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Veröffentlicht am 11.08.2024

Das Knistern von Leben im Unterholz

Taumeln
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„Taumeln“, der zweite Roman von Sina Scherzant, erschienen 2024 bei park x ullstein, ist ein Buch, das mir noch lange durch Kopf und Herz gehen wird. Ein schlichter Schutzumschlag zeigt Blätter in Pink ...

„Taumeln“, der zweite Roman von Sina Scherzant, erschienen 2024 bei park x ullstein, ist ein Buch, das mir noch lange durch Kopf und Herz gehen wird. Ein schlichter Schutzumschlag zeigt Blätter in Pink bis Petrol auf schwarzem Grund, darunter versteckt sich ein wunderschönes Hardcover in einem leicht glitzernden Farbverlauf derselben Farben. Ein bisschen so sind auch die Menschen in diesem Buch, eine karge Fassade, aber darunter ist so ein sanft glänzendes Leuchten, dass mich beim Lesen tief berührt hat.

Der Einstieg in den Roman ist einer der besten, die ich seit langem gelesen habe, voller Härte und Poesie, eine allgemeine Betrachtung über den Schmerz, bevor wir uns im Buch den Leidenden widmen. Oder den Kämpfenden. Es kommt auf die Perspektive an.

Immer wieder treffen sie sich im Wald, die Suchenden, das sind Luisa, Inge, Frank, Hartmut, Amaka, Emma, Enrico und Christina, die seitdem Hannah, die Schwester von Luisa eines Tages verschwunden ist, jeden Samstag den Wald durchforsten, auf der Suche nach Hannah – oder vielleicht doch eher nach sich selbst und einem Weg aus der Einsamkeit und all den Dingen, die sich unter der Oberfläche aufstauen. Was so profan und durchsichtig klingt in der Oberflächenkonstruktion ist ein Roman, der an emotionaler Dichte und literarischer Qualität kaum zu überbieten ist. Hannah, die Perfekte, Wunderschöne, deren Name nicht umsonst natürlich auch noch ein Palindrom ist, verschwindet scheinbar grundlos und zurück bleiben Wut, Schuld und beendete Leben, die voller Schmerz auf einen Neubeginn warten, sich aber nicht aus der Sackgasse, dem Wendehammer, trauen. Die Trauerarbeit, das Loslassen hat viele Gesichter, für die Scherzant einfach großartige Bilder und Formulierungen findet. Die Suche im Wald wird immer mehr auch zu einer klugen Gesellschaftsstudie, die die Mechanismen von Abwehr und Kampf um Geltung und Sichtbarkeit immer mehr aus dem Mulch herausschält. Scherzant macht nicht halt vor Rassismus und Privilegien, vor Misogynie, Incels (wo sind die Bären in diesem Wald?) und roher Gewalt, vor stereotypen Rollenbildern und Heimlichkeit, vor Optimierungsdruck und Hass. Aber zum Glück steht dem Gegenüber im Wald auch Solidarität und eine Art, ja, Fungus, ein unterirdisches Gewebe, dass hier acht Menschen zusammenhält und ganz langsam und leise miteinander wachsen lässt, der Wald ist unverwüstlich und diese Notgemeinschaft auch. Vielleicht weiß am Ende niemand mehr, warum sich immer wieder im Wald zusammengefunden wird und die Suche sich immer mehr wie ein Ausflug anfühlt, vielleicht wird nie mehr Physisches gefunden werden als Plastikdeckel, während immer mehr klar wird, dass es eigentlich längst vorbei ist, und vielleicht ist es müßig, immer wieder die Blätter umzuwälzen, wenn die Oberfläche der Menschen immer mehr Risse bekommt. Aber jeder Schritt durch den Wald beschreibt aus Scherzants genialer Feder auch die Unfähigkeit, selbst weiterzuleben angesichts eines Verlustes, die inneren und äußeren Verletzungen, den Wunsch nach einer Erklärung oder Rechtfertigung und bringt die Menschen im Roman ganz vorsichtig an etwas, das vielleicht ein Anfang ist.
„Ein schwarzes Loch ist nicht Leere. Es existieren Schwarze Löcher mit der milliardenfachen Masse der Sonne.“
Noch nie wurde ein schwarzes Loch für mich so spürbar gemacht, wie durch dieses Buch. Lesen. Bitte lesen. Und dann zum Sternenhimmel aufschauen. Sonst habt ihr wirklich was verpasst.

