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Veröffentlicht am 28.10.2022

Wunderbar melancholisch

Zur See
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Eine kleine Insel in der Nordsee. Es könnte jede sein - mal ist sie grösser, mal kleiner - je nach Wellenschlag. Generationen von Seefahrern hat sie hervorgebracht. Hochseefahrt, nicht nur Fischer.
Man ...

Eine kleine Insel in der Nordsee. Es könnte jede sein - mal ist sie grösser, mal kleiner - je nach Wellenschlag. Generationen von Seefahrern hat sie hervorgebracht. Hochseefahrt, nicht nur Fischer.
Man kennt sich untereinander, seit Generationen, die Insulaner.

Im Mittelpunkt steht die Familie Sander, die hinter dem Zaun aus Walknochen wohnt.
Hanne, die Mutter, die Stunden damit zugebracht hat, wartend im Auto zu sitzen, um ihren Mann Sven abzuholen, der wochenlang zur See fuhr.
Sven, der die Seefahrt irgendwann aufgab, um lieber Vögel zu beobachten, der es nicht mochte, wenn Pensionsgäste mit Schlappen durch seine Küche schlurften und sich halbnackt an seinen Tisch setzten und er deshalb in die Hütte zog.
Der älteste Sohn Ryckmer, der ständig besoffen zur See fuhr und deshalb rausgeschmissen wurde und seitdem noch mehr säuft.
Tochter Eske, die im Pflegeheim arbeitet, von oben bis unten tätowiert ist und damals am Hafen gegen Touristen protestierte.
Und dann ist da noch Henrik, der jüngste Sohn, der mit sich im Reinen ist. Künstler wird er genannt, da er aus angespültem Treibholz Figuren zimmert. Schuhe hat er in seinem Leben noch nie getragen.

Aber es geht nicht nur um diese Familie, alle Geschichten werden erzählt: Die, des Pastors, der Nachbarn und der anderen Insulanern. Das Inselleben hat sich verändert. Fischer gibt es nicht mehr, vielmehr ziehen sich die Männer als Fischer an, das mögen die Touristen. Touristen, davon gibt es viele - Sie werden im Sommer angespült und das Wasser nimmt sie bei Saisonende wieder mit.

Zur See
Dörte Hansen

Ich konnte einfach nicht in die Geschichte finden. Dachte, irgendwann muss doch mal die Einleitung vorbei sein. Aber der Erzählstil änderte sich nicht.
Beim zweiten Versuch, als ich wusste, dass es ein anderer Roman, eine ruhige und melancholische Geschichte ist, konnte ich mich ganz hineinfallen lassen, konnte das Salz des Meeres schmecken, den Sand zwischen den Zehen spüren und den Geschichten, Leiden und Nöten der Inselbewohner lauschen.
Es ist kein Wohlfühlroman. Hansen geht ins Detail, bohrt mit ihren Fingern in angetrocknete Krusten herum, nichts wird verschönt, alles wird angesprochen und später aufgelöst.

Ein eindrucksvoller Roman - wundervoll, ruhig und melancholisch von Nina Hoss gesprochen. Eine grosse Lese/Hörempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 26.10.2022

Wichtiges Thema

Die Welt kippt
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„Jeder Einzelne von uns acht Milliarden hat ein Gehirn, das leistungsfähiger ist als das jeder anderen Spezies auf der Erde. Gemeinsam aber taugen wir zu nichts, verhalten uns dümmer als jedes Tier und ...

„Jeder Einzelne von uns acht Milliarden hat ein Gehirn, das leistungsfähiger ist als das jeder anderen Spezies auf der Erde. Gemeinsam aber taugen wir zu nichts, verhalten uns dümmer als jedes Tier und versenken den Karren mit Vollgas im Dreck." (S.109)

Die Welt kippt
Heiko von Tschischwitz

2024: Die junge Klimaaktivistin Tessa Hansen lernt bei einer Debatte die Finanz-Investorin Shannon O’Reillly kennen. Wider Erwarten erkennt Tessa, das Shannon und sie die gleichen Ziele verfolgen - beide wollen eine Klimakatastrophe verhindern, doch Shannon hat eine ganz andere Strategie und verfolgt diese ohne Skrupel. Beide Frauen beginnen eine Affäre, die auf eine harte Probe gestellt wird, als Shannon in ein klimaneutrales Projekt der Chinesen investiert.

Der von den Grünen gestellte Bundeskanzler kann sich gegen die konservativen Koalitionspartner zum Thema Klimawandel nicht durchsetzen. Schon lange hat Deutschland den Zug verpasst Vorreiter alternativer Energien zu sein. Eines Tages stellt er fest, dass das Klimaproblem zu gross ist und ohne Chinas Hilfe nicht gelöst werden kann.

