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Veröffentlicht am 18.08.2023

eine Hommage an die Familie, explizit die Großeltern

Sylter Welle
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In seinem ersten Roman verarbeitet Max Richard Leßmann augenscheinlich seine Jugend, eigentlich die Beziehung zu seiner Familie; im besonderen zu seinen Großeltern.

Max besucht ein allerletztes Mal für ...


In seinem ersten Roman verarbeitet Max Richard Leßmann augenscheinlich seine Jugend, eigentlich die Beziehung zu seiner Familie; im besonderen zu seinen Großeltern.

Max besucht ein allerletztes Mal für drei Tage seine Großeltern väterlicherseits auf Sylt. Bisher fuhren sie immer mit dem Campingwagen dorthin, diesmal haben sie eine Ferienwohnung in der Anlage "Sylter Welle" gemietet.
Der Urlaub ist einerseits wie immer, andererseits ganz anders. Schon allein, dass der Urlaub diesmal nicht am Campingplatz stattfindet. Und dann verhält sich sein Oppa auch noch anders, er ist vergesslich...

Dieser Liebesroman an die Großeltern bzw. die Insel Sylt liest sich eingängig; obwohl es das Erzählen einer Lebensgeschichte ist, ist es doch auch spannend. Denn diese Familie ist anders als andere. Ganz vorne die Matriarchin Oma Lore, der Opa Ludwig hörig ist (jetzt im Alter, früher war es wohl nicht ganz so.)
Die Erzählung der Ereignisse dieser drei Tage wird immer wieder unterbrochen durch Rückblenden in die Familienvergangenheit. Die Familienbeziehungen werden ausführlich beschrieben, v.a. sämtliche Onkel und Cousins werden aufgezählt. Nur, dass der Protagonist auch eine Schwester hat, erfährt man erst auf Seite 159 (von nur 221). Außer, diese wird davor schon so nebensächlich erwähnt, dass es mir gar nicht aufgefallen ist.

Max' Großeltern sind typisch in ihrer Generation: sparsam bis zur Askese, engstirnig, mit Scheuklappen behaftet, homophob. Oma Lore hat keinerlei Mitgefühl. Und wehe, man denkt etwas anders oder gibt Widerworte. Max traut sich nichtmal zu erwähnen, dass er Würstchen nicht ausstehen kann, dass er sogar kotzen muss davon. Das sagt ja schon alles. Und davon gibt es noch viel mehr. Trotzdem liebt er seine Großeltern über alles, denn Blut ist nun mal dicker als Wasser. Tja, jeder wie er glaubt... Als Max' Mutter versucht, sich dagegen aufzulehnen, wird sie von Oma Lore fertiggemacht.
Ich finde nicht okay, dass eine Person die ganze Familie terrorisiert und sich niemand dagegen aufzulehnen traut. Und wichtige Dinge (zB Opa Ludwigs Erkrankung) werden verschwiegen und unter den Teppich gekehrt.
Sogar Max selbst gibt auf Nachfrage zu, dass er nur ein einziges seiner Familienmitglieder leiden würde, wäre er nicht mit ihnen verwandt - das sagt ja schon alles.

Das Fazit dieses Romans: Ja, man wird älter, und ja, dabei verändert sich alles. Die Menschen, die man liebt; die Gegenden, die man liebt; und es ist ein Kommen und vor allem ein Gehen.
Und eine Familie darf sich nicht von einer Person unterdrücken lassen.


Fazit:
Nach dem tollen Anfang einer launisch-unterhaltsam klingenden Familiengeschichte mochte ich Max' Großeltern, v.a. seine Oma Lore immer weniger leiden.

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Veröffentlicht am 18.08.2023

Wenn aus einer Leiche immer mehr werden...

Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller
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Norbert Heinlein ist ein freundlicher, älterer Mann, alleinstehend, der das seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindliche Delikatessengeschäft führt. Nebenbei pflegt er auch noch seinen langsam dement ...


