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Veröffentlicht am 26.03.2022

Wo ist Kimmy?

Die Kinder sind Könige
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Die Kinder sind Könige ist ein außergewöhnliches Buch im abwechslungsreichen Werk der französischen Schriftstellerin Delphine de Vigan, thematisch wie stilistisch.
Ausgangspunkt ist das Verschwinden eines ...

Die Kinder sind Könige ist ein außergewöhnliches Buch im abwechslungsreichen Werk der französischen Schriftstellerin Delphine de Vigan, thematisch wie stilistisch.
Ausgangspunkt ist das Verschwinden eines Kindes 2019, die 6jährige Kimmy Diore.
Es gibt einige Verhöre mit der Mutter Melanie Claux und dem Bruder Sammy.
Melanie hat ihre Kinder immer wieder für Aufnahmen genutzt, die sie auf Social Media-Kanälen wie Instagram, youtube etc. eingestellt hatte.
Sie wurden dabei zu Influencern und verdienten viel Geld.
Gegenpol zu dieser Familie ist die ermittelnde Polizistin Clare.

Die vielen episodenhaften Szene der Verhöre und Filmbeschreibungen lassen für mein Lesegefühl streckenweise einen nur eingeschränkten Lesefluss zu,m später kommt man mehr rein.
Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren mehr Tiefe und Profil hätten. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass sie mir als Charaktere lange in Erinnerung bleiben.
Gut gemacht finde ich aber die Beschreibungen, wie das ständige gefimltwerden Kimmy immer mehr anstrengt und überfordert.
Auch wie der Entführungsfall aufgeklärt wird, halte ich für gelungen und glaubwürdig.
Dann gibt es später einen Handlungssprung ins Jahr 2031 und man erfährt, wie die Ereignisse weitergingen, was aus den Figuren wurde.
Das wirkt teilweise wie lange filmische Einstellungen.

Es ist beileibe kein schlechter Roman und das Thema durchaus wichtig, trotzdem erreichte mich das Buch streckenweise nicht so ganz. Viele Passagen musste ich zwei mal lesen um zu folgen Ich bereue aber nicht, das Buch gelesen zu haben. Dazu war es zu interessant, sogar fesselnd..
Delphine de Vigan hat schon viele gute Bücher geschrieben und ich bleibe natürlich ihr treuer Leser.

Veröffentlicht am 22.03.2022

Lebensentwürfe, mit einer Sprache wie eloxiert erzählt

Ewiges Licht
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Ewiges Licht von Francis Spufford ist ein Stück englische Literatur mit einer außergewöhnlichen Idee. Der Autor erzählt das mögliche Leben von 5 Menschen, die 1944 zu Tode gekommen sind. Es sind Ben ...



Ewiges Licht von Francis Spufford ist ein Stück englische Literatur mit einer außergewöhnlichen Idee. Der Autor erzählt das mögliche Leben von 5 Menschen, die 1944 zu Tode gekommen sind. Es sind Ben und Vern, Jo und Val und Alec. Alles ganz verschiedene Persönlichkeiten.
Mit einem hochstilisierten Prolog beginnt es, auch danach bleibt ein erzählerisch hoher Ton.
Leider verfängt sich die Idee bei mir nicht so stark wie erwartet, obwohl es natürlich viele intensive Momente gibt, wenn die Figuren und ihr Leben kapitelwechselnd erzählt werden. Auch formuliert der Autor ganz gut.
Ein ambitioniertes Buch, von dem ich mir wünschte, es hätte mich mehr gepackt. So gebe ich 3,5 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.03.2022

Leben mit Markus

Mongo
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Mongo von Harald Darer thematisiert das Zusammenleben mit Menschen mit Trisomi 21. Darer, der mich schon mit seinem Roman Blaumann aus dem Jahr 2019 sehr überzeugen konnte, verwendet eine zugängliche Sprache ...

Mongo von Harald Darer thematisiert das Zusammenleben mit Menschen mit Trisomi 21. Darer, der mich schon mit seinem Roman Blaumann aus dem Jahr 2019 sehr überzeugen konnte, verwendet eine zugängliche Sprache und einen Erzähler, mit dem man sich leicht identifizieren kann, insbesondere wenn man auch noch ungefähr aus seiner Generation stammt. Es gibt viele Rückblicke, die die alte Zeit der siebziger und achtziger Jahre aufleben lassen.
Hinzu kommen einige österreichspezifische Ausdrücke, die mit als deutschen Leser nicht bekannt waren, die zu entdecken aber dennoch Spaß machten.

Harrys Frau ist schwanger, hat aber Angst, mit ihrem Baby könnte etwas nicht stimmen, da ihr Bruder Markus Trisomi 21 hat.
Auf unverkrampfte Art gibt es Beschreibungen der Erlebnisse mit Markus, die keine Tragik sondern viel Humor beweisen und für den ganz normalen Umgang mit Menschen mit Behinderungen plädiert. Auch wenn natürlich nicht alles immer ganz einfach ist. Markus ist ein Mensch mit Einschränkungen und dennoch eine Persönlichkeit.

Veröffentlicht am 20.03.2022

Ein Mann lebt seine Überzeugungen

Vegetarianer
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Der Picus-Verlag hat mit Vegetarianer von Felix Kucher ein interessantes Buch vorgelegt, dass sprachlich überzeugt. Die Handlung ist im 19.Jahrhundert angelegt und der Autor gestaltet sie sprachlich so, ...

Der Picus-Verlag hat mit Vegetarianer von Felix Kucher ein interessantes Buch vorgelegt, dass sprachlich überzeugt. Die Handlung ist im 19.Jahrhundert angelegt und der Autor gestaltet sie sprachlich so, dass man sie nachvollziehen kann. Dabei übertreibt er aber auch nicht, so dass es immer gut lesbar bleibt.
Es ist eine Romanbiografie, die das Leben des Malers Karl Wilhelm Diefenbach zeigt, der einen alternativen Lebensstil gründete. Freies Leben, frei Liebe, Vegetarianismus und FKK gehörten dazu.
Seine Jünger konnte er aber überwiegend nicht halten. Einer seiner treuesten war der Maler Hugo Höppener, den er Fidus nannte.

Diefenbach war eine eigenwillige Figur, der fanatisch zu seinen Überzeugungen stand, aber sein Leben war auch mit Krankheit und Geldsorgen belastet.
Was mir fehlte war, dass mir auch der Anlass, die Initialzündung für Diefenbachs Theorien nahegebracht wurde.
Diefenbach ist eine eigenwillige Figur, mit der ich meine Probleme hatte, doch mit der Zeit wurde er mir doch nahegebracht und man leidet mit ihm mit. Es ist ein lesenswerter Roman.

Veröffentlicht am 16.03.2022

mysteriöses Verschwinden

Mrs Agatha Christie
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Marie Benedikt zeigt den Menschen und das Privatleben der berühmtesten Kriminalroman-Autorin. Man begegnet ihr als junge Frau und wie sie ihren Ehemann kennenlernt sowie erste Schreibversuche.
Dann gibt ...

Marie Benedikt zeigt den Menschen und das Privatleben der berühmtesten Kriminalroman-Autorin. Man begegnet ihr als junge Frau und wie sie ihren Ehemann kennenlernt sowie erste Schreibversuche.
Dann gibt es den Handlungsstrang 1926, als Agatha Christi rätselhafterweise für mehrere Tage verschwunden war. Die Polizei suchte die Vermisste vergebens.
Dies ist kein Kriminalroman, aber dieses Ereignis gibt immerhin ein paar mysteriöse Momente.

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Agatha und ihren Mann Archie. Das funktioniert sehr gut und hält die Spannung hoch.

Da es sich bei Marie Benedikt um eine Autorin aus den USA handelt, fehlt dem Text das typisch britische, was man sonst mit Agatha Christie verbindet.
Meinem Lesegeschmack kommt das aber entgegen.
Auch glaube ich nicht, dass diese Romanfigur wirklich der echten Agatha Christies Charakter entspricht, aber das sollte man bei einem Unterhaltungsroman dieser Art auch nicht unbedingt erwarten.

Marie Benedikt hatte mich schon mit Frau Einstein beeindruckt. Auch diesmal wählt sie als Schwerpunkt eine schwierige Beziehung. Dieser Roman ist ebenfalls stilistisch geschmeidig und sehr zugänglich.