China verfolgt unterdessen eigene Ziele und kauft 1500 Quadratkilometer Wüste im Sudan. “Derjenige, der die globale Energieversorgung kontrolliert, beherrscht am Ende die Welt.“ (S.219)

Der Autor Heiko von Tschischwitz, Gründer von Licht-Blick, dem ersten und größten Ökostromanbieter, hat hier ein beeindruckendes und wichtiges Debüt geschrieben.

Zu Beginn hatte ich Schwierigkeiten in das Buch zu finden: Die Personen waren mir zu oberflächlich beschrieben und wenn ein Mann über Gefühle schreibt, die zwei Frauen beim Sex empfinden, stellen sich mir die Nackenhaare auf, aber nachdem die einzelnen Handlungsstränge dann zusammenliefen, konnte mich das Buch überzeugen. Die Sicht aus den verschieden Blickwinkeln, gerade im Bereich der Politik und die vielen Klima-Informationen, waren hoch interessant. Auch das Ende mit dem Plot gefiel mir.

Fazit:
Der Autor schafft es uns wachzurütteln, ohne mit dem Finger auf uns zu zeigen oder und zu maßregeln - ES IST 5 VOR 12 UND ES GIBT DEN KLIMAWANDEL!
Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 22.10.2022

Gelungen

Hard Land
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„In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb“. Mit diesen Worten beginnt ...

Hard Land von
Benedict Wells.

Grady, Missouri, 1985: Sam ist 15 Jahre alt und ein Aussenseiter. Er wird in ...

„In diesem Sommer verliebte ich mich und meine Mutter starb“. Mit diesen Worten beginnt ...

Hard Land von
Benedict Wells.

Grady, Missouri, 1985: Sam ist 15 Jahre alt und ein Aussenseiter. Er wird in der Schule gemobbt, sitzt alleine in der Kantine und hat keine Freunde.
Als seine Eltern ihm verkünden, dass er einen Sommer bei seiner Tante und seinen ungeliebten Cousins verbringen soll, nimmt er aus Protest einen Ferienjob in einem Kino an. Hier lernt er die zwei Jahre älteren Cameron, Hightower und Kirstie kennen. Er verliebt sich in Kirstie, die seine Gefühle zwar nicht erwidert, ihm jedoch eine Freundin ist. Der ganze Sommer steht Kopf und ihm geht es zum ersten Mal richtig gut - bis seine Mutter stirbt und fast zeitgleich seine neuen Freunde in ihre Colleges aufbrechen. Sam ist wieder alleine.

„Trauer ist kein Sprint, Trauer ist ein Marathon und auf dieser Strecke gab es Stellen, an denen es besser lief und andere an denen ich kaum Luft bekam. (Section 105)

Doch nach einigen Monaten ist Sam ein anderer, einer, der Selbstbewusstsein hat und lernt mit seinem Schmerz zu Leben.

Benedict Wells hat hier erneut ein wunderbares Buch geschrieben. In diesem Buch verbirgt sich viel mehr als nur eine Coming-Of-Age-Geschichte.
Es geht ums Erwachsen werden, die erste Liebe, Vertrauen und Abschied.

Mich konnte das Buch von Beginn an begeistern und ich habe geweint und gelacht. Zu herrlich sind all die Flashbacks wie z.B. Marti McFly, the Breakfast Club und all die anderen Dinge aus den 80er Jahren.
Den Sprecher des Hörbuches, Robert Stadlober, möchte ich auch noch unbedingt erwähnen. Seine Stimme gefiel mir sehr und hat zu wunderbaren Hörstunden beigetragen.

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Veröffentlicht am 15.10.2022

Weihnachtsflair in London

All I (don’t) want for Christmas
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All I (don’t wan’t) for Christmas
Tonia Krüger

Ach, da ist es wieder: Ein etwas kitschiges Cover und eine Liebesgeschichte - mag ich doch eigentlich gar nicht. Aber mittlerweile sollte ich aufhören diesen ...

All I (don’t wan’t) for Christmas
Tonia Krüger

Ach, da ist es wieder: Ein etwas kitschiges Cover und eine Liebesgeschichte - mag ich doch eigentlich gar nicht. Aber mittlerweile sollte ich aufhören diesen Satz immer zu wiederholen, denn in der Vergangenheit haben mir doch so einige Liebesgeschichten gefallen und für das Weihnachtsflair mag ich Geschichten, die in der Weihnachtszeit spielen und wo ich gerade dabei bin, ich kann es gleich vorwegnehmen:
5 Sterne von mir. So eine liebenswerte Geschichte! 💫🎄Ich bin noch ganz beseelt.