Norbert Heinlein ist ein freundlicher, älterer Mann, alleinstehend, der das seit Jahrzehnten im Familienbesitz befindliche Delikatessengeschäft führt. Nebenbei pflegt er auch noch seinen langsam dement werdenden Vater.
Dabei behilflich (sowohl im Geschäft, als auch bei der Pflege) ist ihm Marvin, der wohl autistische Züge hat, und den er fast als Sohn ansieht. Und deshalb tut er alles, um Marvin zu schützen.
Norbert Heinlein legt sehr viel Wert auf Tradition und vor allem Qualität, und die hat halt nun mal seinen Preis. Deshalb hat er nur mehr wenige Kunden, und eigentlich auch nur mehr eine alte Stammkundin, die jeden Tag zu ihm essen kommt. Die Kunden behandelt er äußerst zuvorkommend.
Seine Pasteten macht er jeden Morgen frisch, und jeden Tag gibt es eine andere Pastete, wobei er alte Rezepte neu interpretiert.

Die örtlichen Gegebenheiten sind anschaulich beschrieben, v.a. wie alles verfällt. Der Pension von Heinleins gutem Freund Keferberg droht auch die Gefahr der Schließung, da er kaum noch Gäste hat. Auch dass Qualität (und der dementsprechende Preis) nicht mehr wertgeschätzt wird, kommt eindrücklich rüber - die Leute wollen einfach immer mehr; die Welt ist zu schnelllebig.
Besonders gut hat mir das Verhalten von Norbert Heinlein gefallen, seine ungewollte Witzigkeit. Und natürlich der hervorragende schwarze Humor.
Wie unbeabsichtigt aus einer Leiche immer mehr geworden sind, die sich im Kühlraum im Keller stapeln, war urkomisch. Weil er doch sein Geschäft, aber v.a. Marvin beschützen will. Muss! Teilweise war es aber auch grotesk und überzogen, aber zu jeder Zeit sehr unterhaltsam.
Das Verhalten von Herrn Heinlein zum Schluss hat mich richtig überrascht; so etwas hätte ich ihm dann doch nicht zugetraut, obwohl er ja eine Entwicklung durchgemacht hat, die ihn immer abgebrühter hat werden lassen.

Toll und hilfreich ist die Karte im vorderen Buchdeckel, auf dem die Kreuzung, auf der "Heinlein's Delicatessen- und Spirituosengeschäft" sowie alle Gebäude rundherum eingezeichnet sind.


Fazit:
Ein wunderbar unterhaltsamer Cosy Crime mit einem sympathisch-schrulligen Protagonisten und jeder Menge schwarzem Humor.

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Veröffentlicht am 15.08.2023

eine phantasievolle und spannende Geschichte über magische, geheime Lebewesen

Die Gesellschaft der geheimen Tiere
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Die 11jährige Edith wird vor den Sommerferien nicht von ihren Eltern vom Internat abgeholt, da diese verschollen sind.
Daher muss sie zu ihrem Onkel, der Tierarzt ist und ganz versteckt im Wald lebt, von ...

Die 11jährige Edith wird vor den Sommerferien nicht von ihren Eltern vom Internat abgeholt, da diese verschollen sind.
Daher muss sie zu ihrem Onkel, der Tierarzt ist und ganz versteckt im Wald lebt, von dem sie jedoch noch nie etwas gehört hat.
Bald merkt sie auch, warum das so ist. Denn er ist kein normaler Tierarzt, sondern er behandelt auch außergewöhnliche magische Tiere, von denen niemand etwas wissen darf.
Schon gar nicht das Syndikat, das sich auf die Jagd dieser außergewöhnlichen Tiere spezialisiert hat.

Edie ist ein sympathisches, taffes Mädchen, mit dem man zu Beginn total Mitleid hat. Ihre Eltern holen sie nicht ab, da sie verschollen sind. Dann wird sie zum Onkel abgeschoben (von dem sie im Übrigen noch nie was gehört hat), und dieser will sie loswerden.
Erst, als er merkt, dass sie eine magische Fähigkeit hat, nämlich mit Tieren telepathisch kommunizieren zu können, nimmt er sie wahr. Und nimmt sie mit zu den Yetis, wo die beiden einem kranken Yeti-Kind helfen sollen.
Wie Edie ihre Gabe bemerkt, war berührend dargestellt. Dass sie feststellt, dass ihre Kopfschmerzen und die Geräusche eigentlich Tierstimmen in ihrem Kopf sind, war einfach wundervoll. Und süß war, wie ihr der Hund Arnold dabei geholfen hat.

