Platzhalter für Profilbild

JohannaMaus

Lesejury Star
offline

JohannaMaus ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit JohannaMaus über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.03.2026

Stimmungsvolle 80er-Jahre-Kulisse mit leisen Tönen

Tainted Love
3

Mit Tainted Love gelingt Vincent Tal ein atmosphärisch dichter Auftakt, der weniger durch rasante Spannung als vielmehr durch sein besonderes Setting und die leisen Zwischentöne überzeugt.

Die Handlung ...

Mit Tainted Love gelingt Vincent Tal ein atmosphärisch dichter Auftakt, der weniger durch rasante Spannung als vielmehr durch sein besonderes Setting und die leisen Zwischentöne überzeugt.

Die Handlung führt ins nordhessische Zonenrandgebiet im Sommer 1986, einer Zeit, die geprägt ist von flirrender Hitze, sterbenden Wäldern und der allgegenwärtigen Nähe zur DDR. Diese Kulisse verleiht dem Roman eine leicht bedrückende, fast schon mystische Stimmung, die sich durch das gesamte Buch zieht. Besonders die vielen kleinen Details und Anspielungen auf die 80er-Jahre sorgen für ein intensives, nostalgisches Lesegefühl.

Im Mittelpunkt stehen Martin Ritter und Christine Lehmann, zwei Figuren, die unterschiedlicher kaum sein könnten und gerade dadurch interessant wirken. Während Martin eher zurückhaltend und schwer greifbar bleibt, bringt Christine mit ihrer direkten Art mehr Dynamik in die Geschichte. Ihre Beziehung entwickelt sich ruhig, aber spürbar und verleiht dem Roman eine zusätzliche emotionale Ebene.

Der eigentliche Kriminalfall rund um das im See entdeckte Auto entfaltet sich hingegen eher gemächlich. Zwar bauen viele Hinweise, Nebenfiguren und Andeutungen Spannung auf, doch die Auflösung wirkt am Ende etwas gerafft. Hier hätte man sich mehr Raum gewünscht, um die zuvor gelegten Spuren vollständig auszuleuchten.

Die Stärke des Romans liegt eindeutig in der Atmosphäre: „Tainted Love” ist kein lauter Thriller, sondern ein ruhiger, fast schon nachdenklicher Krimi, der vom Lebensgefühl einer vergangenen Zeit lebt. Die Mischung aus Hitze, Geheimnissen und unterschwelliger Unruhe macht den Reiz dieses Romans aus.

Fazit: Ein ruhiger Krimi mit starkem 80er-Jahre-Flair, der vor allem durch seine Stimmung und Figuren überzeugt. Wer auf actionreiche Spannung hofft, wird hier weniger fündig, wer jedoch atmosphärische Geschichten mit Tiefgang schätzt, dürfte auf seine Kosten kommen. Ein gelungener Reihenauftakt mit Potenzial nach oben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 31.03.2026

Zwischen Krieg, Hoffnung und Selbstbestimmung

Tage des Wandels
0

Mit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege ...

Mit „Tage des Wandels” setzt Ulrike Renk ihre eindrucksvolle Kalmule-Trilogie fort und knüpft nahtlos an die Stärken des ersten Bandes an.

Im Mittelpunkt stehen die Zwillinge Eva und Adam, deren Lebenswege schon bei der Geburt durch die damaligen gesellschaftlichen Regeln bestimmt werden. Besonders spannend fand ich den Tausch ihres Status: Während Adam den Hof übernehmen kann, erhält Eva die Chance auf ein selbstbestimmteres Leben, das jedoch mit vielen Unsicherheiten und Herausforderungen verbunden ist.

Die Autorin schafft es wieder einmal, die Schrecken der Zeit – geprägt vom Achtzigjährigen Krieg, von Armut, Seuchen und ständiger Angst – greifbar zu machen. Gleichzeitig verliert sie nie den Blick für das Menschliche. Zusammenhalt, Hoffnung und der Wunsch nach einem besseren Leben stehen immer im Vordergrund.

Besonders gut gefallen hat mir die Entwicklung von Eva. Sie wirkt stark, reflektiert und zugleich sehr nahbar. Man begleitet sie gerne auf ihrem Weg, leidet mit ihr und freut sich über ihre kleinen Erfolge. Auch die Einblicke in das Leben der einfachen Leute im Münsterland sind sehr authentisch und detailreich beschrieben, ohne trocken zu wirken.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und bildhaft, sodass ich schnell in die Geschichte eintauchen konnte. An einigen Stellen waren mir die politischen und historischen Ausführungen etwas zu ausführlich. Dennoch tragen sie zur Tiefe des Romans bei und zeugen von der intensiven Recherche der Autorin.

Fazit: Eine gelungene, emotionale und gut recherchierte Fortsetzung, die das Leben vergangener Zeiten lebendig werden lässt. Wer historische Romane mit starken Figuren und einem realistischen Hintergrund mag, wird auch diesen Band sehr gerne lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 22.03.2026

Zwischen Schicksal und Selbstbestimmung

Zweimal Karma und zurück
0

In „Zweimal Karma und zurück“ entführt Christiane Köhn-Ladenburger die Leserschaft in eine Geschichte, die auf sehr zugängliche Weise Spiritualität und persönliche Entwicklung miteinander verbindet. Schon ...

In „Zweimal Karma und zurück“ entführt Christiane Köhn-Ladenburger die Leserschaft in eine Geschichte, die auf sehr zugängliche Weise Spiritualität und persönliche Entwicklung miteinander verbindet. Schon der Einstieg in Indien mit der geheimnisvollen Palmblatt-Bibliothek sorgt für eine besondere Atmosphäre und macht neugierig auf das, was die beiden Protagonistinnen erwartet.

Im Mittelpunkt stehen Anne und Cathy, die unterschiedlicher kaum mit der Prophezeiung umgehen könnten. Während Anne lange an Ängsten und alten Mustern festhält, wagt Cathy einen mutigeren Blick nach vorn und versucht aktiv, ihr Leben zu verändern. Gerade dieser Kontrast hat mir beim Lesen besonders gut gefallen, da er zeigt, wie unterschiedlich Menschen mit Herausforderungen umgehen.

Die Kapitel wechseln zwischen den beiden Perspektiven, was die Geschichte lebendig hält und einen guten Einblick in ihre Gedanken und Entwicklungen gibt. Dabei gelingt es der Autorin, spirituelle Themen wie Karma, Schicksal und Selbstverantwortung so einzubinden, dass sie zum Nachdenken anregen, ohne belehrend zu wirken.

Besonders berührt hat mich die Botschaft des Buches, dass wir unserem Schicksal nicht einfach ausgeliefert sind, sondern immer auch die Möglichkeit haben, Entscheidungen zu treffen und neue Wege einzuschlagen. Diese Mischung aus Geschichte und Impulsen zur Selbstreflexion macht das Buch zu mehr als nur einer unterhaltsamen Lektüre.

Insgesamt ist „Zweimal Karma und zurück“ ein inspirierender Roman, der zeigt, wie wichtig Mut, Veränderung und der Glaube an sich selbst sind. Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und noch eine Weile nachklingt.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Gefangen im Sturm – und unter Verdacht

Stürmische Klippe
0

Mit Stürmische Klippe liefert Sabine Weiß den mittlerweile zehnten Fall für ihre Ermittlerin Liv Lammers – und dieser hat es in sich. Die Kulisse ist das herbstliche Sylt, genauer gesagt Rantum, wo eine ...

Mit Stürmische Klippe liefert Sabine Weiß den mittlerweile zehnten Fall für ihre Ermittlerin Liv Lammers – und dieser hat es in sich. Die Kulisse ist das herbstliche Sylt, genauer gesagt Rantum, wo eine ehemalige Ministerin zu einer brisanten Geburtstagsfeier geladen hat. Als ein Anschlag auf sie verübt wird, ist schnell klar: Der Täter muss aus dem engsten Kreis stammen.

