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Veröffentlicht am 14.09.2023

Toller Krimi im Berlin der Kaiserzeit mit einem liebenswerten Gauner

Felix Blom. Der Häftling aus Moabit
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Felix Blom kommt nach 3 Jahren Haft in Moabit auf freien Fuß. Er will seine Unschuld beweisen und sein Leben wieder in geregelte Bahnen führen, was leichter gesagt als getan ist. Und dann flattert ihm ...

Felix Blom kommt nach 3 Jahren Haft in Moabit auf freien Fuß. Er will seine Unschuld beweisen und sein Leben wieder in geregelte Bahnen führen, was leichter gesagt als getan ist. Und dann flattert ihm auch noch eine Morddrohung ins Haus…

Felix war mir von Anfang an sympathisch. Wir lernen ihn erst nach seiner Haftzeit kennen, vielleicht war er vorher als Gauner, der viel Geld gestohlen und sich Ansehen erschlichen hat, nicht so herzlich. Aber das Gefängnis hat ihn zumindest teilweise geläutert. Ebenso toll ist Mathilde seine neue Nachbarin, die mit beiden Beinen im Leben steht, sich nicht die Butter vom Brot nehmen lässt und immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat. Das Setting hat mir ebenso gut gefallen. Im Berlin der Kaiserzeit liegen Freud und Leid, die feine Gesellschaft und die bittere Armut nah beieinander und dieser Riss zwischen den Gesellschaftsschichten wird auch deutlich heraus gearbeitet. Einige Personen gab es wirklich und auch der Mord an einem jungen Mann basiert auf Tatsachen.

Der eigentliche Krimiplot ist Fiktion und sehr klug konstruiert. Ganz zum Schluss wird klar dass irgendwie mal wieder alles zusammenhängt, worauf ich natürlich auch mal wieder nicht drauf gekommen bin. Allgemein gibt es wenig Schauerliches und kaum Gewalt (was man sonst von anderen historischen Roman Noir durchaus anders gewohnt ist), was mir ausgesprochen gut gefallen hat. Ein paar Dinge, wie zum Beispiel die Strukturen der sich gerade entwickelnde organisierte Kriminalität rund um Arthur Lugowski werden angerissen und hoffentlich im nächsten Teil noch etwas vertieft.

Ich empfehle dieses Buch gerne an alle, die das Berlin im Jahr 1878 kennenlernen möchten und an einer sehr guten Kriminalgeschichte mit einem tollen Hauptprotagonisten Freude haben.

Veröffentlicht am 13.09.2023

Cosy Crime meets Belle Époche - ein Hochgenuss

Die Tote in der Sommerfrische
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Viktoria, angehende Lehrerin an einer Reformschule, verbringt den Sommer auf Norderney, ebenso wie der Journalist Christian, der eine Reportage über die Sommerfrische der Gutbetuchten schreibt. Doch das ...

Viktoria, angehende Lehrerin an einer Reformschule, verbringt den Sommer auf Norderney, ebenso wie der Journalist Christian, der eine Reportage über die Sommerfrische der Gutbetuchten schreibt. Doch das schöne Leben bekommt einen Riss, als Christian ein totes Dienstmädchen aus der Nordsee zieht. Viktoria erkennt in ihr Henny, die ehemalige Bedienstete ihrer Familie und beginnt zusammen mit Christian Nachforschungen anzustellen warum Henny sterben musste.

Als Christian und Viktoria sich das ersten Mal gegenüber stehen ist einem eigentlich schon klar, welche Richtung das Ganze nehmen muss, aber das ist dann auch schon das einzig Vorhersehbare an diesem Buch. Ich habe viele Theorien aufgestellt, wer der Mörder sein könnte oder wer welche Geheimnisse mit sich trägt und ich lag mit keiner Vermutung richtig. Das finde ich spricht immer sehr für ein Buch. Zumal wirklich sehr sehr viel an die Serien Grand Hotel und Downton Abbey erinnert, da wäre es nicht verwunderlich, wenn sich das ein oder andere Motiv wiederholt.

