Profilbild von Lesemaus-Hamburg

Lesemaus-Hamburg

Lesejury Star
offline

Lesemaus-Hamburg ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Lesemaus-Hamburg über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.11.2022

Skurril, aber gut!

Frau mit Messer
0

Könnt ihr euch ein Buch vorstellen, dass eine Mischung aus dem Donnerstagmordclub und Kill Bill ist? Wo allerdings nicht Tarantino das Drehbuch geschrieben hat, sondern Murakami?
Ich meine einen etwas ...

Könnt ihr euch ein Buch vorstellen, dass eine Mischung aus dem Donnerstagmordclub und Kill Bill ist? Wo allerdings nicht Tarantino das Drehbuch geschrieben hat, sondern Murakami?
Ich meine einen etwas skurrilen Kill Bill, wo Uma Thurman bereis 65 Jahre alt ist?
Hier ist es:

FRAU MIT MESSER
Gu Byeong-Mo

Südkorea: Die 65-jährige Hornclaw ist Auftragskillerin. Eine betagte Auftragskillerin, die täglich damit rechnet, in Rente geschickt zu werden.
Eigentlich, wenn sie es zugeben würde, merkt sie selber, dass sie "in die Jahre gekommen ist": Ihre Kräfte lassen nach und es fällt ihr immer schwerer die Aufträge präzise auszuführen. Dabei war sie ihr Leben lang eine „Schädlingsbekämpferin" - nie hat sie etwas anderes gemacht, Gefühle und Mitleid waren ihr Fremdwörter. Doch zum Alter hin, ertappt sie sich immer öfter dabei, wie sie Gefühle für andere hat. Was ihr im Alter allerdings zugutekommt, ist ihr unauffälliges Aussehen. Wer würde schon denken, dass hinter der kleinen Frau mit merkwürdigem Hut und Mantel eine professionelle Killerin steckt?
Zusammengefasst ist sie zufrieden mit ihrem Leben, wenn da nicht ihr jüngerer Kollege Bullfight wäre, der sie unaufhörlich schikaniert und es darauf abgesehen hat, sie zu Fall zu bringen. Seit neuestem mischt er sich sogar in ihre Fälle ein! Warum er sie mit so wenig Respekt behandelt, ist ihr ein Rätsel. (Wenn Hornclaw ein paar Morde weniger ausgeführt hätte, würde sie sich vielleicht noch an den kleinen Jungen erinnern, der sie einmal bei der Ausführung eines Mordes beobachtete …)

Immer wieder gibt es Rückblicke in die Vergangenheit der Protagonisten. Durch diese Rückblicke fallen die einzelnen Puzzleteile ins Ganze.

Byeong-Mo hat einen Roman geschrieben, der sich in keine Schublade stecken lässt. Skurril, spannend, liebevoll und traurig.
Ein Buch, das ich in nur 2 Tagen gerne gelesen habe, sicherlich aber nicht für die breite Masse ist. Für alle, die Murakami oder asiatische Literatur mögen, wird dieses Buch ein Fest sein.
4½ /5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.11.2022

Genial

Unschuld
0

„Ich wusste, dass mein nächstes Buch eine ganz andere Geschichte als NOAH sein sollte.“
So, oder ähnlich, sprach Takis Würger über sein Buch UNSCHULD bei der Lesung im Hause @heymann am 1. November 2022. ...

„Ich wusste, dass mein nächstes Buch eine ganz andere Geschichte als NOAH sein sollte.“
So, oder ähnlich, sprach Takis Würger über sein Buch UNSCHULD bei der Lesung im Hause @heymann am 1. November 2022.
Und genau das ist sie:

UNSCHULD
Takis Würger

Die 23-jährige Molly Carver lebt bei ihrem Onkel Mick in einer kleinen Kellerwohnung in New York.
In 35 Tagen soll ihr Vater Florentin die Giftspritze bekommen.
Florentin Carvers ist seit 10 Jahren in Haft, des Mordes an Casper Rosendales angeklagt und zum Tode verurteilt.
Eine grosse Untersuchung des Mordes gab es damals nicht - denn Florentin gestand die Tat. Molly, die an die Unschuld ihres Vaters glaubt, bleiben 35, Tage diese zu beweisen.