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Veröffentlicht am 07.08.2024

Bist du okay?

It's lonely at the centre of the earth
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„It’s lonely at the centre of the earth“, eine Autobio-Graphic-Novel über das Leben mit Depressionen von Zoe Thorogood ist eine Entdeckung, ein unglaublich mutiges und ehrliches Werk aus der Hand einer ...

„It’s lonely at the centre of the earth“, eine Autobio-Graphic-Novel über das Leben mit Depressionen von Zoe Thorogood ist eine Entdeckung, ein unglaublich mutiges und ehrliches Werk aus der Hand einer jungen Künstlerin, die uns hoffentlich noch ganz viele Werke schenken wird.
Ich kannte Zoe Thorogood bisher als Künstlerin gar nicht, muss mir jetzt unbedingt mehr von ihr anschauen. Ihre Zeichnungen sind so vieldimensional und berührend, die fragile und fragmentarische Storyline lässt die Lesenden sehr gut in ihren Kopf schauen, die Graphic Novel ist so ehrlich und direkt, ich kann das nur feiern. Wie Thorogood ihrer Depression eine Gestalt gibt und in vielen Panels sichtbar wird, dass es eine fast zärtliche Beziehung zu ihr gibt, die Gesichtslosigkeit der Menschen um sie herum, die ihre Unfähigkeit, Beziehungen einzugehen, so perfekt einfängt, das Chaos, das durch alle Bilder wandert, die meist gedeckten Farben, ihre Fähigkeit, ganz viele Formen und Stile künstlerisch zu integrieren, und in der Mitte dann auf einmal ein neues Buch, ein neuer Ansatz, weil sich das alte Buch einfach nicht schreiben lassen will: Einfach grandios. Die Facetten der Depression werden sehr gut eingefangen, auch die Sprachlosigkeit, die damit einhergeht, beim gleichzeitigen Wunsch nach Kommunikation und Nähe.
Dieser Wunsch führt im zweiten Ansatz dann zu einer deutlich klareren Storyline, und dennoch scheint das Fragmentarische fast noch zuzunnehmen: Die innere Auflösung und Überforderung von Zoe ist absolut greifbar und es hat mich sehr berührt, wie sie sich immer mehr zu verlieren scheint. Ganz stark eine Doppelseite, auf der sie sich selbst am Tisch gegenüber sitzt und in ganz vielen Spiegelungen erscheint. Und wie sie ihrem jungen Ich begegnet, das sie im Leben hält und zum Schreiben und Zeichnen antreibt. Dann auf einmal bei einer Fotografie zu landen, hat mich zerrissen.
Und auch wenn Zoe vielleicht nicht weiß, wie sie das Buch beenden soll, so ist doch gerade dieses Nicht-Ende wahrscheinlich genau das einzig Mögliche. Ihr Kampf wird ja auch nicht enden. Aber sie bleibt in Bewegung. Es ist einsam im Mittelpunkt der Erde. Aber Zoe versucht, dort nicht mehr zu leben. Das ist es, was zählt.
Eine mutige Graphic Novel. Es braucht ein bisschen Mut auch von den Lesenden, mit dem assoziativen Flow zu gehen und sich durch die Panels treiben zu lassen. Vielleicht hätte ich mir auch noch ein bisschen mehr Input zum Kampf zwischen Depression und Kunst gewünscht. Aber wir teilen das, was wir teilen können. Künstlerisch durchgehend stark gezeichnet und mit einer klaren Stimme gesprochen.
Am Buchbeginn zeigt uns Zoe Thorogood, wer sie ist und zeigt uns auch ihre Angst, mit diesem Buch an die Öffentlichkeit zu gehen, weil dann alle für immer über sie Bescheid wissen werden. Es ist ein Scheiß, dass psychische Krankheiten noch immer so stigmatisiert sind. Die Einsamkeit, die im Mittelpunkt der Erde herrscht, macht Zoe Thorogood mit ihrer Graphic Novel sehr berührend erlebbar. Es wird Zeit, mehr Leitern und Seile nach unten zu bringen.
Ich bin Fan. Ich wünsche dieser beeindruckenden Graphic Novel ganz viele Leser:innen. Und werde noch häufiger die wichtige Frage stellen. Bist du okay?