Auch wenn ich schon einige Bücher, die in dieser Zeit spielen, gelesen habe, so kommt auch dieses mit ein paar tollen neuen Informationen daher. Wusstet ihr beispielsweise das ein damals übliches Badekleid aus Wolle und nass rund 6kg schwer war? Die armen Damen!
Die Charaktere waren für mich allesamt stimmig, auch wenn ein paar Klischees bedient werden (der geheimnisvolle Arzt, die schöne ehemalige Schauspielerin, die konservative Baroness etc.), und mit Viktoria und Christian haben wir es mit einem sehr schön harmonierenden Duo zu tun.

Ich bin sehr gespannt auf den zweiten Teil, den ich mir sicher nicht entgehen lasse und möchte das Buch allen empfehlen, die an Geschichten, die in der Belle Époche spielen, Freude haben und an Cozy Crime Fans.

Veröffentlicht am 03.09.2023

Ein schöner, kurzweiliger Wohlfühlkrimi mit Herz (und Alkohol)

Eierlikör und Todesschüsse
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Das friedliche Dorfleben in Mühlbach wird erschüttert, als die junge Dorfbewohnerin Maja ermordet aufgefunden wird. Anneliese und Loni haben als alt eingesessene Mühlbacherinnen Einblick in das Dorfleben, ...

Das friedliche Dorfleben in Mühlbach wird erschüttert, als die junge Dorfbewohnerin Maja ermordet aufgefunden wird. Anneliese und Loni haben als alt eingesessene Mühlbacherinnen Einblick in das Dorfleben, die der Polizei ihres Ermessen nach verwehrt bleiben und so stellen sie auf eigene Faust Ermittlungen an.

Ich hatte sehr viel Spaß mit Anneliese und Loni, die sich einfach ganz toll ergänzen. Sicherlich ist Annelieses Art etwas anstrengend, aber auf eine herzliche Weise. Alle anderen Beteiligten sind authentisch und da ich selbst vom Dorf komme, erkennt man ein paar Parallelen zur Realität. Auch wenn die meistens nicht so lustig daher kommt. Die Kriminalgeschichte selbst ist rund und es bleiben keine Fragen offen. Für mich war der Krimi tatsächlich sehr weiblich in Art, Denkweise und Rätseln, die Hinweise auf den Täter geben. Ich denke deshalb war es für mich sehr schnell klar, wer der Mörder sein muss und warum ich Anneliese und Lonis Gedanken so gut nachvollziehen konnte.

Für einen ländlichen Cosy Crime hätte ich mir für den letzten Schliff noch etwas mehr Einblick in das Privatleben, vor allem aber auch in die Vergangenheit der beiden Hauptpersonen gewünscht. Da gibt es bestimmt viel zu erzählen, immerhin sind die beiden Damen ja auch schon etwas betagt.

Alles in allem hat alles gepasst für mich und ich möchte das Buch sehr gerne an Liebhaber von Wohlfühlkrimis weiterempfehlen, die vielleicht sogar selbst vom Dorf kommen und sich und das Dorfleben in der Geschichte auch etwas wieder erkennen.

Veröffentlicht am 03.09.2023

Düsterer Krimi, der dennoch viel Herz hat

Wer mit den Toten spricht
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Cassie Raven ermittelt diesmal in ihrer eigenen Vergangenheit. Nachdem ihr Vater aus der Haft entlassen wird und Cassie gegenüber immer wieder beteuert, dass er unschuldig am Tod seiner Frau ist, muss ...

Cassie Raven ermittelt diesmal in ihrer eigenen Vergangenheit. Nachdem ihr Vater aus der Haft entlassen wird und Cassie gegenüber immer wieder beteuert, dass er unschuldig am Tod seiner Frau ist, muss Cassie sich fragen, was damals wirklich passiert ist. Währenddessen hat sie in der Leichenhalle mal wieder alle Hände voll zu tun.