„Manchmal glaubte Molly, wer so etwas erlebt hatte wie sie, der würde mit einem Teil von sich immer in der Vergangenheit bleiben, in der Zeit, als alles leicht gewesen war. Molly dachte, dass sie, seit sie vierzehn Jahre alt gewesen war, eigentlich nie wirklich in der Gegenwart gelebt hatte.
Sie war nie ganz da.
Manchmal war die Einsamkeit so groß, dass Molly sich fragte, wie sie weiteratmete." (S. 25)

Es ist das zweite Buch, das ich in diesem Monat von Takis Würger gelesen habe.
Nein, das war schlecht beschrieben.
Zweiter Versuch:
Es ist das zweite Buch, das ich in diesem Monat von Takis Würger inhaliert und weggesuchtet habe.
Dieser Mann kann schreiben! Wie macht er das? Er lässt die Charaktere lebendig werden und zieht uns in den Roman hinein. Ich wollte einfach wissen wie es weitergeht und konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen!
Grosse Leseempfehlung von mir!
5 /5

P.S. Takis Würger, ich bin dein Fan!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.11.2022

Beeindruckende Geschichte!

Unser geteilter Sommer
0

„Oma, können wir Mama mal besuchen?“
„Das geht leider nicht, mein Schatz, aber sie kommt ganz bald zurück.“
„Wie bald ist ganz bald?“
„Das weiß ich nicht.“
„In einem Monat?“
Ein Monat schien unerträglich ...

„Oma, können wir Mama mal besuchen?“
„Das geht leider nicht, mein Schatz, aber sie kommt ganz bald zurück.“
„Wie bald ist ganz bald?“
„Das weiß ich nicht.“
„In einem Monat?“
Ein Monat schien unerträglich weit entfernt. Ich hatte das nur aus Provokation gesagt, damit sie antwortete: Natürlich früher!
Aber sie sah mich traurig an uns schüttelte den Kopf und sagte, nein, in einem Monat bestimmt noch nicht. (S. 232)

Unser geteilter Sommer
Sophie Hardach

1987, Ostberlin: Die 8-jährige Ella wohnt mit ihren zwei jüngeren Brüdern, ihren Grosseltern und ihren Eltern, die beide Kunsthistoriker sind, in der innerdeutschen Grenze Berlins.
Während die Grosseltern linientreu sind, bewegt sich Mutter Regine als Freigeist in der Künstlerszene.
Ella ist ein glückliches Kind. Sie liebt die langen Sommerabende mit Pfannkuchen und freut sich auf ihre bevorstehende Jugendweihe.
Ihr Leben verändert sich schlagartig, als die Eltern den vorgetäuschten Familien-Ungarn-Urlaub nutzen, um über die grüne Grenze nach Österreich zu fliehen.

2020, London: Jahre nach dem Tod von Ellas Mutter taucht ein zusammengefalteter alter Brief in einem Buchnachlass der Mutter auf. Der Brief besagt, dass weitere Dokumente zur Ansicht in einer Stasiakte bereit lägen. War das der Grund warum ihre Mutter damals noch einmal Deutschland besuchte? Ella lässt dieser Gedanke keine Ruhe und begibt sich nach Berlin, zur Aktensichtung und auf die Suche ihres jüngsten Bruders Heiko, der seit der verheerenden und gescheiterten Flucht verschwunden ist.

Sophie Hardach hat hier ein wunderbares Buch geschrieben. Ein Stück Zeitgeschichte, das so schmerzlich liebevoll geschrieben ist, dass ich das Buch förmlich inhalieren musste.
Ein Buch, das Fragen aufwarf, die ich mir zuvor im Leben nie gestellt habe.
Am Ende hätte ich mir gewünscht, dass dieses Buch eine biografische Geschichte wäre, doch ganz sicher gab es viele ähnlich traurige Familienschicksale wie diese.

Eine grosse Leseempfehlung von mir!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.11.2022

Cosy Crime mit viel Spannung

Ein Duo für alle Felle
0

Ein Duo für alle Felle
Patricia Grob

Hier kommt ein Cosy Crime aus dem Züricher Oberland:

Das ruhige Leben des Pensionärs Paul wird durcheinandergebracht als seine Enkel ihm einen Beagle schenken. So ...