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Veröffentlicht am 29.07.2024

Bitte schneller als schnell die Fortsetzung!

Die Toten von Veere. Ein Zeeland-Krimi
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„Die Toten von Veere“, ein Zeeland-Krimi aus der Feder von Maarten Vermeer, erschienen 2024 bei HarperCollins, ist ein Kriminalroman, der es auf unfassbar vielen Ebenen in sich hat und den mensch nicht ...

„Die Toten von Veere“, ein Zeeland-Krimi aus der Feder von Maarten Vermeer, erschienen 2024 bei HarperCollins, ist ein Kriminalroman, der es auf unfassbar vielen Ebenen in sich hat und den mensch nicht eine Sekunde aus der Hand legen kann. Eingebettet in ein sehr atmosphärisches düsteres Cover mit geprägter Schrift, das große Beklemmung ausstrahlt, schließt sich beim Lesen ein Ring ums Herz, der so schnell nicht mehr zu sprengen ist.
Es geht los, wie mensch es von Krimis kennt, wobei eigentlich sogar das schon nicht, denn das Eskalationslevel ist direkt maximal: Hoofdinspecteur Liv de Vries trifft bei der übereilten Klärung eines Selbstmordattentatfalls eine unglückliche Entscheidung und wird danach von ihrem Vorgesetzten aus der Schusslinie genommen und zur Aufklärung eines scheinbar harmlosen Vermisstenfalls in die Provinz nach Veere geschickt. Mit ihr zusammen ihre neue Kollegin Noemi Bogaard. Doch was sich dann in Veere entspinnt, ist alles andere als ein harmloser Fall, denn hier führt jede Spur zu einer weiteren Entdeckung, die immer tiefer in die Vergangenheit führen – und ihre Opfer fordern.
Vermeer schreibt unglaublich dicht und packend, sein Plot ist absolut unvorhersehbar und die Abgründe, denen er sich genussvoll widmet, sind Untiefen, gegen die das Meer nur ein flacher Priel ist. Der Handlungsstrang ist so genial, dass ich ihn am liebsten hier wiedergeben würde, um ihn würdigen zu können, aber natürlich soll rein gar nichts verraten werden!
Was verraten werden kann und muss ist aber, dass „Die Toten von Veere“ auch deshalb für alle Preise der Welt nominiert werden sollte, weil Vermeer sich auf beeindruckende Art darin einem Thema widmet, dass die Welt gerade beschäftigt: Der Rechtsruck, der durch fast alle Staaten geht. Wie er dabei einen Bogen von der Vergangenheit bis heute und morgen schlägt und Mechanismen hellsichtig aufdeckt, und das inmitten einer Krimihandlung und ohne aufzutragen mit seiner aktiven politischen Haltung, immer eingebettet in eine Krimihandlung, die sich notwendig damit verbindet und doch so deutlich in dem, was er an Zeitanalyse vermitteln will, das ist ein ganz großer Coup. Selten habe ich einen so politischen Krimi gelesen, der dabei vollkommen unaufgeregt unpolitisch ist auf der Oberfläche. Ein kleines Manko ist, dass Vermeer bei der Behandlung des Charakters von Noemi Bogaard selbst in die Rassismusfalle tritt, indem er diesem Charakter leider nur sehr wenig Fleisch und Backstory gibt im Verhältnis zu den anderen Hauptcharakteren und diese Figur sehr funktional behandelt – etwas, was er unserer Gesellschaft zu Recht vorwirft. Dafür muss es einen halben Stern Abzug geben, aber dennoch kann hier nur empfohlen werden, diesen Zeeland-Krimi (eine viel zu harmlose Kategorie!) unbedingt zu lesen. Ideal an einem Wochenende, an dem mensch nicht viel vorhat. Denn ein Weglegen: Ist kaum möglich.
Und der Cliffhanger am Ende (Böse! Böse böse böse!!!) macht große Hoffnung auf eine Fortsetzung. Bitte schnell. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll.

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Veröffentlicht am 27.07.2024

Ein spannender historischer Krimi mit viel Prag

Der Bezoar
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„Der Bezoar“, ein historischer Krimi aus der Feder des Autorenduos Michaela und Karl Vocelka, beide Historiker:innen, erschienen 2024 im Überreuter Verlag, ist ein historischer Kriminalroman, der über ...

