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Veröffentlicht am 07.08.2020

nettes Buch für Zwischendurch

A single night
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„Die Leute sagen immer, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Doch das ist Bulls*it. Warum sollte man es dann enden lassen und woher soll man wissen, dass das wirklich der schönste Zeitpunkt war?“
(Jasper ...

„Die Leute sagen immer, man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Doch das ist Bulls*it. Warum sollte man es dann enden lassen und woher soll man wissen, dass das wirklich der schönste Zeitpunkt war?“
(Jasper in A single night)

Worum geht’s?

Libby kann ihr Glück nicht fassen. Ihre Eltern haben sie zur New York Fashion Week fahren lassen. In dieser Welt fühlt sich die junge Fashionbloggerin wohl. Als sie bei einer Preisverleihung auf das Designwunderkind Jasper Chase trifft, ändert sich jedoch alles. Denn dessen bester Freund Ian bittet sie darum, sich um Jasper zu kümmern. Und so erleben sie beiden einen unvergesslichen Abend inklusiver einer einzigartigen Nacht. Doch danach verschwindet Jasper und meldet sich nicht mehr. Als Libby aber eineinhalb Jahre Später nach England zieht, um hier zu studieren, ist es aber ausgerechnet Jasper, dem sie in die Arme stolpert. Haben sie eine zweite Chance?

A single night ist Band 1 der LOVE-Reihe. Jedes Buch ist in sich geschlossen, die Charaktere der anderen Bände kommen jedoch vor und die Geschichten laufen teilweise zeitgleich.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist in wunderschönen Rosa-Farben gehalten und zeigt Tüllstoff, was sehr gut zur Geschichte passt, sehr ansprechend aussieht und ein echter Hingucker ist. Die Gestaltung ist sehr stimmig. Das Buch besteht aus zwei Teilen – Teil 1 in New York und Teil 2 später in Plymouth. Das Buch wird linear durch Jasper und Libby aus der Ich-Perspektive erzählt, wobei Libbys Kapitel überwiegen. Der Schreibstil ist locker-leicht, das Buch lässt sich gut und flüssig lesen.

Mein Fazit

Endlich mal ein bisschen Innovation in der Romance-Welt. Das war mein erster Gedanke, als ich auf die LOVE-Reihe gestoßen bin. Nicht nur die wunderschönen Cover haben mich gefesselt, sondern auch die Thematik rund um Mode und Fashion. Denn sowas ist mir bisher noch nicht untergekommen. Daher war ich Feuer und Flamme für diese Reihe und freute mich sehr auf A single night. Aber konnte das Buch meinen Erwartungen gerecht werden? Wohl eher nicht.

Die Geschichte von Jasper und Libby beginnt an einem Fashion Week Abend in New York. Jasper hat gerade einen Award bekommen für die Kollektion mit seinem besten Freund Ian, Libby ist als Fashionbloggerin vor Ort. Als sie mit ihrer Mutter telefoniert, trifft sie auf Jasper, der seinerseits gerade mit Ian telefoniert. Und Ian hat so schlimme Nachrichten, dass er die fremde Libby bittet, auf Jasper aufzupassen. Das macht sie auch und die beiden haben einen schönen Abend, der mit Libbys erstem Mal endet. Doch dann verschwindet Jasper und meldet sich nie wieder. Libby entscheidet sich zwischenzeitlich, die USA hinter sich zu lassen und zieht nach Plymouth. Hier will sie Modedesign studieren, nachdem sie einen inspirierenden Vortrag einer Modedesignerin gehört hat. Was sie nicht ahnen kann: Gleiche Modedesignerin hat dazu geführt, dass auch Jasper nach Plymouth gekommen ist. Und so kreuzen sich unweigerlich erneut die Wege. Aber Jasper ist mittlerweile erfolgreich und unter enormen Druck. Libby hingegen will sich auf ihr Studium konzentrieren und sich nicht noch einmal das Herz brechen lassen. Doch können beide gegen die Anziehung ankommen?

Eigentlich bringt das Buch alles mit, um wirklich gut zu sein. Der Schreibstil der Autorin ist super, man kommt gut durch die Geschichte. Durch die Thematik des Modedesign-Studiums hat man auch eine etwas andere College-Geschichte, bei der es um mehr als Vorlesungen und Bibliotheksabende geht. Durch Jasper erhält man zudem oberflächliche Einblicke in die Modewelt. Und ich habe mich wirklich sehr auf das Buch gefreut. Doch irgendwie wurden wir dann doch keine Freunde. Es fing nach etwa einem Drittel an. Bis dahin kam ich sehr gut und fühlte mich von der Geschichte mitgerissen. Und dann fing es irgendwie an, vor sich hin zu plätschern. Libby und Jasper wussten nicht so ganz, was sie wollten. Libby studiert und studiert mal nicht, sie arbeitet an Projekten und dann gibt es wieder viel Drumherum. Hin und wieder treffen beide aufeinander, aber auch da springt der Funke nicht so wirklich über. Mir fehlte irgendwie der rote Faden, das Gefühl auf etwas hinzuarbeiten. Es ist nicht so, dass die Inhalte nicht interessant waren – oh, das waren sie. Ich habe den Mädels gern beim Einkaufen zugeschaut, ich mochte die Beschreibung der Halloweenparty. Aber es fehlte ein Element, was mich mitgerissen hat, was mich zum Weiterlesen motiviert hat. A single night wurde mehr und mehr zu einem Buch, wo ich dann mal 50 Seiten gelesen habe und dann was anderes gemacht habe. Das Buch war für meinen Geschmack einfach viel zu lang, dafür, dass es doch verhältnismäßig wenig Handlung und verhältnismäßig viel Drumherum mitbringt.

Die Fashionthematik fand ich wirklich super interessant. Es ist eine Welt, die man so nicht unbedingt kennt, ein Studium, was eher ungewöhnlich ist. Deswegen habe ich mich sehr drauf gefreut. Ich hätte gern noch mehr erfahren, man merkt aber definitiv, dass die Autorin sich gut in das Thema, das Studium und die Modewelt eingearbeitet hat. Diese Thematik ist auch einer der Hauptgründe, wieso ich die Reihe weiterlesen werde, einfach weil ich es toll finde. Ich hoffe, dass es vielleicht noch mehr und tiefere Einblicke geben wird, vor allem auch etwas mehr hinter die Fassade. Etwas schade fand ich, dass die Autorin sich anfangs entschieden hat, Libby zu einer Fashionbloggerin zu machen, dies dann aber im zweiten Teil gar nicht mehr aufgreift und thematisiert. In einem simplen Satz wird erklärt, dass Libby keine Zeit mehr dafür hatte. So wirkt es einfach, als hätte die Autorin einen Grund gesucht, wieso Libby an diesem Abend auf Jasper treffen konnte und gar nicht so, als sei dieser Blog ihre Leidenschaft gewesen. Schade drum. Dennoch hat mich insgesamt die komplette Fashiongeschichte sehr begeistert.

Was mich aber einfach überhaupt nicht abholen konnte: Die Liebesgeschichte. Bereits von Anfang an hatte ich damit meine Probleme. Immerhin ist es Libbys erstes Mal, was sie einfach so mit einem One Night Stand verbringt? Und dann hört sie nie auf, diesen Mann zu vergessen. Zwar geht es Jasper auch so – seine Lady Liberty geistert immer durch seine Gedanken – aber dennoch meldet er sich nicht bei ihr. Zu stressig sein Leben, zu groß die Sorge um Ian, zu viel Druck wegen des Labels. Als sie jetzt 1,5 Jahre später wieder aufeinandertreffen, macht Jasper erst einmal das, was er immer tut: Abhauen. Angeblich, weil Libby so enttäuscht aussah. Libby hingegen ist enttäuscht, weil sie dachte, sie hätte Jasper wiedergefunden, doch der Mann sieht nicht aus wie dieser. Und so nimmt alles seinen Lauf, man trifft hin und wieder aufeinander, jedes Mal erlebt Libby einen Jasper, der ihr fremd ist. So trifft er sich mit anderen Frauen, hat zwischendurch Eifersuchtsanfälle, kommt aber zugleich auch nicht aus dem Tritt. Die beiden kreisen wahllos umeinander und ehrlich gesagt habe ich zu keiner Zeit Gefühle spüren können. Es war für mich einfach nicht greifbar, wieso beide füreinander so wichtig sind. Es ist sogar oft so, dass Jasper aufgrund seiner mutmaßlichen Gefühle Sachen macht, die Libby schaden oder verletzen. Nein, hier wurde ich definitiv nicht glücklich. Libby und Jasper fand ich als Liebespaar unglaubwürdig, anstrengend und unpassend.

Generell muss ich aber sagen, dass ich mit Libby und Jasper ein wenig Probleme hatte. Libby ist eher ruhig. Das führt immer wieder auch dazu, dass man das Gefühl hat, dass sie zu jung ist, um im Ausland zu studieren. Bereits beim Umzug nach Plymouth kommt viel Mimimi, im Verlauf der Geschichte hat man immer wieder das Gefühl, dass sie massiv überfordert ist und ohne ihre Mädels-Crew wäre sie wahrscheinlich untergegangen. Libby ist eine Person, die sich sehr unterzuordnen scheint und sich selbst dabei vergisst. Anfangs ist es ihre Mutter, später ist es Jasper, nach denen sie sich ausrichtet. Libby ist für mich auch recht sprunghaft und unausgeglichen. Sie weiß nicht, was sie will und das führte oft zu Unverständnis bei mir. Jasper hingegen fand ich am Anfang wahnsinnig anstrengend, im Verlauf der Geschichte entwickelte er sich für mich interessant – allerdings nicht als Mann, sondern als Künstler. Er ist leider nicht gerade sympathisch, er ist ebenfalls unausgeglichen, sprunghaft und planlos. Er will Libby, er will sie nicht, er will sie und so weiter. Als Designer hingegen ist er brillant und wahnsinnig kaputt. Denn der Druck, die fehlende kreative Freiheit, der ganze Wahnsinn im Atelier und auch die Streitigkeiten mit seinem besten Freund Ian setzen ihm stark zu. Diese ganzen Aspekte fand ich wirklich interessant und vielseitig. Ich hätte gern mehr über diesen Druck erfahren und hätte mir mehr Einblicke in die Arbeit gewünscht. Denn das hat mich deutlich mehr überzeugt als die lauwarme Lovestory. Neben Libby und Jasper gibt es noch zahlreiche andere Charaktere, insbesondere die Mädels-WG, die in den drei Folgebänden eine Rolle spielt, sowie teilweise schon die Love Interests der Mädels. Alle waren sehr interessant und quirlig. Sie alle haben für mich mit ihrer Präsenz aber Libby deutlich überlagert.

