmung am Anfang des Buches ist ein kleines Meisterwerk:

„Dieses Buch widme ich allen Kindern, die ihre Träume kleinhalten, damit ihre Mütter eines Tages größer träumen können. Doch selbst darin liegt ein Geschenk, denn Mamas träumen immer für euch mit.“
Auch andere Passagen haben mich besonders berührt, etwa auf Seite 49 (E-Book):

„Ich trinke den Çay nicht nur, um Çay zu trinken. Ich trinke ihn, um meinen Kummer wegzuspülen. Mit jedem leeren Çay-Glas wird mein Herz leichter. Die Last, die deine Seele zu tragen hat, wird kleiner, du wäschst sie mit dem Çay ab – wie ein fließender Bach, der deinen Körper reinigt.“
Oder das eindringliche Zitat auf Seite 53 (E-Book) :

„Manchmal, so denke ich heute, ist es egal, welche Sprache der Empfänger spricht, denn Schmerz folgt keiner Grammatik, Schmerz sprechen wir alle.“
Diese Worte zeigen Durguns sprachliche Feinfühligkeit und seine Fähigkeit, Gefühle präzise einzufangen.

Das Buch thematisiert auch alltagsrassistische Erfahrungen und den Druck, den viele Kinder mit Migrationsgeschichte verspüren, wenn sie für ihre Eltern dolmetschen müssen. Besonders stark war für mich die Stelle auf Seite 133 (E-Book) :

„Ich finde es immer lustig, wenn sich die Leute der Sprache meiner Mutter anpassen und ein weißer Arzt, der gerade noch erklärt hat, dass er an irgendeiner prestigeträchtigen Universität studiert hat, so redet, als müsse er demnächst einen Asylantrag stellen. Ich bin unsicher: Entweder ist das eine abgewandelte Anwendung leichter Sprache im Alltag oder eine neue Form der kulturellen Aneignung.“
Neben gesellschaftskritischen Aspekten greift Durgun auch alltägliche Themen auf, wie Geschwisterstreitigkeiten oder die Rolle von Müttern, die oft ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellen. In vielen dieser Passagen habe ich meine eigene Mutter wiedererkannt. Besonders schön fand ich auch das Rezept für Kisir-Salat, das ich definitiv ausprobieren werde – schon beim Lesen lief mir das Wasser im Mund zusammen.

Ein kleiner Kritikpunkt ist für mich, dass das Buch für Leser:innen, die sich bereits intensiv mit dem Thema Diskriminierung und Integration befasst haben, nicht allzu viele neue Erkenntnisse liefert. Beispielsweise war mir das Problem mit der Benachteiligung im Schulsystem – etwa die vorschnelle Empfehlung für Förderklassen bei Kindern mit nicht-deutscher Erstsprache – bereits durch andere Autor:innen wie die von Tupoka Ogette bekannt. Zudem hätte ich mir an manchen Stellen eine noch stärkere Sensibilität gewünscht, insbesondere in Bezug auf Genderfragen oder intersektionale Perspektiven (gerade bei dem Teil zum Thema Gesundheitssystem).

Fazit

"Mama, bitte lern deutsch" ist ein bewegendes, nachdenklich machendes und zugleich humorvolles Buch über Migration, Zugehörigkeit und das Aufwachsen zwischen zwei Welten. Besonders die poetische Sprache und die eindrücklichen Anekdoten machen es zu einem eindrucksvollen Leseerlebnis. Der halbe Punkt Abzug resultiert lediglich daraus, dass einige Themen für mich nicht mehr ganz neu waren. Dennoch: Eine klare Leseempfehlung! 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Ein literarischer Sog, dem man sich nicht entziehen kann

Stromlinien
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Ein Roman über Familie, Geheimnisse und die Kraft des Wassers

Die Autorin, Rebekka Frank wurde 1988 in Kassel geboren und wuchs auf dem Land zwischen Wiesen und Wäldern auf. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft ...