„Der Bezoar“, ein historischer Krimi aus der Feder des Autorenduos Michaela und Karl Vocelka, beide Historiker:innen, erschienen 2024 im Überreuter Verlag, ist ein historischer Kriminalroman, der über weite Strecken viele Lesefreude beschert und vor allem auch die schöne Stadt Prag am Ende des 16. Jahrhunderts sehr lebendig werden lässt.
Das Cover zeigt die Karlsbrücke in Prag, wer schon einmal da war, wird sie sofort erkennen und zuordnen, dunkel in der Farbgebung, es wird keine Urlaubsreise werden, auch wenn die vielen Pragbeschreibungen mir manchmal schon Reiseführervibes gaben. Im Innencover gibt einem ein Gemäldeabdruck einen guten Eindruck von der historischen Zeit am Hof von Kaiser Rudolf II.
Die Handlung rankt sich um einen verschwundenen Bezoar, eine geheimnisvolle Schrift, die Alchemie, die Ausläufer der Glaubenskriege und des Augsburger Religionsfriedens sowie natürlich: Mord und Liebe.
Ein spannender Prolog führt die Lesenden noch geheimnisvoll auf die Suche nach einem Objekt, für das gemordet wird, der Handlungsort ist Konstantinopel im Jahr 1580, das später im Roman noch wichtig werden wird. Ein Unwetter zieht heran (das ist ja fast schon die Comic Correspondence der Shakespearezeit). Der Mörder wird um seine Beute geprellt. Ein guter Auftakt, der die Basis der Lesereise stellt.
Von hier aus reiten wir ein paar Jahre später nach Prag, wo Matthias Gaiswinkler zusammen mit seinem Kollegen und Freund Christoph Praunfalk, beide Salinenbeamte aus Aussee, geschäftlich am Hof von Rudolf II unterwegs sind – doch leider sehr wenig zu ihren Geschäften kommen, denn eh sie sich versehen, finden sie die Leiche eines unbekannten Mannes. Von da aus führt ihr Weg immer weiter weg vom Salz und immer tiefer in die Prager Gesellschaft mit all ihren Intriganten und Ränkeschmieden und der großen Verheißung der Alchemie, die über allem schwebt, auf der Suche nach einem Mörder und einem Motiv.

Das Autor:innenduo Vocelka schreibt flüssig und kenntnisreich, man merkt die Historiker:innen und Wissenschaftler:innen, dennoch finden sie über weite Strecken zu einem bemerkenswert guten Schreibfluss und entwickeln eine packende Handlung mit sehr viel Prager Lokalkolorit. Dabei werden weitestgehend gute Anlässe für die Einbettung von Erläuterungen zur Historie und zur Wissenschaft der Alchemie gefunden, die manchmal kurz ein bisschen zu weit von der Handlung wegführen und sehr ausführlich geraten, aber immer wieder zu ihr zurückfinden. Und während die Verdächtigen sich häufen und der unfreiwillige Ermittler Gaiswinkler sich zunehmend die Haare rauft, kommt auch die Romantik nicht zu kurz. Auf diese hätte ich tatsächlich auch gut verzichten können, sie war nicht unbedingt mein Favoritenpart der Handlung, da teilweise doch etwas hölzern beschrieben und eigentlich für die Handlung gar nicht notwendig. Schade ist auch, dass die Figur Praunfalk zum reinen Stichwortgeber verkommt. Und gegen Ende merkt die lesende Person doch sehr deutlich die Konstruktion und blieb unzufrieden zurück, da die Auflösung ein bisschen im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Hut gezaubert wurde, ohne dass es vorher Hinweise gab.

Überwogen hat hier aber dennoch ganz klar das Lesevergnügen eines meist sehr lebendig geschriebenen Historienkrimis mit vielen Details. Ich hoffe, es bleibt nicht nur bei diesem Roman und der nächste bekommt noch etwas mehr Raum für die Ausarbeitung aller angelegten Stränge. Also eine solide Leistung für einen Erstling in diesem Genre, die 3,5 Sterne absolut verdient. Unbedingt noch zu erwähnen ist das wirklich außerordentlich gelungene Nachwort, welches das Geschriebene historisch einordnet und Fiktion von Fakten trennt.