Ein paar Worte möchte ich noch zum Ende sagen. Ich habe die ganze Zeit darauf gewartet, dass in diesem Buch etwas passiert. Denn man hatte das Gefühl, dass irgendwie nicht so wirklich ein Drive reinkommt und einfach hier und da ein wenig was passiert, aber mehr auch nicht. Da üblicherweise solche Bücher mit einem Dramahöhepunkt enden, habe ich das auch erwartet – und bekommen. Leider fand ich das doch recht vorhersehbar und wusste auch sofort, als das Thema aufkam, wie es gelöst wird. Die Motivation dahinter war für mich jetzt zwar nicht vorhersehbar, aber das ganze Drumherum war für mich mehr als offensichtlich und erwartbar. Daher konnte mich nicht einmal das vom Hocker reißen. Das Buch gipfelt generell in einem hochgradig klischeehaften, kitschigen Ende mit allen 0815-Standardaspekten des Genres. Hat mich jetzt leider noch weniger vom Hocker gerissen.

Insgesamt ist A single night ein Buch, was für mich viel zu lang war und sich in viel zu viel ausuferndem Drumherum verliert. Oftmals hat man das Gefühl, dass über zig Seiten gar nichts passiert. Die Idee mit dem Modedesign-Studium fand ich so toll und auch die Thematisierung des ganzen Modethemas fand ich sehr gelungen, aber leider konnte mich die Liebesgeschichte überhaupt nicht überzeugen. Es ist ein nettes Buch für Zwischendurch, was so viel toller hätte sein können. Ich hoffe, dass sich das in Band 2 etwas bessert, denn weiterlesen werde ich auf jeden Fall.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2020

tolle Geschichte, aber nicht überzeugende Lovestory

Wie die Ruhe vor dem Sturm
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„Hast du noch nie in einem Raum voller Menschen gestanden und das Gefühl gehabt, dass kein Einziger irgendetwas über dich weiß?“
(Grey zu Ellie in Wie die Ruhe vor dem Sturm)

Worum geht’s?

In ihrer ...

„Hast du noch nie in einem Raum voller Menschen gestanden und das Gefühl gehabt, dass kein Einziger irgendetwas über dich weiß?“
(Grey zu Ellie in Wie die Ruhe vor dem Sturm)

Worum geht’s?

In ihrer Jugend waren Eleanor und Greyson ein ungleiches Paar – sie die ruhige Außenseiterin, er der beliebte Junge. Doch Ellie konnte Greysons wahres Ich sehen. Beieinander konnten sie sein, wie sie wirklich sind. Bis das Schicksal sie auseinanderreißt und tausende Kilometer ihrer Liebe einen Strich durch die Rechnung machen. Über 15 Jahre später treffen sie wieder aufeinander, mittlerweile erwachsen. Ellie soll als Nanny auf zwei traumatisierte Kinder aufpassen. Die Bezahlung ist unglaublich gut, die Anforderungen hoch. Als Ellie ihren Auftragsgeber kennenlernt, kann sie gar nicht glauben, dass ihr Grey wieder vor ihr steht. Schnell merkt sie jedoch, dass von ihrem Grey nichts mehr übrig ist. Das hier ist Greyson East, CEO, Vater zweier Töchter – und Witwer. Nur wieso hat das Schicksal ihre Wege erneut kreuzen lassen?

Wie die Ruhe vor dem Sturm ist Band 1 der „Second Chances“-Reihe, die Geschichte ist jedoch in sich geschlossen.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist mit verschiedenen Wasserfarben in blau, grün und lila gehalten. Zudem zeigt es einige Libellen. Beides ist eine direkte Anspielung auf die Geschichte. Es wirkt wunderschön und stimmig, zugleich dezent. Das Buch unterteilt sich in Teil 1 und Teil 2, wobei Teil 1 die Vergangenheit 2003 und Teil 2 die Gegenwart 2019 umfasst. Die Geschichte verläuft linear und sowohl Ellie als auch Grey führen als Ich-Erzähler durch die Geschichte. Der Schreibstil ist locker, jedoch auch von vielen Emotionen geprägt. Das Buch lässt sich angenehm lesen. Das Buch enthält Intimszenen.

Mein Fazit

Nachdem lange Zeit immer wieder verschiedene Leute meinten, ich solle endlich mal ein Buch von Brittainy C. Cherry lesen, wollte ich dies endlich in Angriff nehmen. Denn die Geschichte klang gut, ich mag das Aufeinandertreffen von Vergangenheit und Gegenwart. Nach vielen Deklarationen als Jahreshighlight und absolutes Herzschmerzbuch waren meine Erwartungen auf jeden Fall recht hoch. Das Problem bei Erwartungen ist nur leider: Wer welche hat, kann enttäuscht werden. Und so war es hier ein kleines bisschen.

Als Ellie nach über 15 Jahren bei ihrem Vorstellungsgespräch für einen neuen Job ausgerechnet auf Greyson trifft, kann sie es nicht fassen. Ihr Grey. Der Junge, der ihre Highschool-Zeit erträglich gemacht hat, ihr erster Kuss, ihre erste Liebe. Der Junge, der ihr in der schwersten Zeit zur Seite stand, der am Telefon schlief, damit er bei ihr ist. Nie hat sie ihn vergessen können, auch als der Kontakt langsam abnahm. Und jetzt steht er wieder vor ihr. Doch dieser Greyson hat nichts mit ihrem Grey gemein. Er ist kalt, undurchdringlich, abweisend. Denn in der Zwischenzeit hat auch in seinem Leben das Schicksal zugeschlagen: Bei einem schweren Autounfall wurde seine komplette Familie schwerverletzt und er verlor Nicole – seine Frau, Mutter seiner zwei Töchter, die Person an seiner Seite, die Sonne in seinem Leben. Und jetzt kann er seine Töchter nicht mehr ansehen, stürzt sich in Arbeit und ertrinkt in Schuldgefühlen. Als jetzt Ellie auftaucht, ist er überfordert. Sie erinnert ihn an eine Zeit, wo das Leben nicht so schwer war. Und gleichzeitig fordert sie den neuen Greyson heraus, wieder mehr wie der liebevolle Grey zu werden. Doch Grey und seine Töchter sind harte Nüsse. Ellie ist gewillt, diese Familie wieder zu einer Einheit zusammenzuführen – auch wenn ihr Herz in Greys Gegenwart immer mehr schmerzt. Hat das Schicksal ihre Wege für eine zweite Chance zusammengeführt?

Herzschmerzgarantie, da war ich mir sicher. Nach so vielen Jahren sehen sich die beiden wieder und dann muss Ellie feststellen, dass ihre große Liebe zwischenzeitlich eine andere Frau geheiratet und mit ihr Kinder bekommen hat? Das kann doch nur interessant werden. Auch die Frage, wie die Autorin mit dem Thema Verlust, Weitermachen und Neuverlieben umgeht, hat mich sehr interessiert. Da bereits so viele zu mir meinten, dass die Autorin die Königin der Emotionen ist, war ich wirklich gespannt. Doch nach dem Buch muss ich sagen: Ich habe einfach zu viel erwartet. Keine Frage, die Autorin schreibt wunderbar. Wirklich, der Schreibstil hat mir gefallen, die emotionalen Gedankengänge, die Thematik. Doch zugleich konnten mich nicht alle Aspekte der Geschichte abholen – insbesondere die Liebesgeschichte nicht. Dennoch hat Wie die Ruhe vor dem Sturm eine gewisse Magie. Es ist ein ruhiges Buch, was vor allem durch die bedrückende Atmosphäre, das Gedankenkino des Lesers und die rohen Emotionen im Buch wirkt. An wie vielen Stellen habe ich mich erwischt, dass ich mich gefragt habe „wie würde ich mit dieser Situation umgehen?“ und dabei gemerkt habe, wie mir schwer ums Herz wurde. Das Buch bringt in dieser Hinsicht sehr viel mit – sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. Es zeigt, dass das Leben nicht immer gradlinig verläuft, welche Wucht Schicksalsschläge haben können, wie unterschiedlich Menschen trauern können. Aber es greift auch auf, wie schwer Weitermachen sein kann, wie viel Hoffnung ein Mensch haben kann und wie kompliziert Verlust sich auf verschiedene Menschen auswirken kann. Bei diesem Buch kann man definitiv sagen: Hier ist der Weg das Ziel. Es geht gar nicht so sehr darum, wie das Buch endet oder welche Erkenntnisse am Ende stehen. Es geht um den Prozess, der dahinführt. Es geht um die Rückschläge, die Ellie und Grey erleben müssen. Es geht um die lichten Momente, in denen es so scheint, als würde es vorwärts gehen. Es ist ein stetes Auf und Ab. Dieses Buch verzichtet auf Drama, denn das braucht es gar nicht. Die Geschichte ist schon gewaltig genug.

Schon der erste Teil in der Vergangenheit hat es in sich. Eine unschuldige Jugendliebe, die so sehr vom Schicksal erschüttert wird, dass es wehtut. Man ist dabei, wie sich diese beiden doch gegensätzlichen Charaktere Ellie und Grey kennenlernen und wie vor allem Grey versucht, Ellie für sich zu gewinnen. Denn bei ihr hat er das Gefühl, sie sieht sein wahres Ich. So schafft er es, Ellie auch ein wenig aus ihrem Schneckenhaus zu holen. Es ist eine süße, schöne Liebesgeschichte. Die klassische erste Liebe, so niedlich und zurückhaltend, so gutgläubig und hoffnungsvoll. Bis Ellie gehen muss, weil das Schicksal hereinbricht. Bis Ellie leiden muss, weil das Schicksal andere Pläne hat. Anfangs halten beide noch Kontakt, sie schreiben sich Mails, telefonieren. Doch das verläuft sich irgendwann. Das tat wirklich weh und ich war traurig. Generell hat mich der erste Teil sehr berührt und ich hätte total gern noch viel mehr über die beiden in der Vergangenheit erfahren. Knapp 1/3 macht dies an der Geschichte aus und ich habe jede Seite so sehr geliebt. Ich habe mit ihnen gelacht, mitgefiebert und gelitten. Eine auf den ersten Blick untypische Jugendliebe, die vor allem für Ellie zu einer wichtigen Stütze wird. Und dann so je endet…

Bis sie über 15 Jahre später wieder aufeinandertreffen. Mittlerweile sind beide erwachsen, Anfang 30, leben ihr Leben. Grey mehr als Ellie, denn Ellie hangelt sich von Nannyjob zu Nannyjob, lebt mit Shay zusammen, redet wie ein Wasserfall und hat keinen Partner. Grey hingegen ist mittlerweile CEO vom Familienunternehmen, hat eine Frau geheiratet, zwei Kinder. Doch dieses Mal hat ihn das Schicksal heimgesucht, als vor einigen Monaten bei einem schrecklichen Verkehrsunfall Greys Frau starb und seine ältere Tochter Karla schwer verletzt wurde. Seitdem ist das Zuhause nur noch ein Haus, in seinen Kindern sieht er nur noch seine tote Frau und sobald er die Augen schließt, vernichten ihn seine Schuldgefühle. Zur Betreuung der Kinder sucht er eine Nanny – und so stolpert Ellie in sein Leben. Seine Ellie. Doch er ist nicht mehr ihr Grey. Und so sind die beiden, die sich einst zu nah standen, jetzt so fern. Da Ellie beste Referenzen hat, stellt Grey sie ein. Und von da an beginnt Ellie, sein Leben und das der Familie gehörig auf den Kopf zu stellen. Immer wieder kommt es zu Reibereien, Grenzüberschreitungen und Streitigkeiten. Denn Ellie kann diesen neuen Grey nur schwer akzeptieren und merkt auch, wie sehr die Mädchen unter ihrem abwesenden und abweisenden Vater leiden. Sie versucht, diese Familie wieder zusammenzuführen. Wie eine Löwin kämpft sie, Greys Panzer zu durchbrechen und auch den Mädchen, deren Leben Kopf steht, Hoffnung zu geben. Schon bald ist Ellie weitaus mehr als das Kindermädchen – sie ist die gute Seele des Hauses, getrieben von Hoffnung und den Glauben daran, der Familie helfen zu können. Doch zunehmend kommen bei ihr auch alte Gefühle durch.

Und hier fing es an, für mich kompliziert zu werden. Denn mit Grey und Ellie treffen verschiedene Welten aufeinander: Die Vergangenheit und die Gegenwart, die Trauer und die Hoffnung. Und das Mädchen, was Grey nie vergaß, trifft auf den Jungen, der zwischenzeitlich eine Familie mit einer anderen aufgebaut hat. Ich mag den Ansatz der Autorin, dass nach einem Verlust die Geschichte nicht zuende ist und früher oder später der Zurückgebliebene auch weitermachen kann und muss. Aber die Wahrheit ist: Die Liebesgeschichte von Ellie und Grey war für mich nicht greifbar. Sicher, in ihrer Jugend waren die beiden für einen längeren Zeitraum verliebt ineinander und Grey war wichtig für Ellie. Aber es war für mich nicht glaubwürdig, wie diese Gefühle all die Jahre wie ein Schwelbrand weiterköchelten, während Grey sich eine komplett neue Welt aufgebaut hat. Daher war meine erste Befürchtung ja, dass es am Ende so wirken könnte, als sei Ellie ein Lückenfüller. Das ist zum Glück nicht passiert. Aber zugleich wurde mir nicht klar, wieso die Gefühle wiederentfacht sind bei Grey. Es war einfach so ein „zack“-Moment, jetzt sind sie da und fertig. Ellie hingegen hat sich mit ihrer für mich unpassenden Anspruchshaltung echt unsympathisch gemacht. Sie überschreitet laufend Grenzen und oftmals empfand ich sie unpassend aufdringlich. Ihre Haltung, dass sie Grey ja wohl verdient hätte, fand ich befremdlich. Es wirkte mir alles zu gewollt, zu gezwungen und zu wenig greifbar. Es war für mich zu wenig erklärt und die Autorin ist daran gescheitert, mir klarzumachen, wieso die Liebe wieder aufflammt – unabhängig davon, dass Grey nach vorne gucken möchte und Ellie gerade da ist. Es ist einfach so, dass Grey und Ellie in der Gegenwart für mich deutlich mehr wie Freunde als wie Liebende gewirkt haben. Und für mich auch als diese deutlich besser funktionieren.

Ganz stark fand ich hingegen die komplette Familiengeschichte, die von der Autorin sehr facettenreich ausgestaltet wurde. Im Fokus steht, wie aus diesen drei Individuen, die unter einem Dach leben, wieder eine Familie werden soll – ohne ihren Kleber, wie die verstorbene Mutter liebevoll genannt wird. Jeder der drei hat sein eigenes Päckchen zu tragen. So redet die kleine Tochter Lorelai mit ihrer toten Mutter, während die ältere Tochter Karla sich komplett zurückzieht und die Leute mit ihren Narben provoziert. Grey stürzt sich in Arbeit, damit er keine Zeit hat, nachzudenken. Hierbei vernachlässigt er seine Töchter komplett, was insbesondere bei Karla zur Rebellion führt. Die Familiengeflechte sind stark gestört und Ellie gibt alles, durch verschiedene Aspekte dafür zu sorgen, dass die dunkle Stimmung aufgehellt wird und jedem bei seinem Heilungsweg zu helfen. Ich fand es sehr emotional, wie sich die Familienstrukturen mit der Zeit ändern, wie einige Ereignisse Grey zum Umdenken bewegen und wie alle versuchen, sich Stück für Stück eine neue Normalität zurückzuholen. Die komplette Handlung um die Familie und ihre Trauer war für mich das große Highlight der Geschichte und konnte mich – im Gegensatz zur krampfhaften Lovestory – wirklich berühren.

Zu den Charakteren muss ich generell sagen, dass im ersten Teil Ellie mir sehr gut gefallen hat, ich Grey aber etwas komisch und aufdringlich fand. Im zweiten Teil wandelt sich das dann komplett: Ellie hat mich von Anfang an enorm aufgeregt, ich fand sie hochgradig anstrengend, nervig und auch nicht altersangemessen. Sie macht den Eindruck, eher um die 20 statt um die 30 zu sein. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass sie als Nanny mittlerweile auf viele Kinder aufgepasst hat, fand ich das komisch. Sie wirkt einfach nicht erwachsen, sie ist impulsiv, redet zu viel ohne nachzudenken, wirkt teilweise komisch naiv und für mich auf respektlos, distanzlos und übergriffig. Ich fand sie in der Gegenwart als Charakter teilweise echt furchtbar und war genervt von ihr. Mehr als einmal weißt Grey sie auf ihr unprofessionelles Verhalten sind – was ich ebenso empfand. Klar, man kann es toll finden, wie sie sich teilweise einsetzt und dabei eben für den guten Zweck auch Grenzen überschreitet. Ich fands hingegen leider einfach nur unangenehm. Sie hat zwar stets gute Intentionen, aber das ändert für mich nichts an ihrer Art. Grey hingegen hat mir in der Gegenwart sehr gefallen, er ist kompliziert und sehr darauf bedacht, keine Emotionen herauszulassen, während es unter der Oberfläche stark brodelt. Seine schrittweise Entwicklung war nachvollziehbar und seine bedachte Art machte ihn sehr interessant und teilweise undurchschaubar. Auch die Nebencharaktere, insbesondere die Töchter, fand ich wunderbar ausgestaltet. Zudem lernt man mit Shay und Landon bereits die Charaktere der Folgebände kennen, die mir bereits gut gefallen haben.

Zusammenfassend muss ich sagen, dass es durchaus eine Freude war, dieses Buch zu lesen. Die Autorin versteht wirklich, emotionale Szenen zu konzipieren und die Gefühle im Buch sind lebhaft und greifbar. Dennoch konnte mich das Buch nicht komplett überzeugen und vor allem wirkte die krampfhafte Liebesgeschichte in der Gegenwart zu unrund und zu gewollt. Ellie als Charakter konnte mich leider auch nur begrenzt begeistern. Das Buch enthält viele starke Botschaften, tolle Charaktere und viel fürs Herz. Aber vielleicht wollte die Autorin an einigen Stellen auch einfach zu viel. Auf jeden Fall wird dies nicht mein letztes Buch von ihr gewesen sein, ein Jahreshighlight ist es für mich aber auch nicht. Gutes Buch, starke Handlung, viele Emotionen – aber leider nicht vollkommen überzeugend.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2020

nettes Buch für Zwischendurch

Wir sind der Sturm
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„Stille. Wie die Wahrheit so erschreckend war, dass mir selbst die Worte dafür fehlten.“
(Paul in Wir sind der Sturm)

Worum geht’s?