Ein Duo für alle Felle
Patricia Grob

Hier kommt ein Cosy Crime aus dem Züricher Oberland:

Das ruhige Leben des Pensionärs Paul wird durcheinandergebracht als seine Enkel ihm einen Beagle schenken. So richtig weiß er nicht was er mit dem Hund anfangen soll, selbst einen passenden Namen will ihm partout nicht einfallen.
Unterdessen werden im Seniorenheim, dort wo seine langjährige Lebensgefährtin Louisa jetzt lebt, drei Senioren tot aufgefunden. Als kurz darauf auch noch Louisa selbst spurlos verschwindet, machen sich Paul und „Hund“ auf die Suche nach ihr. Gut, dass er da auf langjährige Berufserfahrung zurückgreifen kann...

Wer jetzt eine langweilige Geschichte vermutet, den muss ich enttäuschen, denn der Cosy Krimi hat es in sich.
Was als humorvolle Geschichte beginnt, wird schnell zum spannenden Krimi, der sogar einige Actionszenen bereit hält.
Der Krimi ist alles andere als vorhersehbar, ständig schlug die Handlung Haken. Der lockere und leichte Schreibstil der Autorin macht es uns allerdings leicht der etwas skurrilen Handlung zu folgen.
Lediglich der Plot konnte mich am Ende nicht ganz überzeugen.

Leseempfehlung für alle, die den Donnerstagmordclub lieben, die gerne cosy Crime lesen oder Krimis mögen, wo Fellnasen mit von der Partie sind!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.11.2022

Wichtiges Thema

Der Anfang von morgen
0

Der Anfang von Morgen
Jens Liljestrand

Schweden, nach der Pandemie: Der Urlaub von Didrek von der Esch und seiner Familie nimmt ein vorzeitiges Ende, als ein Waldbrand in der Nähe seines Ferienhauses ...

Der Anfang von Morgen
Jens Liljestrand

Schweden, nach der Pandemie: Der Urlaub von Didrek von der Esch und seiner Familie nimmt ein vorzeitiges Ende, als ein Waldbrand in der Nähe seines Ferienhauses ausser Kontrolle gerät.
Andere Nachbarn hatten sich bereits einen Tag zuvor in Sicherheit gebracht, doch Didrek hatte auf eine Löschung des Feuers seitens der Behörden gehofft.

Seine eigene Evakuierung läuft total aus dem Ruder: Die Batterie seines E-Autos ist leer und das Auto springt nicht an. Zu Fuss macht sich die 5-köpfige Familie auf den 15 Km langen Marsch in die nächste Stadt, doch als sie dort ankommen, ist der letzte Evakuierungs-Bus bereits abgefahren und der Ort menschenleer.
Das Feuer kommt immer Näher, der Rauch macht das Sehen und Atmen unmöglich und als ein Auto neben ihnen anhält, geben sie der Familie im Auto ihren verletzten Sohn mit. Viel zu spät realisieren sie, dass sie weder den Namen der Familie kennen, noch deren Autonummer haben.
Während Didrek noch verzweifelt versucht seine Familie in Sicherheit zu bringen, beginnen die ersten Plünderungen in Stockholm. Stromausfälle, Trinkwassermangel, fehlende Hilfskräfte, Medikamente und Lebensmittel tun ihr übriges.

Jens Liljestrand lässt in seinem Klima-Thriller vier Personen in langen Kapiteln zu Wort kommen:
Vater Didrek, Didreks Ex-Geliebte Melissa, André, Sohn eines ehemaligen Tennisprofis und Didriks Tochter Vilja.
Die Erzählstränge sind miteinander verwoben, Zeiträume überschneiden sich, stehen aber nicht im direkten Zusammenhang zueinander.

Der Autor will in seinem dystopischen Szenario auf den Klimawandel verweisen. Für mich hat er das im ersten Kapitel perfekt umgesetzt. Die Spannung ist hoch und ich kann das Buch gar nicht zur Seite legen. Mit der zweiten Erzählerin geht die Spannung ein wenig verloren, kann mich aber dennoch fesseln. Leider passt dann der Sohn des Tennisspielers im dritten Teil kaum noch zu Didreks Geschichte - besser hätte man hier Didreks Frau sprechen lassen. Den letzten Teil, den die Tochter erzählt, fand ich wieder gut.
Insgesamt ein gutes Buch, das ich gerne gelesen habe und dem ich, alleine seines wichtigen Themas wegen, eine grosse Leserschaft wünsche.
4- / 5

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere