Interessante Parabel in schwierigem Stil
Femme Fatale ist in einer Beziehung mit Superheld. Sie lieben sich.
Oder?
Eigentlich schon, gäbe es da nicht die üblichen Probleme wie in jeder Beziehung. Superheld will ständig die Welt retten statt ...
Femme Fatale ist in einer Beziehung mit Superheld. Sie lieben sich.
Oder?
Eigentlich schon, gäbe es da nicht die üblichen Probleme wie in jeder Beziehung. Superheld will ständig die Welt retten statt Zeit mit seiner Geliebten zu verbringen. Es gibt Superschurken, die die Weltherrschaft an sich reißen wollen, allen voran die Großtante von Femme Fatale.
Zusätzlich steht Femme unter einem Zauber, von dem sie selbst gar nichts weiß und der sie dazu bringt soll, Superheld zu töten. So versucht sie ständig ihren Geliebten aus der Welt zu schaffen. Und weil der Zauber noch in der Erprobungsphase steckt, wirkt er auch nicht ununterbrochen.
Superheld hat seine eigenen Gründe, warum er trotz der spontanen Mordversuche seiner Freundin mit ihr zusammenbleibt. Oder ist er vielleicht einfach verliebt?
Vieles ist möglich in dem Roman „Größtenteils heldenhaft“ von Anna Burns, der im Original bereits 2014 erschienen ist. Superhelden können mehrfach sterben, Bösewichte wider auferstehen und Superschurken beseitigen so viele andere Superschurken, dass sie vielleicht schon wieder Helden sind.
In der ziemlich komischen und abgedrehten Geschichte von Femme und Held werden die Kontraste von Helden und Superschurken so lange hochgedreht, dass gar nicht mehr erkennbar ist, wer eigentlich der Gute und der Böse ist und warum sich sich alle permanent bekämpfen.
Wenn du schon Romane von Anna Burns, wie beispielsweise den sehr erfolgreichen „Milchmann“ von 2018, kennst, wird es dir nicht schwerfallen, in der kurzen Erzählung eine Parabel auf den Nordirlandkonflikt zu erkennen.
Aber auch ohne diesen Kontext finden sich in dem Roman unendlich viele überspitzte Parallelen auf so ziemlich jeden Konflikt dieser Welt.
Und auch der Grabenkampf zwischen Männer und Frauen in Beziehungen und in der Gesellschaft wird persifliert.
“Ihr Männer immer mit euren wütenden Muttern.
Ihr könnt heute keine wütende Frau mehr ertragen, weil ihr sie für eure desublimierte Mama haltet, die euch die Männlichkeit abschneiden und eure Teddys kochen will, obwohl es in Wirklichkeit vielleicht ganz anders ist. Vielleicht ist sie nur eine wütende Frau - vielleicht sogar eine, die gar nicht auf euch wütend ist.”
Stilistisch habe ich mich mit diesem knappen Buch sehr schwergetan. Die Sätze sind lang, verschachtelt und überladen und erfordern meine ganze Konzentration. Ein Pageturner war das für mich nicht, was bei 126 Seiten auch nicht unbedingt notwendig ist.
Neben den ganzen krass überzeichneten und scharfen Erzählelementen gibt es auch sanftere, nachdenklichere Töne im Subkontext. Denn Burns Geschichte von Femme und Held zeigt, warum wir immer wieder scheitern, sei es beim Frieden schließen oder in einer Liebesbeziehung.
Obwohl Femme Fatal und Superheld natürlich fiktive Protagonistinnen sind, ist „Größtenteils heldenhaft“ ein Spiegel unserer aktuellen Gesellschaft, egal ob du jetzt den Nordirlandkonflikt darin sehen möchtest oder einen anderen. Und genauso ist er ein Spiegel für unsere Beziehungen, die eigentlich alle nur auf Grundlage folgender essentiellen Gefühle existieren können: Liebe und Vertrauen.