Gerade erst haben sich Paul und Louisa gefunden. Er, der Badboy mit ...

„Stille. Wie die Wahrheit so erschreckend war, dass mir selbst die Worte dafür fehlten.“
(Paul in Wir sind der Sturm)

Worum geht’s?

Gerade erst haben sich Paul und Louisa gefunden. Er, der Badboy mit den Dämonen der Vergangenheit. Sie, das Flammenmädchen auf dem Weg, ihrer Trauer zu entkommen. Doch dann schlägt das Schicksal erneut zu. Nach den sich überschlagenden Ereignissen und Erkenntnissen am Ende von „Wir sind das Feuer“ ist Paul nicht mehr der gleiche und nutzt jede Möglichkeit, Louisa von sich zu stoßen. Denn er erinnert sich an etwas, das er lieber für immer vergessen möchte. Wie soll er Louisa nur je wieder unter die Augen treten und wie sollte sie so jemanden wie ihn jemals lieben? Ihre Liebe hat keine Chance, da ist Paul sich sicher…

Wir sind der Sturm ist Band 2 der Redstone-College-Dilogie. Das Buch benötigt Vorkenntnisse aus Band 2 und schließt die Geschichte ab.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist in einer blau-gold-marmorierten Optik gehalten und verfügt über einen glitzernden Schriftzug. Das Cover ist ähnlich zu Band 1, lediglich in einer anderen Farbe. Es ist stimmig, schön anzusehen und ein wahrer Hingucker. Es passt auch zum Genre. Das Buch wird linear durch Paul und Louisa aus der Ich-Perspektive erzählt, es gibt einige ausgewiesene und nicht ausgewiesene Zeitsprünge. Der Schreibstil ist recht poetisch und wortreich, das Buch lässt sich gut lesen und ist sprachlich für das Genre angemessen. Im Buch enthalten sind mehrere Intimszenen.

Mein Fazit

Nachdem mich „Wir sind das Feuer“ leider nicht wirklich vom Hocker reißen konnte, obwohl ich es mir sehr gewünscht hätte, bin ich entsprechend verhalten an Band 2 herangegangen. Es war klar, dass ich nach dem Cliffhanger-Ende weiterlesen möchte, auch wenn ich bereits recht am Anfang von Band 1 richtigerweise den Geschichtenverlauf vermutet und das Geheimnis enttarnt hatte. Umso gespannter war ich, wie die Autorin mit diesem Thema und der hieraus resultierenden Beziehungshürde umgehen würde.

Der grundlegende Ausgangspunkt, mit dem Band 1 geendet hat, wird natürlich direkt zu Beginn von Band 2 ausgegriffen. Man erfährt, was passiert ist und was die Folgen hiervon sind. Mehr als das steht aber im Fokus, was es bei Paul ausgelöst hat. Nämlich zahlreiche Erinnerungen und eine sehr schmerzhafte und schockierende Erkenntnis hinsichtlich Louisa. Und von da an geht’s rapide bergab: Paul stößt Louisa kommentarlos von sich, bewegt sich in einer Abwärtsspirale aus Ablenkungen und Schuldgefühlen, verliert sich in Selbstzweifeln und seiner Wut gegen sich selbst. Louisa hingegen versteht die Welt nicht mehr. War sie ursprünglich in größter Sorge um Paul, schmerzt jetzt alles nur noch. Wieso redet er nicht mit ihr, wieso trifft er sich mit anderen Frauen, wieso ist er so gemein zu ihr und sagt so fiese Sachen? Louisa kann nicht ahnen, dass Paul ein Geheimnis hat, was ihre Beziehung (oder die hiervon noch vorhandenen Reste) ein für alle Mal endgültig zerstören und sie in einen tiefen Abgrund reißen könnte…

Ich muss ja wirklich zugeben, dass ich von Band 1 nicht wirklich angetan war. Das Buch war für mich ziemlich handlungsarm und ist vor allem durch sehr ausufernde Nebenhandlungen und ein umfangreiches Drumherum in Erinnerung geblieben. Es war nicht so, dass die Geschichte langweilig war, aber der Spannungsbogen war sehr flach, es passiert kaum etwas und man war gefangen in einer endlosen Schleife aus typischen Aktivitäten unter Freunden. Schon im ersten Moment, als Paul sein Geheimnis ansprach, konnte ich mir ausmalen, was passiert ist. Bis auf kleine Nebensachen lag ich hiermit auch richtig und wurde vom Ende daher nicht überrascht. Jetzt war ich aber sehr gespannt auf Band 2: Was macht die Autorin daraus? Wie lässt sie es mit Paul und Louisa weitergehen, wie wird Louisa es erfahren? Schwierige Punkte und viel zu klären! Und so war der erste Teil des Buches doch recht interessant, spannend und zeitweise auch schmerzhaft. Paul tut wirklich alles, um Louisa zu verletzen, damit er sich von ihr fernhalten kann. Und Seite für Seite wurde es schlimmer. Paul bewegt sich immer weiter an der Kante zum Verderben, hängt seinen Gedanken und Schuldgefühlen hinterher und schlägt wild um sich – nicht nur gegenüber Louisa, sondern auch seinen Freunden. Diese Entwicklung fand ich sehr interessant und auch gut umgesetzt.

Zerfressen von den Schuldgefühlen, teilweise von Flashbacks gequält und zugleich von seiner eigenen fixen Idee angetrieben, dass Louisa ihn nie lieben könnte, zieht sich Pauls Abwärtstrend ziemlich weit durchs Buch. Das Problem hierbei? Irgendwann war ein Punkt erreicht, wo bereits viel verbrannte Erde hinterlassen wurde, beide Protagonisten sich auch schon „umorientieren“ und dennoch möchte die Autorin unbedingt, dass alles wieder zurechtgebogen wird. Kann das gelingen, nach so vielen gesagten Worten, mal unabhängig vom Geheimnis? Ich muss offen sagen: Nur bedingt. Vieles in der Entwicklung und der Dynamik der beiden war für mich nicht greifbar und auch einige der persönlichen Entwicklungen verhallen dadurch, dass sie plötzlich kommen und für mich nicht wirklich gut erklärt werden. Man hat zwar eine schöne Geschichte, ganz viel Potenzial, aber die Botschaft kommt nicht so rüber. Da hilft vor allem auch nicht, dass Paul und Louisa im Falle des Aufeinandertreffens gefühlt jedes Mal miteinander rummachen statt zu reden. Die wirklich umfangreichen Bettszenen sind zwar wirklich gut geschrieben, aber es fehlt die Tiefe der Beziehung, die Verbindung der beiden. Alles bleibt für meinen Geschmack zu oberflächlich und angekratzt. Hinzu kommt wie bereits in Band 1, dass sehr viel gedankliches und tatsächliches Drumherum eingeführt wird, was sich zwar nett lesen lässt, aber eben jedes Mal den Fokus wegnimmt. Es fühlt sich fast so an, als hätte man beide Bände zusammenstreichen können und einen soliden, wenn auch etwas längeren Einteiler daraus machen können. Zwar hat Band 2 nicht so viele Längen und so wenig Handlung wie Band 1, aber dennoch reicht es für mich nicht, diese Anzahl an Seiten zu füllen. Durch das ganze Ausufernde hatte ich manchmal sogar das Gefühl, es gab ein bestimmtes Seiten- oder Wortziel, was erreicht werden musste – nur eben nicht mit Handlung, Entwicklung, Gefühl, sondern wortgewandten, teils poetischen Ausführungen und zahlreichen Anspielungen auf Filme, Serien, Bücher.

Das ist auch so eine Sache, die mich in Band 1 schon sehr gestört hat und auch hier keinen Abbruch nahm. Es scheint fast so, als hätten deutschsprachige New Adult Autoren eine Art Checkliste, die in den Büchern abgearbeitet wird. Denn in jedem Roman kommen die gleichen Elemente vor: Zahlreiche Serien (meist Game of Thrones), einige Filme (meist Harry Potter), Bücher müssen stets thematisiert werden (bevorzugt Liebesromane), es gibt immer kaffee-ige Themen (jemand arbeitet im Coffeeshop oder ist Kaffeeliebhaber), eine Person muss eine Literaturvorliebe haben/Buchwurm sein (so wie hier Louisa, die im Laufe des Buches auch über das Literaturstudium nachdenkt), mindestens ein Ausflug in einen Buchladen spielt eine Rolle. Ich könnte diese Liste sicher noch fortsetzen. An sich ist es ja ok, dass man offenbar gewisse Stereotypen einbauen möchte (und vielleicht möchten viele Leser diese auch haben), mich nervt es aber, wenn alle paar Seiten eine Serie, ein Film, ein Buch, Figuren aus den Medien oder ähnliches angesprochen wird, ohne dass es handlungstragend ist. Vor allem bei Anspielungen auf Inhalte habe ich oft das Gefühl, dass die Autoren sich gar nicht vor Augen führen, damit ggf. Leute auszuschließen, die es nicht gucken/mögen/verstehen. Wieso muss zig Mal erwähnt werden, dass Game of Thrones geguckt wird, Charaktere hieraus benannt und auf eine bestimmte Szene angespielt werden? Es wird sich mir nie erschließen.