Worum geht es:
Febe hat keine Familie. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt, ihre Mutter ist seit dem Tsunami in Thailand verschwunden, wahrscheinlich gestorben und nun ist auch noch ihre Grossmutter kürzlich verstorben.
Ausser ei
nem Haus und Schulden wurde ihr nur ein Hund vererbt.
Da sie Weihnachten nicht alleine sein möchte und ein ein bisschen Geld gut gebrauchen kann, nimmt Febe das Angebot eines Bekannten an, ihn für die Weihnachtswoche zu seinen Eltern nach Kensington, als Fake-Freundin, zu begleiten. Er möchte seine Ex-Freundin Charlotte eifersüchtig machen und sie zur Umkehr bewegen, denn sie ist mittlerweile mit seinem Bruder liiert.
Ob dieser Plan aufgeht, müsst ihr selber herausfinden, denn ich muss jetzt Plätzchen backen und den Tannenbaum schmücken und habe leider keine Zeit mehr hier zu schreiben.

Der Schreibstil ist locker, leicht und ❤️erwärmend und genau das Richtige für kalte Wintertage🍷🔥.
Eine klitzekleine Anmerkung an den Verlag: Für meinen Geschmack ist das Buch zu früh erschienen (21. September 22). Gerne hätte ich es in der Vorweihnachtszeit gehört/gelesen.
Die Sprecherin des Hörbuches gefiel mir sehr! Marylu Poolmann hat eine wunderbare Stimme und passt perfekt zu der Protagonistin.
Klare Leseempfehlung für alle, die in Weihnachtsstimmung kommen wollen!

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Veröffentlicht am 13.10.2022

Konnte mich nicht ganz überzeugen

Nebenan
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Nebenan
Kristine Bilkau

Nominiert für den deutschen Buchpreis, bereits auf der #shortlist und von euch oft hoch gelobt.


Zum Inhalt:
Erst vor sechs Monaten sind Julia und ihr Mann in die Nähe von Hamburg, ...

Nebenan
Kristine Bilkau

Nominiert für den deutschen Buchpreis, bereits auf der #shortlist und von euch oft hoch gelobt.


Zum Inhalt:
Erst vor sechs Monaten sind Julia und ihr Mann in die Nähe von Hamburg, in ein kleines Dorf, gezogen. Sie haben ihre Nachbarn nie richtig kennengelernt, zu sehr waren sie mit ihrem eigenen Leben beschäftigt:
Julia, deren Kinderwunsch sich einfach nicht erfüllen will und Chris, der das ausbleiben der Schwangerschaft nicht als dramatisch wahrnimmt, sich aber um die katastrophalen Umweltverschmutzungen und Plastikmüll in unseren Gewässern sorgt.
Eines Tages sind ihre direkten Nachbarn weg - über Nacht. Keiner der Nachbarn hat einen Umzugswagen gesehen, von keinem haben sich die Nachbarn verabschiedet. Sind sie wirklich ausgezogen? Oder wo können sie sein?

Astrid ist kurz davor sich zur Ruhe zu setzen und möchte ihre Praxis demnächst verkaufen. Doch seit neuestem erschweren ihr kleine Alltagssorgen das Leben: Ihre Tante hat erste Anzeichen von Demenz und ihr Mann scheint mit seinem neuen Leben im Ruhestand nichts anfangen zu wollen: Tagein, tagaus sitzt er im „Schlabberlook" vor dem Computer. Als dann noch mysteriöse Drohbriefe in der Praxis eintreffen, wird Astrid paranoid oder wird sie doch wirklich verfolgt?

Astrid und Julia kennen sich nur flüchtig, obwohl sie im selben Dorf leben. Ab und zu treffen sie aufeinander, leider stellte sich auch zum Ende des Buches kein Kennenlernen oder eine Freundschaft, wie ich anfänglich vermutete, ein.

Das Buch lässt mich ein wenig unzufrieden zurück. Viele interessante Themen wurden angesprochen: Unerfüllter Kinderwunsch, beginnende Demenz, Umweltverschmutzung, Aussterben der Innenstädte durch zu viele „Online-Bestellungen“, sinkender Grundwasserspiegel und Leben in einer Anonymität, wo jeder nur an sich denkt - nur um einige Themen zu nennen - aber nichts wurde wirklich intensiviert. Beim Lesen habe ich mich ständig gefragt, worauf die Autorin hinaus will.
Leider wurde am Ende auch nicht geklärt, was mit den Nachbarn geschah ...

Der Anfang des Buches las sich sehr gut, doch die Spannung verflüchtigte sich für mich ab der Mitte. Schade!
3/ 5 Sterne

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