Gemeinsam mit ihrer Chefin Hilke Hasselbrecht beginnt Liv Lammers, inoffiziell zu ermitteln – mitten unter Politikern, Wirtschaftsgrößen und Personal. Während draußen ein Sturm aufzieht, spitzt sich auch die Lage im Inneren der Villa immer weiter zu. Misstrauen, Geheimnisse und persönliche Verstrickungen sorgen dafür, dass die Leser ständig miträtseln.

Der Krimi punktet vor allem mit seiner dichten, fast schon beklemmenden Atmosphäre. Das Unwetter verstärkt die ohnehin schon angespannte Stimmung zusätzlich und sorgt dafür, dass man sich als Leser regelrecht mit in der Villa eingeschlossen fühlt. Auch die Vielzahl an Verdächtigen und die unterschiedlichen Handlungsstränge steigern die Spannung.

Allerdings wirkt die Handlung stellenweise etwas überladen. Neben dem Anschlag, einem weiteren Mordfall und den politischen Hintergründen spielt auch das Privatleben von Liv eine größere Rolle, was nicht immer ganz ausgewogen wirkt. Manche Entwicklungen hätten etwas mehr Tiefe vertragen, während andere schneller voranschreiten als erwartet.

Trotzdem ist „Stürmische Klippe“ ein unterhaltsamer und spannender Krimi, der vor allem durch seine besondere Kulisse und die vielschichtigen Figuren überzeugt. Fans der Reihe kommen hier definitiv auf ihre Kosten und auch Neueinsteiger finden gut in die Geschichte hinein.

Fazit: Ein atmosphärischer Sylt-Krimi mit viel Spannung und interessanten Figuren, bei dem es nur kleine Abzüge bei der Ausarbeitung der zahlreichen Handlungsstränge gibt.

Veröffentlicht am 05.03.2026

Windkraft, Machtspiele und ein Wettlauf gegen die Zeit

Anne Munk und der geraubte Wind
0

Mit „Der geraubte Wind” legt Ernest Nyborg einen hochaktuellen Krimi vor, der politische Intrigen mit einem brisanten Wirtschaftsthema verknüpft.

Ein führerloses Boot in der Bucht von Aarhus, ein toter ...

Mit „Der geraubte Wind” legt Ernest Nyborg einen hochaktuellen Krimi vor, der politische Intrigen mit einem brisanten Wirtschaftsthema verknüpft.

Ein führerloses Boot in der Bucht von Aarhus, ein toter Umweltsprecher der Liberalen Partei – und schnell wird klar: Hier geht es um mehr als nur ein persönliches Motiv. Ermittlerin Anne Munk vom NID Aarhus stößt auf ein Geflecht aus Macht, Geld und skrupellosen Interessen rund um die Vergabe von Offshore-Windparkflächen. Ein finnischer Energiekonzern, ein dänischer Finanzier und Milliardenbeträge stehen im Raum. Als zusätzlich eine Journalistin verschwindet, die zu illegalen Machenschaften recherchiert hat, nimmt der Fall rasant an Fahrt auf.

Der Einstieg in die Geschichte ist atmosphärisch dicht und spannend. Besonders gut gefällt mir die Verknüpfung eines klassischen Mordfalls mit wirtschaftspolitischen Hintergründen. Das Thema Windenergie wirkt dabei nicht konstruiert, sondern erschreckend realistisch. Nyborg zeichnet ein glaubwürdiges Bild von Konzernstrukturen, Lobbyarbeit und juristischen Winkelzügen.

Anne Munk ist eine starke, entschlossene Ermittlerin mit Gespür für Zusammenhänge. Sie handelt mutig und manchmal risikoreich, bleibt dabei aber stets nachvollziehbar. Die kurzen Kapitel und die klar strukturierte Erzählweise sorgen für ein angenehmes Lesetempo, während überraschende Wendungen die Spannung konstant hochhalten. Besonders die Szenen auf der abgewrackten Bohrinsel erzeugen eine beklemmende, fast filmreife Atmosphäre.

Ein spannender, zeitgemäßer Krimi über Korruption, Macht und die Schattenseiten der Energiewende, der packend erzählt ist und bis zum Schluss fesselt.