Ein Roman über Familie, Geheimnisse und die Kraft des Wassers

Die Autorin, Rebekka Frank wurde 1988 in Kassel geboren und wuchs auf dem Land zwischen Wiesen und Wäldern auf. Nach ihrem Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik zog sie in die Großstadt, doch die Natur blieb ihre wichtigste Inspirationsquelle. Heute lebt sie mit ihrer Familie in Nordhessen und verarbeitet in ihren Büchern die Verbindung zwischen Mensch und Natur sowie die Geheimnisse, die unser Leben prägen.

Worum geht’s genau?

In "Stromlinien" stehen die Zwillinge Enna und Jale im Mittelpunkt, die in den Elbmarschen aufwachsen. Ihre Kindheit ist geprägt von den Gezeiten, dem Rufen der Austernfischer – und der Abwesenheit ihrer Mutter Alea, die seit Jahrzehnten im Gefängnis sitzt. An dem Tag, an dem sie endlich entlassen wird, verschwindet nicht nur sie, sondern auch Jale. Enna macht sich auf die Suche nach den beiden und gerät dabei in ein Netz aus familiären und gesellschaftlichen Verstrickungen. Dabei wird schnell klar: Manche Entscheidungen trennen Menschen für immer, andere bringen sie auf unerwartete Weise zusammen.

Meine Meinung

Schon mit den ersten Seiten konnte mich das Buch fesseln. Der Schreibstil ist modern und zugänglich, dabei aber emotional tiefgehend. Besonders gelungen fand ich die wechselnden Zeitebenen, die der Geschichte eine besondere Dynamik verleihen. Die atmosphärischen Beschreibungen der Elbmarschen erinnerten mich an "Der Gesang der Flusskrebse" – eine ruhige, aber intensive Naturkulisse, die die Erzählung perfekt unterstreicht.

Die Charaktere sind facettenreich und glaubwürdig. Alea, die Rebellin mit einem tragischen Schicksal, war für mich eine der spannendsten Figuren. Ihre Entwicklung und die Enthüllungen rund um ihre Vergangenheit haben mich tief bewegt. Enna ist die typische Kämpferin, während Jale sich nach Selbstbestimmung sehnt. Auch die Nebenfiguren sind hervorragend gezeichnet: Luca, der feministische TikToker, und Oma Ehmi mit ihrem eigenen, konsequenten Sprachgebrauch stechen besonders hervor.

Was mich besonders beeindruckt hat, war die kluge Verbindung von individuellen Schicksalen mit gesellschaftlichen Themen. So thematisiert das Buch soziale Ungleichheit, die Folgen von Umweltzerstörung durch die Containerschifffahrt und feministische Fragestellungen. Besonders die Szene mit der Hausdurchsuchung und den Auswirkungen von Armut hat mich nachdenklich gemacht. Der Roman stellt unbequeme Fragen – etwa, wie wir mit Schuld umgehen und wer in unserer Gesellschaft als Täter:in gilt.

Die Story hält viele überraschende Wendungen bereit mit vielen Schlüsselmomenten. Die WhatsApp-Nachrichten zwischen den Figuren lockern die Handlung auf und geben dem Buch eine moderne Note. Besonders das Ende hat mich emotional mitgenommen. Die zwischenkapitelartigen Reflexionen über „den Körper im Wasser“ bekommen eine völlig neue Bedeutung, die mich zum Nachdenken angeregt hat. Auch das Nachwort der Autorin war aufschlussreich und hat den Bezug zur Realität verstärkt – nicht nur die beschriebenen Umweltprobleme gibt es tatsächlich, sondern auch viele der anderen im Roman angesprochenen Dinge basierend auf wahren Schicksalen.

Fazit

"Stromlinien" ist weit mehr als ein Roman über ein Familiengeheimnis – es ist eine tiefgründige Geschichte über Verantwortung, Zugehörigkeit, die Auswirkungen unserer Entscheidungen und Schuld die über Generationen noch auf der Familie lasten und diese belasten kann. Durch den einfühlsamen Stil, die vielschichtigen Figuren und die gesellschaftlich relevanten Themen hebt sich dieser Roman von vielen anderen ab. Ich kann ihn uneingeschränkt empfehlen. 5 von 5 Sternen! ⭐⭐⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Wenn Bilder tödlich sind – Ein Krimi der besonderen Art“

HEN NA E - Seltsame Bilder
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"HEN NA E - Seltsame Bilder" ist ein ungewöhnlicher Krimi, in dem mysteriöse Zeichnungen eine Reihe rätselhafter Todesfälle auslösen und zwei Journalisten auf eine gefährliche Spur führen. Der Autor, Uketsu ...

