Rettung des Staatsschatzes
Eher unerwartet tritt Albert Campion in das Leben von Val Gyrth, der Sohn der alteingesessenen Familie Gyrth, die einen Stastsschatz, einen über tausend Jahre alten Kelc,h in einem angeblich türlosen Zimmer ...
Eher unerwartet tritt Albert Campion in das Leben von Val Gyrth, der Sohn der alteingesessenen Familie Gyrth, die einen Stastsschatz, einen über tausend Jahre alten Kelc,h in einem angeblich türlosen Zimmer hütet, denn dieser soll gestohlen werden. Dank der hervorragenden Kombinationsgabe und der zahlreichen Beziehungen des Kriminalisten sind Campion und sein Schützling den Verbrechern immer einen Schritt voraus....
Die britische Autorin Margery Allingham (20.05.1904, †30.06.1966) gehört neben Agatha Christie, Dorothy L. Sayers und Ngaio Marsh zu den „Queens of Crime“, den vier bedeutendsten Autorinnen von klassischen Detektivromanen des Goldenen Zeitalters. "Campion. Tödliches Erbe" erschien bereits 1931 unter dem Titel "Look to the Lady / The Gyrth Chalice Mystery" als dritter Band der Reihe um den unscheinbaren Detektiv Albert Campion (die insgesamt 34 Bäne umfasst), und wurde fast 95 Jahre nach dessen Erstveröffentlichung im Jahr 2025 neu aufgelegt.
Natürlich ist es keinesfalls verwunderlich, dass wir dabei in eine völlig andere Zeit entführt werden, in der Adel und Großgrundbesitzer noch einen anderen Stellenwert hatten als heute, das "fahrende Volk" mit Argwohn beachtet, die Erbfolge männlich beherrscht wurde und die Frauen noch ausschließlich Kleider trugen. Und selbstredend ist auch die blumige, ausdrucksvolle Sprache anders als in modernen Werken. Doch wer sich darauf einlässt, findet einen höchst charmanten und unterhaltsamen Krimi in feinster klassischer Manier vor.
Auch Rätselhaftes und Unerklärliches spielt eine große Rolle.
Campion, der Meisterdetektiv mit dem meist dümmlichen Gesichtsausdruck, hat es faustdick hinter den Ohren und ist Freund und Feind immer einen Schritt voraus. So gibt es ständige Wendungen und miträtseln lässt sich kaum, weil immer wieder Neues offenbar wird. Er überrascht nicht nur seinen Schützling immer wieder, sondern auch die LeserInnen mit seinen Schachzügen im Hintergrund.
Und auch die anderen Figuren sind bestrickend bildhaft gezeichnet und passen selbstredend in die Zeit.
Für mich war es wohltuend, einmal von klassischen Schurken zu lesen, Schmugglern, Taschendieben, Raufbolden, die einer handfesten Polizei, gebildeter Professorenfamilie und verarmten Landadel gegenüberstehen.
Ein angenehmer Spannungsbogen führt zu einem befriedigenden Ende; nur das Rätsel, von welchem Geld Campion eigentlich seine AUsgaben bestreitet, wird nicht gelöst.
Der einnehmende Schreibstil, aussagekräftige Kommunikation und feiner britischer Humor machen das Leseerlebnis zu etwas Besonderem; und auch eine Prise Mystik darf nicht fehlen.
Wer sich auf einen klassischen Krimi einlassen kann, wird mit einem wahren Meisterwerk aus den Anfängen der Schriftstellerinnen und der ehrwürdigen Detektivkunst belohnt.