Zu den Charakteren kann ich sagen, dass mir eigentlich alle ganz gut gefallen haben. Sie sind alle nicht sonderlich detailliert und vielseitig ausgestaltet, was aber nichts macht. Sie spielen ihre Rollen gut, sind sympathisch (abgesehen von Paul in seinem Selbstzerstörungsmodus) und brachten an einigen Stellen auch Pepp in die Geschichte. Dennoch muss ich sagen, dass ich selbst jetzt nach zwei Bänden nicht das Gefühl habe, sie alle sonderlich gut zu kennen. Ich habe ein wenig das Gefühl, dass Aiden (Louisas Mitbewohner) vielleicht noch ein Buch kriegen soll. Ansonsten sind da Louisas Schwester mit ihrer Familie (die oftmals aber nur als Ratgeber bereitsteht und sonst kaum an der Geschichte teilnimmt), selten mal Pauls Familie (hier entwickelt sich ein wenig was, was aber auch plötzlich kommt und wenig thematisiert wird) und natürlich die Freunde. Es ist aber wirklich so, dass die wenigsten in irgendeiner Form tragend für die Geschichte sind. Hin und wieder gibt’s gutgemeinte Hinweise, aber das war’s eigentlich auch. Paul ist insgesamt mit Abstand der interessanteste Charakter, zugleich aber auch nicht der sympathischste. Zwar weiß der Leser, was ihn quält, seine Entscheidungen sind dennoch nicht verständlich und es bleibt für mich auch recht viel offen. Dann geht alles ruck zuck, Paul hat eine Eingebung, alles wird geklärt. Es folgen nochmal zahlreiche Seiten, die das Buch nur – für mich unnötig – in die Länge ziehen, weil nichts mehr passiert. Die wirklich gewichtigen Punkte – insbesondere die Schuldgefühle, Vergebung und Zweifel – werden leider für meinen Geschmack nur angekratzt.

Insgesamt ist Wir sind der Sturm doch deutlich gehaltvoller gewesen als Band 1, dennoch hatte ich oft das Gefühl, die Autorin verrennt sich in recht umfangreichen Drumherum-Szenarien und gibt der Beziehungsentwicklung und den tieferliegenden Gedanken von Paul und Louisa zu wenig Raum. Für mich hätte diese Dilogie ordentlich zusammengekürzt und als Einzelband verkauft werden können. Dennoch hat es mir – abgesehen von einigen Längen - gut gefallen, ein nettes Buch für Zwischendurch mit durchaus schwierigen Themen und einigen tollen Ansätzen, leider aber auch für das deutsche New Adult-Genre mehr als typischen Elementen und oftmals zu wenig Tiefe.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 28.07.2020

ergreifend und beeindruckend

Never Doubt
1

„Jede Geschichte hat ein „bis“. Wenn das Schlimme passiert, das der Figur zeigt, was sie am meisten will. Aber wo ist das „bis“, was alles wiedergutmacht?
(Willow zu Isaac in Never Doubt)

Worum geht’s?

Für ...

„Jede Geschichte hat ein „bis“. Wenn das Schlimme passiert, das der Figur zeigt, was sie am meisten will. Aber wo ist das „bis“, was alles wiedergutmacht?
(Willow zu Isaac in Never Doubt)

Worum geht’s?

Für sie ist Harmony ein Neuanfang. Für ihn ist Harmony sein größtes Gefängnis. Willow und Isaac könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie kommt aus reichem Haus und hat gerade New York verlassen müssen. Er lebt als Halbwaise mit seinem alkoholabhängigen Vater in einem Trailer und kennt das Leben außerhalb des kleinen Ortes Harmony nicht. Doch als beide aufeinandertreffen, verbindet diese grundgegensätzlichen Menschen eine Sache: Ein Theater-Stück. Denn Isaac hat bereits früh gelernt, wie leicht man seine eigene Geschichte durch die Wort eines anderen erzählen kann. Und Willow scheint genau das zu brauchen. Nach einem traumatischen Ereignis ist sie auf der Suche nach sich selbst und einem Leben ohne Angst. Werden Harmony, Isaac und das Theaterstück ihre Erlösung sein? Oder doch ihr größtes Verderben?

Never Doubt ist ein Einzelband und in sich geschlossen.

Schreibstil / Gestaltung

Das in verschiedenen Blautönen gehaltene Cover wirkt geheimnisvoll und erinnert ein wenig an den Flügel eines Schmetterlings. Die Gestaltung ist sehr zurückhaltend und gibt keine Hinweise auf den Inhalt. Es ist aber sehr anziehend und erweckt definitiv Interesse. Durch das Buch führen Isaac und Willow als Ich-Erzähler, wobei der Erzählanteil von Willow überwiegt. Die Geschichte verläuft linear, es gibt ausgewiesene Zeitsprünge. Der Schreibstil der Autorin ist sehr emotional und tiefgründig, fast schon philosophisch. Im Buch sind explizite Erotikszenen sowie potenziell triggernde Situationen enthalten.

Mein Fazit

Emma Scott und ich sind eine komplizierte Beziehung. Sie ist für mich eine Meisterin darin, sehr emotionale Geschichten zu stricken und mir das Herz zu brechen. Doch bei ihren letzten Werken, insbesondere der Beautiful Hearts-Dilogie, hat sie das nicht einmal ansatzweise geschafft. Daher bin ich mit etwas Sorge an Never Doubt herangegangen. Zum Glück hat sich diese am Ende als vollkommen unbegründet herausgestellt.

In Never Doubt geht es um die 17-jährige Willow, die mit ihrem Eltern von New York nach Harmony zieht. Harmony ist ein kleiner Ort in Indiana, idyllisch, malerisch und so ganz anders als New York. Doch für Willow ist Harmony vor allem eins: Ein Neuanfang. Vor einigen Monaten, im vergangenen Sommer, ist Willows Leben aus den Fugen geraten und nach einem traumatischen Erlebnis ist von ihr nicht mehr viel übriggeblieben. Geplagt von Albträumen, gefangen in den Erinnerungen und irgendwo in sich selbst verloren ist Willow nur noch ein Schatten von sich selbst. Weit weg von all dem besteht jetzt die Chance, neuanzufangen. Ein neuer Ort, neue Freunde, neue Hoffnung. Doch die Vergangenheit holt sie immer wieder ein. Und immer weiter frisst sie Willow auf, deren Körper mehr und mehr von kleinen schwarzen X bedeckt ist. Bis sie Isaac kennenlernt. Der stadtbekannte Badboy, um den sich zahlreiche Gerüchte ranken, redet wenig, hält Leute auf Abstand und hat nur ein Ziel: Weg aus Harmony, weg von seinem schlagenden und saufenden Vater, weg von der Perspektivlosigkeit seines Lebens. Und er hat seinen Ausweg gefunden, denn Isaac ist ein begnadeter und hochtalentierter Schauspieler, der immer wieder am örtlichen Theater unglaubliche Vorführungen darbietet. In fremde Worte zu schlüpfen ist Isaacs Weg, seine Gefühle zu verarbeiten. Hiervon motiviert bewirbt sich Willow für das nächste Theaterstück. Sie soll Ophelia in Hamlet spielen, mit Isaac als Hamlet. Beide können nicht ahnen, dass dieses Stück ihnen alles abverlangen wird, denn auf tragische Weise werden Shakespeares Worte auch ihr wahres Leben beeinflussen…

Es war einmal. So fangen normalerweise romantische Märchen an. Es war einmal eine kleine Willow, die in eine neue Stadt zog, auf den größten Badboy der Stadt traf und ihr Herz an ihn verlor. Aber Never Doubt ist kein romantisches Märchen. Die Realität könnte kaum weiter entfernt davon sein. Never Doubt ist ein Scherbenhaufen. Zwei zertrümmerte Existenzen, die aufeinandertreffen. Willow, der alles genommen wurde von jemandem, der nicht das Recht dazu hatte. Ihre Unbeschwertheit, ihre Hoffnung, ihre Lebensfreude, alles. Isaac, der nie etwas hatte und dem das Leben dennoch immer weiter Steine in den Weg wirft. Er hofft, Harmony endlich zu verlassen, Geld zu verdienen und das ganze Dilemma um die Schulden seines Vaters abhaken zu können. Sein Vater, der ihn schlägt, fertigmacht und ihm zeigt, wie wenig er von Isaac hält. Willow hingegen hofft, in Harmony von ihren Dämonen wegzukommen. Doch sie sind mitgekommen, sie jagen sie und sie beeinflussen ihren Alltag. Niemand scheint ihre stummen Hilferufe wahrzunehmen. Benimm dich endlich, mach endlich wieder was aus deinem Leben, du hast dich so sehr verändert. Doch das Warum, das hält Willow eisern geheim. Es ist ihre Geschichte, die niemand erfahren soll. Es geht um Schuldgefühle, Selbstzweifel, Erwartungen der Gesellschaft und um das große, allesverschlingende schwarze Nichts, gegen das Willow anzukämpfen versucht. Doch dieser Kampf braucht viel Kraft. Und mit Isaac findet sie einen überraschenden Verbündeten. Seit Willow ihn das erste Mal auf der Bühne gesehen hat, ist sie fasziniert davon, wie er schauspielert. Und unmittelbar fragt sie sich, ob auch sie vielleicht die Erlösung im Schauspiel finden kann, die Isaac dort findet. Kurzerhand bewirbt sie sich also für Hamlet, ohne Schauspielerfahrung, aber voller Hoffnung. Und dieses Stück wird alles für immer verändern – ihr Leben, ihre Haltung und den Eisblock in ihrem Herzen.

