Cover-Bild Schwebende Lasten
(14)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
26,00
inkl. MwSt
  • Verlag: C.H.Beck
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 282
  • Ersterscheinung: 20.03.2025
  • ISBN: 9783406829734
Annett Gröschner

Schwebende Lasten

Roman
"Ein grandioser Roman, von schlichter Schönheit und zutiefst ergreifend." Julia Schoch

Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.

Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.

  • "In perfekter Balance zwischen lakonisch und herzzerreißend wird hier ein Leben in diesem fürchterlichen 20. Jahrhundert erzählt, Kriege und Verzweiflung, Liebe und Aufopferung, zarte Blumen und übermenschliche Kraft." Elke Heidenreich
  • "Lebensfülle, Wirklichkeitsfülle. Ein Dokument, authentisch, poetisch. Ein großer Wurf." Christa Wolf über Annett Gröschners "Walpurgistag"
  • Von der Autorin des SPIEGELBestsellers "Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat"
  • Vielfach ausgezeichnete Autorin
  • Mainzer Stadtschreiberin 2025: Literaturpreis von ZDF, 3sat und der Landeshauptstadt Mainz
  • Eine der wichtigsten Stimmen ihrer Generation

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.03.2025

Ein Denkmal für alle Frauen dieser Zeit

0

Seit die Mutter tot ist, wächst Hanna Krause mit ihrer Schwester Liese bei ihrer halben Schwester Rose auf. Rose und die andere halbe Schwester Magarete sind deutlich älter. Deren Vater ist schon lange ...

Seit die Mutter tot ist, wächst Hanna Krause mit ihrer Schwester Liese bei ihrer halben Schwester Rose auf. Rose und die andere halbe Schwester Magarete sind deutlich älter. Deren Vater ist schon lange verstorben. Die Mutter hat dann wieder geheiratet, aber der Mann, den alle hinter vorgehaltener Hand Polacke nennen, ist zeitnah abgehauen. Auch Liesa und Hanna wurden von den Nachbarskindern Polackinnen gerufen und durften nicht mitspielen. Hanna kann sich kaum an die Mutter erinnern, sie war erst vier, als sie zu Boden stürzte und nicht wieder aufstand.

Die Magarete hat als Dienstmädchen bei dem Sauerkrautmogul gearbeitet. Der einzige Sohn Heinrich, heiratete sie dann. Weil Magarete kinderlos blieb, begann sie ein Verhältnis mit ihrem Gynäkologen. Die Rose hat einen Blumenladen gleich neben der Entbindungsstation, das ist wie ein Fünfer im Lotto. Hanna kümmert sich um Hund Harald, den sie Gurke nennt, der Kinderersatz für Rose und Walter, den findigen Herrenausstatter.

Hanna lernte Karl kennen, als sie Magarete in Magdeburg besuchte. Er war Versicherungsvertreter, führte Hanna zum Tanzen aus und machte schöne Augen. Zurück in Roses Blumenladen riet die ihr von Karl ab, aber der ließ nicht locker. Hanna wurde Mutter eines Jungen und heiratete Karl. 1933 eröffnete sie im Knattergebirge einen kleinen Blumenladen. Die Nachbarschaft bestand aus Luden und Dieben. Karl verlor seine Arbeit und wurde ihr Gehilfe, obwohl sie ihn nie so genannt hätte. Sie hatte im Garten von Karls Eltern Schnittblumen für ihre Sträuße gepflanzt und die holte Karl ihr bei Bedarf.