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Veröffentlicht am 25.07.2024

Eine spannende Grundidee, die sich in zu viel Fragezeichen verwandelt

Die Maske der Spiegel
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„Die Maske der Spiegel“ von M. A. Carrick, der Auftakt einer Romanreihe, die aus sechs Bänden bestehen wird, erschienen 2024 im Panini Verlag, schafft eine komplexe phantastische Welt voller spannender ...

„Die Maske der Spiegel“ von M. A. Carrick, der Auftakt einer Romanreihe, die aus sechs Bänden bestehen wird, erschienen 2024 im Panini Verlag, schafft eine komplexe phantastische Welt voller spannender Figuren und Themen, die aber leider mit fortschreitender Handlung immer verwirrender wird und mich am Ende deshalb einfach verloren hat. M. A. Carrick ist ein Pseudonym für die beiden Autor:innen Marie Brennan und Alyc Helms, die hier gemeinschaftlich schreiben und, das muss mensch ganz klar sagen: Stilistisch sehr gut, souverän, detailreich, alles liest sich flüssig, das Geschriebene hat einen guten Zug und wirkt homogen: Es ist nie spürbar, dass hier mit mehreren Personen geschrieben wird.
„Die Maske der Spiegel“ kommt mit einem sehr passenden Cover in tollen Farben, insbesondere das Glanzdetail auf dem Buchrücken gefällt mir gut, und auch das Innencover ist wirklich sehr schön gestaltet. Die dort eingesetzte Karte gibt einen guten Überblick über die beschriebene Welt, so etwas mag ich sehr gern, allerdings ist die Schrift teilweise schon sehr klein. Das Papier hat eine gute Qualität, so ist alles bereitet für eine schönes Leseerlebnis.
Nach einem extrem dichten Prolog, der uns direkt ins Geschehen und in die Vorgeschichte zur Haupthandlung wirft, hatten die ersten Kapitel eine gute Spannung und die Figuren, die allesamt sehr interessant und lebendig sind, wurden in sinnvollem Abstand eingeführt.
Die Betrügerin Ren schleicht sich gekonnt und mit Hilfe ihrer Blutsschwester in das Adelshaus der Traementis ein. Dabei stößt sie auf viele Hindernisse und muss so einige Umwege in Kauf nehmen, um ihr Ziel zu erreichen. Je näher sie ihrem Ziel kommt, desto mehr verstrickt sie sich emotional, und über allem kreist der Rabe, eine mystische Figur, die ein bisschen an Zorro erinnert und allen Rätsel aufgibt: Wer versteckt sich hinter dieser Maske? Zeitgleich verschwinden immer mehr Kinder in der Stadt. Was hat es damit auf sich? Ein spannendes Setup voller Magie, das mich am Anfang sehr in den Bann gezogen hat.
Doch in der weiteren Entwicklung kommen immer mehr Handlungsstränge und Figuren hinzu, garniert mit einem Begriffswirrwarr, der nie erläutert wird (ich habe dann dank Google online ein Glossar gefunden – warum nur wird in dem Buch nicht darauf hingewiesen? Es wäre so hilfreich gewesen!). Immer wieder werden wesentliche Handlungsstränge ganz aus dem Auge verloren. So wurde das Buch leider immer anstrengender zu lesen, bis ich am Ende eigentlich nur noch Fragezeichen im Kopf hatte. Ich glaube, hier wurde ganz schlicht überkomplex angelegt, so dass die vielen einzelnen Teile des Ganzen einfach nicht mehr genug vorkommen können. Hier wäre weniger mehr gewesen oder eine langsamere Stafflung – und deutlich mehr Erläuterung wäre vonnöten.
Die Hauptfigur Ren ist dabei sehr sympathisch, aber auch das hat mich irgendwann nicht mehr gerettet. Rabe und Rose nennen die Autor:innen die Romanreihe – dafür kam der Rabe leider viel zu wenig vor. Schade, ich sehe hier viel Potenzial in einem Plot, aber das hilft nichts, wenn mensch dem Plot irgendwann selbst mit Notizen nicht mehr folgen kann.
Was bleibt ist eine sehr spannende Grundidee, der am Ende nur noch Fragezeichen folgen.

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