Es sind die Gegensätze, die dieses Buch zu dem machen, was es ist. Never Doubt ist flüsternd leise, aber zugleich schreien die Geschichten von Willow und Issac brüllend laut. Es ist der ruhige Verlauf der Geschichte, so undramatisch und ohne große Höhen und Tiefen. Man wird in falscher Sicherheit gewogen, während man dabei zuschaut, wie behutsam und unglaublich wortgewandt Emma Scott die Geschichte aufbaut. Hoffnung, ein Licht am Horizont, zwei Verlorene, die sich finden, um sich zu retten. Willow sieht ihre Rolle darin, Isaac zu helfen, mit dem Hamlet-Stück die Kritiker zu überzeugen, damit er endlich gehen kann, weg von seinem kaputten Leben, den Vorverurteilungen und der Hoffnungslosigkeit. Isaac hingegen erkennt, dass Willow die Rolle der Ophelia braucht, um ihre eigene Geschichte zu verarbeiten. Die Geschichte, über die sie nicht redet, die sie aber zerfrisst. Isaac weiß recht früh, dass etwas mit Willow nicht stimmt. Aber er drängt sie nicht. Zu keiner Zeit. Er ist da und gibt ihr die Möglichkeit, sich selbst zu entwickeln und den Mut zu finden, ihre eigenen Worte zu nutzen. Und so finden zwei Gegensätze zueinander. Der schweigsame Junge, der meterhohe Mauern um sich gebaut hat, weil das Leben ihn gezeichnet hat. Das verlorene Mädchen, das an Stelle ihres Herzens und ihrer Hoffnung nur noch einen harten Eisklotz trägt. Never Doubt ist ein Buch, bei dem es um Entwicklung geht. Der Weg ist hier das Ziel. Es vermag einigen langweilig vorkommen, so, als hätte das Buch wenig Handlung und viele Längen. Doch die Magie liegt zwischen den Worten, zwischen den Taten, zwischen den Zeilen. Hoffnung trifft auf Verzweiflung, Mut trifft auf Angst, Liebe trifft auf Schmerz. Es ist ein Buch, auf welches man sich einlassen muss, denn es steckt hier so viel mehr hinter dieser auf dem ersten Blick klischeehaften Liebesgeschichte.

Aber wie findet man Worte, die diesem Buch gerecht werden? Wie soll man erklären, wie das Buch einen fesselt? Es ist wirklich schwer. Denn es ist fast so, als wäre kein Wort gut genug. Der Schmerz, den man beim Lesen empfindet. Die Verzweiflung, die sich entwickelt, als man versteht, wieso Hamlet eine Tragödie ist. Die Erkenntnis, dass Fiktion und Wirklichkeit manchmal nach beieinander liegen. Es sind die glasklaren Momente, in denen man Isaac beobachtet, wie er mit seinem Vater klarkommen muss. Es ist die schlichte Brutalität der Ereignisse, die so gnadenlos auf die Beteiligten hineinbricht. Aber vor allem ist es die naive Hoffnung, die dabei zusieht, wie Isaac Stück für Stück Willows Herz erwärmen kann und sie Sachen spüren lässt, von denen sie nie geglaubt hätte, noch dazu in der Lage zu sein. Liebe schafft alles, möchte man rufen. Doch am Ende steht die Erkenntnis: Manchmal schafft Liebe nur eins – nämlich Leiden. Es gab Szenen in diesem Buch, die mich tief getroffen haben. Nicht auf die Art, dass ich weinen möchte, wie etwa am Ende von All In. Es war vielmehr die Art, dass es zu viel war. Zu viel Schmerz, zu viel Dunkelheit. Es waren solche Szenen, nach denen man kurz das Buch zuschlagen möchte und sich selbst sagt „alles wird gut“. Man möchte Willow in den Arm nehmen, ihr den Schmerz nehmen. Man möchte Isaac anschreien, sie doch endlich darauf anzusprechen. Aber es ist ein Prozess und auch, wenn es einen verzweifeln lässt, Willow muss ihn durchleben.

Eines der Herzstücke von Never Doubt ist die Inszenierung von Hamlet. Es geht dabei um viele Facetten, die durch das Stück beeinflusst werden. Zunächst ist da der Aspekt, dass Hamlet für Willow eine Zuflucht ist, der Versuch aus ihrem Schneckenhaus herauszufinden. Für Isaac ist das Stück seine beste Möglichkeit, Harmony zu verlassen. Doch schon bald wird es für beide mehr. Es ist ihre Möglichkeit, sich wiedersehen, sich anzunähern und sich zu sehen – das tiefe, verborgene Ich, was beide gekonnt kaschieren. Im Laufe der Probe entwickelt sich sehr viel, sowohl im Bezug auf eine Dynamik zwischen Isaac und Willow, aber auch in Willow selbst und auch Isaac kann sich nicht davor verschließen. Mit zunehmender Geschichte ist es aber vor allem verblüffend, wie die Autorin es geschafft hat, die Geschichte von Never Doubt mit der von Hamlet zu verbinden. Denn in vielen Aspekten wird das Stück Never Doubt aufgegriffen – und somit bittere Realität. Als diese Erkenntnis begann, in mir heranzureifen, wusste ich, dass es hier schmerzhaft wird. Dennoch ist da diese kleine Flämmchen Hoffnung, was stark flackert und nicht aufgibt. Man braucht sich übrigens keine Sorgen zu machen, wenn man Hamlet nicht kennt. Im Buch wird immer wieder an geeigneter Stelle erklärt, was es mit dem Stück, der Geschichte und den Charakteren im Stück auf sich hat. Es wird hin und wieder auch aus Hamlet zitiert, wobei zunehmend das Stück von Shakespeares mit den Botschaften von Isaac und Willow verschmilzt. Denn manchmal, da braucht es die Worte eines anderen, um seine Gedanken und Gefühle kundzutun. Dieser Spagat, ein lebendiges Theaterstück in das Buch einzubauen, und gleichzeitig die Erkenntnisse aus Hamlet auf die Geschichte von Isaac und Willow anzuwenden, das ist eine wahre Meisterleistung gewesen und hat mich richtig stark begeistert.

Doch in dieser Geschichte ist noch etwas versteckt: Sozialkritik. Denn es gibt viele Gründe, die Willow davon abhalten, ihre Geschichte zu erzählen: Scharm, die Sorge um ihre Glaubwürdigkeit, die öffentliche Verurteilung, die Auswirkungen einer derartigen Anschuldigung. Es sind Willows Argumente, die im Text beiläufig aufgeworfen werden, die ein grundlegendes Problem der Gesellschaft zeigen, wie es immer mal wieder thematisiert wird. Es geht darum, wie schwer es manchmal ist, Gerechtigkeit zu erlangen. Und darum, wie die Gesellschaft ihren Anteil daran hat. Es geht um Verhaltensweisen, die von jungen Frauen wie Willow erwartet werden, und darum, wie eine Missachtung dieser Verhaltensweisen Begründung für ein derartiges Schicksal sein können. Zugleich geht es aber auch um die Macht, die mit derartigen Anschuldigungen verbunden ist. Denn Willows Vater nutzt seine Macht, um Willow wegen Isaac zu erpressen. Es ist die Kehrseite des Medaille, die Willow so viele Probleme bereitet: Auf der einen Seite ist es schwer, dass jemand deine Geschichte glaubt. Aber auf der anderen Seite sind alle gern bereit, eine Geschichte zu glauben, wenn nur die richtige Person sie erzählt. Denn während Willow ihre Geschichte in sich begräbt, erpresst ihr Vater sie ausgerechnet mit einer ähnlichen – aber ungerechtfertigten.

Isaac und Willow als Protagonisten dieses Buches sind super gelungen. Isaac ist auf den ersten Blick das wandelnde Klischee. Er raucht, er ist geheimnisvoll und es gibt mehr als ein Gerücht über seine kriminelle Vergangenheit und seine Gewaltausbrüche. Doch hinter der undurchdringlichen Fassade ist ein junger Mann, der nicht bereit ist, seinen gewalttätigen Vater aufzugeben, der sich regelmäßig in den Schlaf säuft und für seinen Sohn nichts als Spott und Wut übrig hat. Isaac möchte gehen, weg von diesem Leben, von den Erinnerungen an glückliche Zeiten mit seiner mittlerweile verstorbenen Mutter. Er will weg, um Geld zu verdienen – damit er seinem Vater aus dem Loch holt, in dem dieser sich befindet. Mehr als einmal ist Isaac hin und hergerissen zwischen kindlicher Liebe und gnadenlosen Hass. Am Ende gewinnt stets sein Herz, obwohl es mehr als einmal Prügel setzt. Die Ruhe, mit der diese Szenen beschrieben werden, ist so unerbittlich und beunruhigend. Jeder kennt ein Gerücht um Isaac, aber kaum jemand macht sich die Mühe, den Wahrheitsgehalt in Erfahrung zu bringen. Bis auf Willow. Sie sieht von Anfang an etwas in Isaac. Doch Willow hat ihre eigenen Probleme. Die Erwartungshaltung ihrer Eltern kollidiert mit ihrem Gemütszustand. Das Trauma sitzt tief und niemand scheint es zu sehen. Täglich versucht Willow, nach vorn zu schauen, aber die Dunkelheit verschlingt sie immer mehr. Willow ist mutig, unerschütterlich und zugleich wahnsinnig verletzlich. Neben Willow und Isaac gibt es noch eine Hand voll Nebencharaktere, von denen insbesondere Willows beste Freundin Angie und Isaacs Ziehvater und Theaterbesitzer Martin Ford erwähnenswert ist. Angie ist ein wahres Energiebündel und versucht, zu Willow durchzudringen. Angie deckt Willow ohne zweimal nachzudenken und ist eine unglaubliche Freundin. Martin ist ein weiser Mann, der Isaac mehr als nur einmal gute Ratschläge gibt und zugleich ein liebevolles Auge auf Willow hat. Alle Nebencharaktere fügen sich nahtlos in die Geschichte ein, haben ihre Daseinsberechtigung und treiben die Handlung voran. Eine rundum stimmige Mischung!

Ein paar wenige Worte möchte ich auch zum Schluss des Buches sagen. Der letzte Teil des Buches deckt den obligatorischen großen Knall sowie die heraus resultierenden Nachwehen ab. Hier passiert verdammt viel und vor allem auch verdammt wichtige Sachen. Es geht darum, wie sehr Erlebtes einen Menschen auch lange Zeit später noch beeinflussen kann und wie manchmal einige Zeit vergehen muss, bis gute Dinge passieren können. Es geht in diesem Buch nicht nur um Hoffnung, es geht auch um Heilung. Und Willow auf ihrem Weg begleiten zu dürfen, das ist eine wirklich schöne Erfahrung. Ich bin ein Mensch, der für alle Arten von Enden offen ist – egal, ob es ein Happy oder Unhappy End ist. Doch ich bin ehrlich: Noch nie habe ich so sehr auf ein gewisses Ende hingefiebert. Ich wollte, dass Willow die Chance bekommt, sich ihren Dämonen zu stellen. Tat es weh? Habe ich mit ihr gelitten? Auf jeden Fall. Doch das Gefühl der Freude und Erleichterung im Anschluss ist das, was mich wirklich von den Socken gehauen hat.