"HEN NA E - Seltsame Bilder" ist ein ungewöhnlicher Krimi, in dem mysteriöse Zeichnungen eine Reihe rätselhafter Todesfälle auslösen und zwei Journalisten auf eine gefährliche Spur führen. Der Autor, Uketsu gehört zu den innovativsten Krimi-Autor:innen Japans und ist bekannt für seinen einzigartigen Stil, der Text mit Zeichnungen kombiniert. Seine Bücher haben das Genre maßgeblich beeinflusst und ihm eine große Leserschaft beschert. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit betreibt er einen erfolgreichen YouTube-Kanal, doch seine Identität bleibt hinter einer weißen Maske verborgen.

Worum geht’s genau?
Ein rätselhafter Blogeintrag verbreitet sich im Internet. Der Verfasser hat sich offenbar kurz darauf das Leben genommen und mehrere mysteriöse Zeichnungen hinterlassen. Bald werden Verbindungen zu einer Reihe ungeklärter Todesfälle sichtbar, und zwei Journalisten beginnen, den Fall zu untersuchen. Doch je tiefer sie graben, desto mehr scheinen sie sich in einem Labyrinth aus Wahrheit, Täuschung und tragischen Schicksalen zu verlieren. Neue Zeichnungen tauchen auf, die die bisherigen Annahmen auf den Kopf stellen...

Meine Meinung
Bereits der Einstieg ins Buch war vielversprechend: Der klare, direkte Schreibstil ohne überflüssige Schnörkel erleichterte das Lesen. Besonders fasziniert hat mich die Verbindung zwischen Text und Zeichnungen, die eine ungewöhnliche, aber stimmige Erzählweise erschaffen. Die Zeichnungen tragen zur Spannung bei und lassen uns Leser:innen selbst miträtseln. Auch die kulturellen Besonderheiten Japans, wie die Vergabe von Hausschuhen an Besucher:innen von Universitäten oder die exakten Zeitangaben auf Mindesthaltbarkeitsdaten, fand ich interessant. Die Krimi-Elemente sind größtenteils spannend gestaltet. Besonders die Idee, den Todeszeitpunkt durch erzwungene Nahrungsaufnahme zu manipulieren, war für mich eine neue und raffinierte Wendung. Ebenso fand ich das Konzept von "Nanashino", das mit unserem "Max Mustermann" vergleichbar ist, sehr spannend.

Allerdings hatte ich auch einige Schwierigkeiten mit dem Buch. Die vielen japanischen Namen machten es mir schwer, die Charaktere auseinanderzuhalten – ein Personenregister inkl. Darstellung der Beziehungen zueinander wäre hilfreich gewesen. Zudem irritierte mich die häufige Hervorhebung des äußeren Erscheinungsbilds von Frauen und die diskriminierende Darstellung von Mehrgewicht und Alter. Während der erste Teil des Buches fesselnd und atmosphärisch dicht war, empfand ich den zweiten Abschnitt als zunehmend verwirrend und konstruiert. Die Handlung nahm Wendungen, die schwer nachzuvollziehen waren. Ein weiteres Problem war für mich die Polizei, die fragwürdige Ermittlungsmethoden zuließ. Einige Enthüllungen, insbesondere das Motiv für einen der zentralen Morde, waren für mich zu schwach begründet. Zudem wirkte die Adoption eines Kindes durch einen alten, kranken, alleinstehenden Mann ohne vorherige Bindung/Beziehung zum Kind unrealistisch wenn nicht sogar problematisch.