Vorneweg: Wer mit Tote schweigen Nie den ersten Teil der Raven und Flyte Reihe nicht kennt, aber vorhat ihn noch zu lesen, der sollte sich an die Reihenfolge halten. Einmal, weil Cassie die Wahrheit über die Geschichte ihrer Eltern erst zum Ende des vorangegangenen Teiles erfährt und zum anderen, weil die Charakterentwicklung von Flyte wirklich sehr groß ist und man sich bei der „falschen“ Reihenfolge vielleicht fragen könnte, ob man es wirklich mit der gleichen Person zu tun hat.

Wie im ersten Teil auch gibt es einen Haupthandlungsstrang und dann noch einzelne Todesfälle aus der Rechtsmedizin, die aus Cassies Alltag erzählen und wieder sehr speziell sind. Die angesprochen Themen (Suizid, Femizid, Gothic-Kultur) sind intensiv, aber gleichzeitig einfühlsam und auch sorgsam aufgearbeitet. Die Frauenfiguren stechen hervor und sind sicherlich ein Alleinstellungsmerkmal der Raven und Flyte Reihe.

Cassies Zwiesprache mit den Toten ist nicht so platt oder gar übernatürlich wie es vielleicht erstmal klingen mag, für mich ist es eher Teil ihrer überaus einfühlsamen Art und dass sie es perfekt beherrscht Menschen zu lesen. Darauf muss man sich einlassen, aber wer das kann wird hier seine Freude haben. Für Krimiliebhaber und Soft-Thrill Fans sehr zu empfehlen!

Veröffentlicht am 30.08.2023

Toller Krimi in einem wundervollen Setting

Sonne über Gudhjem
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Lennard Ipsen (nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Müllunternehmen) sucht nach Burnout und Scheidung auf Bornholm nach einem ruhigen Neuanfang. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei ...

Lennard Ipsen (nicht verwandt oder verschwägert mit dem gleichnamigen Müllunternehmen) sucht nach Burnout und Scheidung auf Bornholm nach einem ruhigen Neuanfang. Doch mit der Ruhe ist es schnell vorbei nachdem ein toter Landwirt aufgefunden wird und Lennard mit seinem Team die Mordermittlungen aufnehmen muss.

Lennard, Britta und Tao als Team sind super. Alle drei sind warmherzig, keiner versucht den anderen mit schrägen Marotten oder zu gewolltem Humor den letzten Nerv zu rauben. Sie sind einfach ganz normal, was ich wunderbar finde und mir von Anfang an ein Gefühl von Authentizität vermittelt hat.

Das Setting ist grandios. Ich war noch nie auf Bornholm (wäre auch im Lebtag nicht auf die Idee gekommen dort Urlaub zu machen, was ich jetzt ganz dringend überdenken muss) und dank der mitreißenden Beschreibungen der Insel kann man nicht anders als sich in sie zu verlieben. Die besondere Stellung im Kalten Krieg und als östlichster Punkt der NATO ist super spannend. Obendrauf kommt der Krimiplot, handfest, solide und rund, der der Geschichte, eingebettet in eine tolle Landschaft mit authentischen Charakteren, den letzten Schliff verleiht.

Michi Kobr kennen wir als Teil des Autorenduos Klüpfl und Kobr, die Schöpfer von Klufti und Monsieur Lipaire. Das Solo-Werk hat mit Lennard Ipsen einen ganz eigenen Charakter mit ganz viel Herz und nicht ganz so viel Verschrobenheit. Die einzige Parallele zu den Kluftinger Krimis ist die Tatsache, dass wir es hier mit einem tollen ländlichen Cosy Crime zu tun haben. Ansonsten ist das Loslösen von den bisherigen im Duett geschriebenen Büchern wunderbar gelungen. Meine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle Krimiliebhaber und jeden, der einmal Bornholm kennenlernen will.