Das Buch verfügt zudem sehr wohldosiert über erotische Szenen. Das ist in diesem Genre so üblich und meistens stören diese Szenen mich sehr, weil sie für die Handlung keine Rolle spielen. Ja, man könnte sagen, ich bin Anti-Sexszenen-Anhängerin. Eine gute Liebesbeziehung braucht Gefühl und kein Geknalle im Bett. Aber – und das ist ein verdammt riesiges Aber – in diesem Buch war ich so unglaublich begeistert von den erotischen Szenen. Nicht zwingend, weil sie übermäßig toll-sinnlich sind, sondern weil sie für die Entwicklung der Geschichte eine durchaus wichtige Rolle spielen und für mich sogar etwas zur Geschichte beitragen, was ich gesucht habe: Erlösung und Hoffnung. Und davor ziehe ich den Hut, bei einer so schwierigen Geschichte stimmig Erotik einzubauen.

Never Doubt ist ohne Zweifel ein Buch, welches einen berührt. Es geht nicht um hochdramatische Entwicklungen und möglichst viel Herzschmerz. Never Doubt ist ein Buch, was zum Nachdenken anregt, einen zwischen den Zeilen in eine wundervolle und zugleich schmerzhafte Liebesgeschichte entführt und gleichzeitig mit einer unglaublichen Hoffnung daherkommt. So ruhig kommt dieses Buch daher und so behutsam baut es diese starke Geschichte auf – Never Doubt wird lange in meinem Kopf und meinem Herzen bleiben.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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Veröffentlicht am 26.07.2020

die Kings sind dieses Mal wirklich zurück

Bad Romance - Elite Kings Club
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„Wenn man einen Menschen nur lange genug verletzt, gewöhnt er sich irgendwann an den Schmerz.“
(Tillie in Bad Romance)

Worum geht’s?

Nach den sich überschlagenen Ereignissen am Ende von Band 4 steht ...

„Wenn man einen Menschen nur lange genug verletzt, gewöhnt er sich irgendwann an den Schmerz.“
(Tillie in Bad Romance)

Worum geht’s?

Nach den sich überschlagenen Ereignissen am Ende von Band 4 steht das Elite Kings Universum Kopf. Mehr denn je muss Tillie sich fragen, wer Freund und wer Feind ist, wer gut ist und wer für die böse Seite spielt. Neue Geheimnisse, weitere Enthüllungen und jede Menge Gefahren zwingen sie, immer wieder neue Entscheidungen zu treffen. Kann sie Nate vertrauen oder ist er der wahre Teufel der Geschichte?

Bad Romance ist der fünfte Teil der Elite Kings Club Buchreihe vom Amo Jones. Man benötigt Vorkenntnisse aus Band 1-4, das Buch kann schwer eigenständig gelesen werden. Die Reihe ist nicht abgeschlossen, die beiden Bände über Nate und Tillie hingegen schon.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover von Bad Prince passt mit seiner düsteren Stimmung gut in die Reihe, hebt sich aber mit der Gestaltung zugleich von Band 1-3 ab. Es zeigt das Cover von Band 4 in gespiegelter Form. Dies ist passend, da in Band 4 und 5 ein anderer Aspekt der Elite Kings betrachtet wird und zugleich beide Teile direkt zusammengehören. Das Cover ist ein Hingucker, auch wenn mir die Vorgängerbände mehr zugesagt habe. Durch eine fehlende Nummerierung oder etwas Vergleichbarem sind Band 4 und 5 allerdings leicht zu verwechseln.

Wie bei Mad Prince führen Tillie und Nate als Ich-Erzähler durch das Buch, wobei dieses Mal die Gewichtung zwischen den beiden deutlich ausgeglichener ist. Das Buch verläuft linear, es gibt eine Rückblende. Wie auch bei Band 1-4 ist der Schreibstil weiterhin ruppig, wirkt lustlos, unkontrolliert und wirr. Der Satzbau ist jedoch wieder etwas einfacher als bei Mad Prince. Im Buch enthalten sind Kraftausdrücke, explizite Sexszenen, explizite Gewalt sowie der Umgang mit Alkohol und Drogen.

Mein Fazit

Ich möchte ungern sagen, dass mich Band 4 enttäuscht hat. Das wäre vermutlich etwas hart ausgedrückt. Dennoch hat vor allem die erste Hälfte mich nicht für sich gewinnen können und wäre eine starke zweite Hälfte nicht gewesen, wer weiß, ob ich gerade hier sitzen und diese Worte schreiben würde. Entsprechend mit Bauchschmerzen fing ich nach einem fiesen Cliffhanger mit Band 5 an. Und wow, die Elite Kings sind endlich zurück – so, wie man sie kennt und liebt.

Nach dem Ende von Band 4 war erst einmal Durchatmen angesagt. Er ist echt einiges passiert in der zweiten Hälfte, was zu vielen weiteren Ereignissen und vor allem Problemen geführt hat. Jetzt steht Tillie da, weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann und was hier für ein Spiel gespielt wird. Und so ging es auch mir. Wer ist hier gerade böse, wer ist gut? Wie konnte es soweit kommen und auf welche Verbündeten sollte man setzen? Alles steht Kopf. Neue Leute tauchen auf, wodurch noch mehr Fragezeichen entstehen, und alte Bekannte, die einen mehr als nur verwirren. Tillie und Nate sinnen nach Rache, die Kings sinnen nach einer funktionierenden Ordnung und dann ist da noch Perdita, was aktuell unter keiner Herrschaft steht. Und eigentlich müssten Tillie und Nate auch endlich mal entscheiden, was sie wollen: Ein Miteinander oder ein Ohneinander? Das klingt doch alles schonmal vielversprechend und nach ganz viel Action.

Und so kommt es auch. Der Spannungsbogen in Bad Romance ist richtig hoch. Langeweile? Sowas kennt die Autorin nicht. Während ich vor allem bei Band 4 kritisiert habe, dass die erste Hälfte handlungsarm ist und so wahllos vor sich hinplätschert, ist in Band 5 hiervon nichts zu sehen. Von Seite 1 bis zum Ende passiert stetig etwas und ich war gefangen zwischen den Twists, den Enthüllungen, den falschen Fährten. Amo Jones spielt wieder mit dem Leser, sie wirf kleine Brotkrumen als Auflösung hin und dennoch bleibt in der Gesamtheit betrachtet so viel offen, dass das mystisch-verwirrende Flair weiterhin bestehen bleibt. Auch wenn jetzt ansatzweise erklärt wird, was die Elite Kings eigentlich machen (jap, ich gebe zu, dass das etwas übertrieben wirkt, aber hey, hier ist alles überzogen), gibt es noch so viele Fragezeichen. Und diese Unwissenheit zerfrisst und begeistert einen zugleich. Das fantastische? Immer wieder, wenn man denkt „jo, ich habe endlich das Puzzle gelöst“ und einen Schritt zurücktritt, um das Gesamtbild zu betrachten, kommt von der Seite ein King hineinspaziert und wirft einem ein neues Puzzle hin – bevorzugt ohne Verpackung und ohne weitere Worte. Es ist wie ein einziger Brand: Hier wird gelöscht (in diesem Fall gelöst) und woanders lodert es friedlich weiter, bis jemand Benzin draufkippt. Dafür bin ich hier, für diese wirre, absurde, verkorkste Geschichte mit ihren irren Wendungen und kuriosen (Moral-)Vorstellungen. Tatsächlich habe ich dieses Mal aber auch gar nicht diese übermäßige Frustgefühl verspürt, wie ich zB in Band 1-3 hatte. Man kennt mittlerweile ja ein wenig die Kings und weiß, wann Auflösungen kommen und wann nicht. Hat dem Lesespaß auf jeden Fall keinen Abbruch getan. Dafür passiert auch einfach zu viel. Immerhin gilt es zu lösen, welche Rolle Tillie eigentlich für die Kings spielt, welche Rolle die Kings untereinander einnehmen und auch Nates Racheplan, der zugleich für Probleme mit Bishop sorgen könnte, bringen viel Spannung mit. Mit neuen und alten Verbündeten, die man überhaupt nicht einzuschätzen weiß (oder deren plötzliches Auftauchen einen komplett verwirren), kann man zudem freudig Rätselraten, welche Rolle sie spielen und ob sie einem das Messer in den Rücken rammen möchten. So kommt es aber auch zu einigen Momenten, die einen komplett von den Füßen holen und in denen man sich kurz fragt „hui, wo bin ich hier eigentlich gelandet?!“

Wie sehr die Autorin es geschafft hat, mein Gehirn zu verwirren und meine Toleranzgrenze auszuweiten, merkt man allein schon daran, dass einige Handlungen im Buch zwar wirr, absurd und verrückt wirken, ich es aber gar nicht mehr hinterfragt habe. Sind halt die Elite Kings, hier ist alles bisschen anders, passt schon. Dass am Ende dann zahlreiche Enthüllungen stehen, die zeigen, dass das alles gar nicht so war – und ich mich an dieser Stelle dann gefragt habe, wieso ich es nicht einmal wirklich hinterfragt habe –, unterstreicht einfach die Wirkung dieser Buchreihe. Objektiv gesehen ist das alles nichts, aber man ist subjektiv so in diesem Sog gefangen, dass man alles aufsaugt wie ein Schwamm. Die wohl überraschendste Erkenntnis für mich persönlich ist aber auch: Bücher müssen gar nicht rund, logisch und nachvollziehbar sein. Denn normalerweise bin ich jemand, den es total stört, wenn es lose Enden gibt. Bei den Elite Kings nicht, ausgerechnet einer Reihe, die nur so mit Lücken, Ungenauigkeiten und wenig greifbaren Aktionen überhäuft ist. Denn hier versteht man einfach so wenig, dass es wie eine Sucht ist, weiterzulesen. Das oberste Ziel ist es, endlich etwas zu befreien. Dieser Reiz zeichnet die Elite Kings so sehr aus und das habe ich bei diesem Teil wieder so stark gemerkt. Gefesselt von Seite 1 an, ohne Pause durchgelesen und am Ende blieb nichts als Verzweiflung mit einer kleinen Portion Zufriedenheit. Band 5 ist so stark wie Elite Kings 1-3 und so viel besser als Band 4. Es ist gewiss keine Reihe, die jeden in den Bann ziehen kann und wird. Dafür gibt es zu viel, was wirklich objektiv betrachtet nichts ist. Und ich kann jeden verstehen, der sagt „Diese Reihe ist Mist“. Doch wenn man sich darauf einlässt, eintaucht und sich gefangen nehmen lässt, tritt man ein eine verwirrend-faszinierende Welt voller Geheimnisse und Twists ein. Für mich persönlich sind die Elite Kings purer Wahnsinn und ganz großes Kino.