Fazit
"Seltsame Bilder" beginnt als spannender Mystery-Krimi mit innovativer Erzählweise, verliert jedoch im Verlauf an Logik und Nachvollziehbarkeit. Der erste Teil konnte mich noch fesseln, während der zweite Abschnitt zunehmend unübersichtlich wurde. Trotz origineller Ideen und eines interessanten Konzepts bleibt das Buch für mich etwas hinter seinen Möglichkeiten zurück. Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 30.03.2025

Viele Verdächtige, wenig Antworten – ein zwiespältiger Thriller

Während du schläfst
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Der Thriller "Während du schläfst" von Kathrin Croft wirft die Leser:innen in ein erschütterndes Szenario: Eine Frau wacht neben einer Leiche auf und kann sich an nichts erinnern. Kathrin Croft, eine britische ...

Der Thriller "Während du schläfst" von Kathrin Croft wirft die Leser:innen in ein erschütterndes Szenario: Eine Frau wacht neben einer Leiche auf und kann sich an nichts erinnern. Kathrin Croft, eine britische Bestsellerautorin, ist bekannt für ihre psychologisch raffinierten Thriller, die mit unerwarteten Wendungen und düsteren Geheimnissen aufwarten. Mit diesem Roman liefert sie eine Geschichte voller Misstrauen, Verwirrung und schockierender Enthüllungen.

Worum geht's genau?
Tara erwacht ohne jegliche Erinnerung in einem fremden Bett. Neben ihr liegt ihr Nachbar Lee – erstochen mit einem Messer. Panik ergreift sie, doch anstatt die Polizei zu rufen, schleicht sie sich heimlich nach Hause und versucht, ihr normales Leben weiterzuführen. Doch als ihre Tochter plötzlich in Verdacht gerät, eine Affäre mit dem Ermordeten gehabt zu haben, wird Tara tiefer in die Ermittlungen verstrickt, als ihr lieb ist. Wer hat Lee wirklich getötet? Und kann Tara ihrer eigenen Erinnerung überhaupt trauen?

Meine Meinung
Ich habe das Buch als Hörbuch (Rezensionsexemplar), gelesen von Anne Düe, gehört. Ihre Stimme passt perfekt zur Geschichte und verstärkt die bedrückende, teils unheimliche Atmosphäre. Während mich der Thriller zu Beginn absolut fesselte, verlor er im letzten Drittel leider an Spannung. Zwar bleibt bis zum Ende unklar, wer der oder die Täter:in ist, doch genau das empfand ich als problematisch: Jede Figur erscheint verdächtig, doch es gibt keine wirklichen Hinweise, die es den Leser:innen ermöglichen, selbst eine fundierte Vermutung anzustellen.

Auch die Länge des Romans empfand ich als etwas anstrengend – das ständige Herauszögern der Auflösung wurde auf Dauer eher ermüdend als spannend. Zudem konnte ich zu keinem der Charaktere eine wirkliche Verbindung aufbauen. Es gab viel Betrug und Verrat, was für einen Thriller natürlich typisch ist, aber die Figuren waren mir persönlich zu überzeichnet, sodass sie schnell an Sympathie verloren. Besonders das Verhalten der Polizei wirkte auf mich fragwürdig – die Ermittlungen kamen kaum voran, und es wurde nie wirklich klar, wieso sie in einigen Punkten so unschlüssig agierten. Auch nach der Auflösung blieben einige Fragen offen, was mich ein wenig unbefriedigt zurückließ.

Nichtsdestotrotz fand ich die Grundidee des Romans spannend, und die ersten zwei Drittel waren durchaus packend. Der Aufbau der Geschichte sorgt dafür, dass man immer weiterlesen (oder -hören) möchte, um die Wahrheit endlich herauszufinden. Die dichte Atmosphäre und das Gefühl, niemandem trauen zu können, sind gut umgesetzt.

Fazit
Ein Thriller mit einer vielversprechenden Ausgangssituation und einer dichten Atmosphäre, der mich leider zum Ende hin nicht mehr ganz überzeugen konnte. Die Spannung ist zwar konstant hoch, doch die fehlenden Hinweise und unsympathischen Charaktere haben das Leseerlebnis für mich etwas getrût. Wer sich auf einen langen, verworrenen Thriller mit vielen Wendungen einlassen möchte, könnte hier aber trotzdem auf seine Kosten kommen. Bewertung: 3,5 von 5 Sternen.

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