Fazit: Annett Gröschner erzählt das Leben ihrer Protagonistin und ich lausche ihr, als würde sie aus dem Nähkästchen plaudern. Ich bin mitten drin in Hannas Leben und in meinem Kopf entsteht eine Bilderflut. Ich stelle mir vor, dass Hanna eine Frau von so vielen ist, die das gleiche oder ein ähnliches Schicksal teilen. Der erste Weltkrieg, der den Frauen Männer und Söhne entriss, der zweite Weltkrieg, der mit enormer Zerstörungswut ausgetragen wurde und ganze Städte zerstörte, wie selbstverständlich, mit Phosphatbomben, Luftminen und Sprengbomben. Dazwischen ein wenig leben in einer Zeit kurz nach der Industrialisierung und Ausbeutung der Arbeiter. Wie Hanna versuchte etwas auf die Beine zu stellen, um ihre Familie zu versorgen, alles verlor und wieder von vorne begann. Wie sie ihre Mädchen vor den alliierten Soldaten schützte und sich mit ihrem trinkenden Mann arrangierte. Sie schluckte ihre, durch Verluste entstandenen Traumen hinunter und erfand sich neu. Die Autorin hat mit dieser Geschichte allen Frauen dieser Zeiten ein Denkmal gesetzt. Was mich nach dem Lesen tief bewegte, war, wie Hanna ihr Leben lang kämpfte und stets das Beste draus machte und am Ende geht sie, verschwindet, als hätte es sie nie gegeben. Was für ein würdiges Zeitzeugnis! Mögen wir diese Frauen (meine und eure Omas) nicht vergessen und sie für ihre Kraft in Ehren halten. Leute, lest es.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.03.2025

Ein Leben (nicht nur) in Blumen

0

Hanna Krause ist Magdeburgerin, 1913 geboren und hat fast ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht. Früh zur Waisen geworden wurde sie von ihren deutlich älteren Halbschwestern groß gezogen - ihre Kindheit ...

Hanna Krause ist Magdeburgerin, 1913 geboren und hat fast ihr ganzes Leben in der Stadt verbracht. Früh zur Waisen geworden wurde sie von ihren deutlich älteren Halbschwestern groß gezogen - ihre Kindheit und Jugend spielte sich vor allem in einem Blumenladen, den die in Magdeburg verbliebene Schwester bewirtschaftete, ab.

Später heiratete sie Karl, der ihretwegen nach Berlin fuhr und ihr einen Heiratsantrag machte - und einen Blumenladen in Magdeburg versprach. Sie wurde Mutter von fünf Kindern, musste bald erkennen, dass sie mit einem Trinker verheiratet war, liebte aber ihr Leben inmitten von Blumen. Sie erlebte den Zweiten Weltkrieg, die gesamte DDR-Zeit und noch ein paar Jahre mehr.

Ich konnte diesen faszinierenden Roman von Annett Gröschner nicht aus der Hand legen - auf weniger als 300 Seiten vermag sie vor uns Leser*innen nicht nur das Schicksal von Hanna Krause, sondern auch das der Stadt Magdeburg im 20. Jahrhundert auszubreiten. In wenigen Worten, doch keinesfalls lakonisch vermag sie es, ganze Leben vor uns auszubreiten. Ich habe mit Hanna gebangt, gehofft, gelacht, geweint, mich über ihren Mann geärgert und die Kinder betüddelt.

Ein solch akzentuierter Stil, eine derart lebendige Sprache sind mir lange nicht mehr begegnet und ich hoffe, dass dieser Roman entsprechend gewürdigt und mit Preisen überhäuft wird!

Veröffentlicht am 21.03.2025

Berlin im letzten Jahrhundert

0



Das Cover hat mich nicht angesprochen, aber der Klappentext um so mehr.
An den Vater kann sich Hanna gar nicht erinnern, die Mutter starb, als sie vier war.
Nach dem Tod der Mutter wird Hanna und ...