Nicht so großes Kino hingegen ist die im Fokus stehende Liebesgeschichte um Nate und Tillie. Ich hatte bereits bei Band 4 stark kritisiert, dass mir diese Beziehung nicht aufgeht. Und so bleibt es leider auch weiterhin. Nate und Tillie bleiben für mich nicht greifbare Charaktere, vor allem Tillie hat extrem wenig Tiefe. Immer wieder wird stakkatoartig betont, wie mutig und stark und selbstbewusst sie sei, viel mehr kriege ich von ihr aber nicht mit. Zumindest, wenn man nicht hinzuzählt, dass sie offenbar auf alles steht, was männliche Pheromone hat. Es gibt wohl im ganzen Buch (abgesehen von Bishops und Nates Daddy) niemanden, den Tillie nicht gern vernaschen würde. Ihr Herz gehört aber zugleich immer Nate. Das merkt man aber sehr selten, vor allem, wenn sie sich permanent an Brantley reibt (auch, wenn dies zur Aufmerksamkeitssuche gedacht ist). Es ist ja nicht so, dass Maddie und Bishop für ihre eindeutige Beziehung bekannt waren, aber zumindest hatte ich bei den beiden das Gefühl, dass da weitaus mehr ist als nur sexuelle Anziehung. Bei Nate und Tillie hingegen nicht. Das ganze Buch hindurch ist es eine sehr von Hass, Wut und Verletzung geprägte Beziehung, die hin und wieder in explosiven Sex endet, aber zugleich sich nicht wirklich entwickelt. Es war für mich zu keiner Zeit ersichtlich, wieso die beiden sich lieben sollen. Hinzu kommt, dass öfter sogar erwähnt wird, dass ihre Liebe ja stabiler sei als von Maddie und Bishop. Das habe ich nicht gefühlt und gesehen. Eigentlich wirkt es fast schon so, als seien beide nur zufälligerweise durch das gemeinsame Baby verbunden. Es war nichts Halbes und nichts Ganzes. Die Thematik rund um das Baby kommt in Band 5 auch ziemlich kurz und spielt eher für die Hauptgeschichte eine Rolle als für die Beziehungsdynamik der beiden. Ihre stets beteuerte Liebe gegenüber dem Kind war nicht greifbar und wirkte deplaziert und plastisch. Ich würde sogar fast soweit gehen, dass die Autorin das Baby nur für den Zweck eingebaut hat, den beiden mehr Streitpotenzial zu geben.

In diesen Teil wurde auch vermehrt ein Fokus auf Brantley gelegt. Das ergibt Sinn, immerhin wird Bran Bran als Protagonist in Band 6 die Rolle spielen. Generell kommen wieder einige Leute vor, die meisten bleiben jedoch recht eindimensional und sind nur für gewisse Punkte relevant. Tatsächlich spielen dieses Mal auch einige Eltern eine etwas größere Rolle. Ich frage mich allerdings weiterhin, wieso die Autorin sich für so viele Kings entschieden hat – inklusive bereits ersten Andeutungen auf die neue Generation, die in den Startlöchern steht. Denn ein Großteil kommt zwar namentlich vor, spricht aber nie ein Wort oder hat eine wichtige Rolle. Eigentlich ist es immer nur Bishop, Nate, Brantley, hin und wieder mal Hunter oder Jase. Wer allerdings – positiv – in diesem Band aufgefallen ist, ist Eli. Der sorgte für (vielleicht ungewollten) Humor in der Geschichte, da er gelegentlich die Handlung kommentiert, und zwar mit fast den gleichen Gedanken, die der Leser im Kopf hat. Es ist fast so, als sei Eli der einzig normale in diesem Haufen Wahnsinniger.

„Geheimnisse wie diese sind der Grund, warum Menschen sterben. Warum sie davonlaufen. Und warum die Liebe stirbt.“
(Tillie in Bad Romance)

Worauf ich aber überhaupt nicht vorbereitet war: Maddie und Bishop werden mir das Herz brechen. Bereits in Band 4 hatte sich angedeutet, dass Ärger in Paradies ist. Ich hatte viele Theorien – am Ende hat sich keine davon bewahrhaltet und ganz im Gegenteil war die Enthüllung der wahren Vorkommnisse ein Schlag in den Magen. Ich habe drei Bände mit beiden mitgefiebert und war dabei, wie ihre Liebe stark wurde. Und jetzt kommt das. Und verdammt, es tut so unglaublich weh. Eigentlich sagt es schon alles, dass ich zu keiner Zeit mit Nate und Tillie mitgefiebert habe, aber die wenigen Momente, die Madison und Bishop thematisiert haben, mich einfach zerbrochen haben. Es waren wenige Sätze im Bezug auf Bishop, die mein Herz haben brechen lassen. Es waren wenige Handlungen von Maddie, die mich zur Verzweiflung gebracht haben und am Ende steht eine schmerzhafte Erkenntnis: DAS kann doch nicht wahr sein. Ich wollte Bishop schütteln, Maddie anflehen und am Ende blieb nichts als viel verbrannte Asche. Doch das Thema ist nicht vorbei. Denn zum Ende gibt es noch Enthüllungen, die vieles in Frage stellen und außerdem will mein armes Herz nicht akzeptieren, dass der König und seine verdammte Königin in dieser Weise miteinander umgehen. Wird wohl Zeit, deine Koffer zu packen, lieber Bishop. Sieh zu, dass du das klärst. Das ist nicht das Ende!

Eine Sache, die aber hoffentlich endlich zu Ende ist: Perdita. Von Anfang an hatte ich ja so meine Probleme mit dieser Insel, die so eine zentrale Rolle spielt. Sie ist für die Kings, ihre Geschichte und ihre Macht sehr wichtig. Doch meine Vorstellungskraft war immer etwas eingeschränkt. In Band 4 und 5 erhält man jetzt deutlich mehr Einblicke, wie man sich das vorstellen soll – vorstellen kann ich’s mir allerdings immer noch nicht so wirklich. Die Macht um Perdita spielt aber auch eine wichtige Rolle in diesem Teil und durch das Ende hoffe ich auch, dass Perdita jetzt kein Vorkommen mehr in den Folgebänden haben wird.

Das Ende tischt noch einmal einige Enthüllungen auf. Puh, wie oft man an der Nase herumgeführt wurde von der Autorin, das ist schon wirklich genial. Ich bin auf einige Punkte reingefallen, weil sie einfach zu schlüssig klangen. Doch zugleich merkt man hier, wie leicht es der Autorin fällt, dem Leser einen Apfel für ein Ei zu verkaufen. Man hinterfragt es gar nicht, immerhin ist bei Elite Kings Club alles möglich. Das finale Ende der so gesehenen Nate-Tillie-Dilogie sorgt vor allem insoweit für eine Überraschung, dass Nate und Tillie jetzt endlich ihren Weg finden. Ob der so nachvollziehbar ist? Eher nicht. Wie ich ja bereits erwähnte, mangelt es stark an der Beziehungsentwicklung und somit ist das Ende etwas unglaubwürdig und ein Stück weit viel zu gut. Zugleich wird man so aber mit einer entspannten Zufriedenheit entlassen. Es gibt noch lose Enden, die man dringend erklärt haben möchte, weiß aber, dass zumindest Nate und Tillie nun abgehakt sind und man sich auf Maddie und Bishop sowie Brantley und seine neu eingeführte Geschichte konzentrieren kann.

Insgesamt ist Bad Romance einfach so viel stärker als Mad Prince. Mit spannenden Twists, vielen Überraschungen und einem starken Drumherum kann das Buch aber vor allem außerhalb der Liebesgeschichte überzeugen. Die Liebesgeschichte war für mich nicht zufriedenstellend, ich hatte aber auch nicht das Gefühl, dass sie sonderlich im Vordergrund stand, weshalb sie nur bedingt gestört hat. Bad Romance schlägt voll in die Kerbe von Band 1-3 und hat mich erneut in eine wunderbar verworrene Welt aus irren Geheimnissen entführt. Mit den angesprochene Themen rund um Maddie, Bishop und Brantley wird zudem ein guter Grundstein für die Folgebände gelegt. Es war eine wahre Freude, wieder zu den Kings zurückzukehren, vor allem nach einem nicht so tollen Band 4. Und ich weiß auf jeden Fall, dass ich so schnell nicht von den Kings loskomme. Es ist einfach klar:

„Du wirst hierbleiben, bis wir die losen Enden verbunden haben. Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.“
(Nate zu Tillie in Bad Romance)

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

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