Die magischen Tiere sind natürlich phantastisch, allen voran die Pegasi mit dem König, die Yetis und auch alle anderen, die erwähnt wurden und auf die ich mich schon in den nächsten Bänden freue.
Das Buch vermittelt viele schöne Werte, wie Hilfsbereitschaft, als Edie ihre Gabe einsetzt, um kranken Tieren zu helfen; Zusammenhalt, Mut, Freundlichkeit und natürlich Freundschaft, denn viele Tieren auf Edies abenteuerlicher Reise werden ihre Freunde.

Dass es in Kinderbüchern Bösewichte gibt, ist ja fast schon obligatorisch; überhaupt wenn es so phantastische Wesen sind wie hier, war klar, dass das Syndikat diese Tiere jagen und verkaufen will.
Doch den Showdown am Schluss fand ich viel zu brutal, da hätte etwas weniger auch gereicht.

Der Plan vom Waldhaus und dem Grundstück des Onkels im vorderen sowie der Plan der Reise von Edie und ihrem Onkel bzw. dem Syndikat zu den Yetis im hinteren Buchdeckel ist sehr hilfreich, so hat man die Gegebenheiten vor Augen bzw. kann die Reiserouten nachvollziehen.


Fazit:
Eine phantasievolle und spannende Geschichte über ein taffes Mädchen, das telepathisch mit Tieren reden kann, und das mit ihrem Onkel magische, geheime Lebewesen beschützt und sich aufmacht, einem kranken Yeti zu helfen. Leider war mir der Showdown für ein Kinderbuch zu brutal.

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Veröffentlicht am 15.08.2023

Auftakt der Krimireihe über einen mordenden Arzt und dessen Lebensgefährtin

Ein mörderisches Paar. Das Versprechen
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Leider kannte ich bisher noch kein Buch von Klaus-Peter Wolf, das wäre wohl besser gewesen, denn der Protagonist dieser Reihe ist derselbe wie von einer anderen Reihe des Autors. Es kommen daher auch viele ...

Leider kannte ich bisher noch kein Buch von Klaus-Peter Wolf, das wäre wohl besser gewesen, denn der Protagonist dieser Reihe ist derselbe wie von einer anderen Reihe des Autors. Es kommen daher auch viele andere Personen aus seinen Reihen vor, wobei einem oft die Hintergrundinfos und die Kenntnis über die Beziehungen der Personen untereinander fehlt.

Ich finde es total witzig, dass der Serienmörder Bernhard Sommerfeldt, der nun als Ernest Simmel eine Klinik an der Nordsee leitet, weiterhin alle Bösewichte eliminiert, die die von ihm gegebene zweite Chance nicht nutzen und weiterhin kriminelle Dinge treiben (zB Drogen an Schulen verkaufen, woraufhin sogar ein Schüler gestorben ist).
Doch jemandem gefällt das ganz und gar nicht, weshalb die Hochzeitsplanungen von Sommerfeldts Verlobter Frauke erstmal ruhen müssen.

Die Geschichte ist teilweise schräg, bizarr, etwas überzogen, und hat aber auch richtig guten Humor.
Leider gab es für mich immer wieder einige Längen, da einfach zu viel Drumherum war, und der Fall dann total in den Hintergrund geriet.
Der Cliffhanger hat mich dann aber doch neugierig auf den nächsten Band gemacht!

Der Autor liest selbst; nachdem ich mich an dessen Stimme und Intonation gewöhnt hatte, fand ich gut, wie er den einzelnen Figuren Leben einhaucht.


Fazit:
Den schrägen Humor von Klaus-Peter Wolf muss man mögen; für mich war es zu viel Drumherum und zu wenig Fall. Auch wenn ich auf den Fortgang des Cliffhangers neugierig bin.

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Veröffentlicht am 14.08.2023

aufwühlendes und emotional intensives Jugendbuch

Rattensommer
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Die Sommerferien haben begonnen, es ist brütend heiß. Lou und Sonny, beste Freudinnen seit Kindertagen, verbringen die Zeit gemeinsam und erste Gefühle keimen.
Bis Hagen Bender, der "Mörder" von Sonnys ...


Die Sommerferien haben begonnen, es ist brütend heiß. Lou und Sonny, beste Freudinnen seit Kindertagen, verbringen die Zeit gemeinsam und erste Gefühle keimen.
Bis Hagen Bender, der "Mörder" von Sonnys Mutter, aus dem Gefängnis entlassen wird. Denn seitdem hat Sonny nur noch Rachegedanken.

Die Geschichte wird aus ich-Sicht von Lou erzählt, daher kann man sich tief in ihre Gedanken- und Gefühlswelt hineinversetzen. Die Sätze sind einfach und kurz gehalten, Lou erzählt uns quasi ihre Erlebnisse. Auch die drückende Hitze des Sommers kann man richtig auf der Haut spüren.
Der Autorin gelingt es hervorragend, die Gefühle von Lou authentisch rüberzubringen, sodass man diese auch als Erwachsener nachvollziehen kann, besonders auch das Gefühlschaos, als sie merkt, dass sie plötzlich mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Sonny hat.
Dann ist da noch die Sache mit ihrer Schwester, die genau ein Jahr vor Lous Geburt tot zur Welt gekommen ist. Lou hat sogar deren Namen bekommen. Sie fühlt sich nur als Ersatz und hat das Gefühl, dass v.a. ihre Mutter den möglichen Charakter ihrer Schwester auf sie projiziert.
Und dann verlangt auch noch Sonny von ihr, gemeinsam an Hagen Bender Rache zu nehmen, wogegen sie sich aber verweigert, was Sonny gegen sie aufbringt und sie sich von ihr emotional entfernt, was Lou sehr zu schaffen macht. Und sie hat das Gefühl, dass sie Sonny seit dem Tod deren Mutter ständig retten muss, obwohl diese aber gar nicht gerettet werden will.

Ich finde, bei Sonny ist es der Autorin nicht ganz so gut gelungen, deren Gefühlswelt darzustellen. Anfangs schon, man fühlt richtig mit ihr mit, als plötzlich der Typ, der für den Tod ihrer Mutter verantwortlich ist und sie ihn deshalb nur "Mörder" nennt, nach nur 3 Jahren wieder aus dem Gefängnis entlassen wird. Sie ist immer noch in ihrer Trauer, ihr Leben ist zerstört, aber "der" darf schon wieder frei sein. Das kann sie verständlicherweise nicht akzeptieren und hegt Rachegedanken.
Aber WIE sie sich dann verhält - auch Lou gegenüber - das entgeht leider meinem Verständnis. Klar, sie ist schwer traumatisiert, aber ich kann ihr Verhalten trotzdem nicht wirklich nachvollziehen. (besonders was die Katze von Hagen Bender betrifft, wo sie doch immer so eine große Tierfreundin war.)

Sehr gut haben mir die beiden Szenen gefallen, wo Lous Mutter endlich merkt, dass Lou nicht der "Ersatz" ihrer verstorbenen Schwester ist, sondern ein ganz eigener, selbstbestimmter Mensch.
Und Lous Entwicklung, besonders am Schluss, als sie für sich endlich erkannt hat, dass sie ein eigenständiger Mensch ist und auch ohne Sonny zurechtkommt. Auch wenn sie gerne die "alte" Sonny und die starke Freundschaft von damals wieder zurückhätte.
Leider hat mir der Schluss das bisher gute, wenn auch emotional eher deprimierende, Buch etwas verleidet; die Schlussszene am See ist sehr brutal, und es bleiben auch etliche Fragen offen, was ich für ein Jugendbuch - besonders für ein intensives wie dieses - nicht gut finde.


Fazit:
Ein intensives, aufwühlendes und emotionales Jugendbuch über die Entwicklung zweier Freundinnen. Leider haben mir das Ende und die offen gebliebenen Fragen nicht gefallen.

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