Das Cover hat mich nicht angesprochen, aber der Klappentext um so mehr.
An den Vater kann sich Hanna gar nicht erinnern, die Mutter starb, als sie vier war.
Nach dem Tod der Mutter wird Hanna und ihre Schwester Liese von der Halbschwester Rose aufgezogen. Es gibt noch eine Halbschwester Margarethe.
Rose hat einen Blumenladen und Hanna liebt es, Blumen zu binden, Sträuße zusammen zu stellen und es tut ihr sehr leid, dass sie den Blumenladen im Krieg aufgeben muss. Aber ihre Liebe zu Blumen bleibt und später als sie ausgebombt wurden, schafft sie es noch, kleine Blumen in die Behelfswohnung zu stellen.
Sie heiratet, bekommt Kinder, lässt mehrere abtreiben, weil sie es einfach nicht mehr schafft, noch mehr Kinder durch zu bringen, zumal ihr Mann mit einem Bein aus dem Krieg zurück kam und ihr mehr Belastung als Hilfe ist. Relativ emotionslos wird Hannas Geschichte erzählt. Mich hat das Buch sehr berührt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2025

Blumen und Krane

0

Erzählt wird die beeindruckende Vita von Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause.
Annett Gröschner beschreibt den Lebenslauf chronologisch, genau, bezieht Magdeburger und Berliner Lokalkolorit ...

Erzählt wird die beeindruckende Vita von Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause.
Annett Gröschner beschreibt den Lebenslauf chronologisch, genau, bezieht Magdeburger und Berliner Lokalkolorit mit ein. Kindheit und Jugend sind schwer, als von ihrer Halbschwester Aufgezogene erlebt Hanna kaum Liebe, erfährt keine Anerkennung. Mit 25 Jahren ist sie das sechste Mal schwanger.
Ihr Leben ist geprägt von Armut, Kummer, Wechsel. All das bewältigt Hanna klaglos.
Stets sieht sie nach vorn, beißt sich durch. Das ist sehr echt beschrieben, glaubhaft, selbst winzigste Details werden einbezogen, ohne dass es langweilig wird. Hanna wirkt authentisch. Eine beeindruckende Lebensgeschichte einer starken Frau, die trotz vieler Schicksalsschläge nie aufgibt, für sich und andere da ist.
Liest sich sehr gut, nur die kapiteleinleitenden Sachtexte zu Blumen und Kleintiere störten mich dann doch.
Sehr zu empfehlen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2025

Ein Leben voller Lasten - schwebend erzählt

0

"Schwebende Lasten" ist ein Roman, durch den dank des stimmungsvollen Schreibstils der Autorin nur so schwebt, auch wenn sich das Schweben mehr auf den Beruf der Hanna Krause als Kranführerin in der DDR ...

"Schwebende Lasten" ist ein Roman, durch den dank des stimmungsvollen Schreibstils der Autorin nur so schwebt, auch wenn sich das Schweben mehr auf den Beruf der Hanna Krause als Kranführerin in der DDR bezieht.
Bevor sie jedoch Kranführerin wurde, war sie Blumenbinderin und passend dazu sind am Anfang jedes Kapitels kurze Beschreibungen von verschiedenen Blumensorten zu finden, die den Ton für den folgenden Abschnitt setzen.

Ebenso wie man durch die Seiten schwebt, schwebt man durch Jahrzehnte ereignisreicher deutscher Geschichte sowie das Leben voller Höhen und Tiefen von Hanna Krause. Besonders die Kriegsjahre bleiben hier in Erinnerung.
Auf den knapp 280 Seiten entsteht so nach und nach ein vielschichtiges Bild von Hanna Krause, als eine Frau, die unbeirrt ihren Weg geht und sich unter Männern behaupten weiß.

Zum Ende hin verliert der Roman zwar leider etwas an Tiefe und verweilt mehr an der Oberfläche als in das Innenleben und ihre Zeit in der DDR einzutauchen, seine Ausdrucksstärke behält er aber bei.

"Schwebende Lasten" ist somit alles in allem ein unaufgeregt erzählter Roman, der ein starkes Porträt über eine Frau, die ihren Weg finden musste, mit Lasten unterschiedlicher Art in ihrem Leben klarzukommen vor dem Panorama gesellschaftlicher und zeitgeschichtlicher Veränderungen, entwirft.
Die Autorin schafft es hierbei, nah an ihrer Protagonistin zu sein und so den Lesenden das Gefühl zu vermitteln, direkt vor Ort zu sein.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere