Dass die Kurzbeschreibung dem Inhalt nicht annähernd gerecht werden würde, hätte auch ich vorher nicht vermutet. Doch hat dieser Trilogie-Auftakt eingeschlagen wie eine Bombe. Doch Fantasy-Bücher gibt es viele, was also macht Grischa so besonders?
Meine erste Skepsis im Fantasy-Genre liegt bei Eigennamen, denn wie schnell man den Überblick verlieren kann ist geneigten Lesern sicherlich bewusst. Doch in diesem Buch gibt es gleich zu Anfang zwei Hilfestellungen und auf den zweiten Blick ist alles gleich viel Einfacher. Schon der Begriff Grischa ist ein
Eigenname der Geschichte und beschreibt eine Personengruppe magiebegabter Menschen dieser alten russischen Welt. In den Namen spiegelt sich auch die Ansiedlung des Geschehens wieder, doch keine Angst, das ist alles recht einfach zu verstehen. Gleich zu Beginn des Buches trifft der Leser unter anderem also auf eine Aufgliederung der Grischa, welche beispielsweise in Korporalki (wie im Wort "Korpus"), Materialki ("Material") oder Ätheralki ("Äther") unterteilt sind. Die Namen selbst verraten also schon sehr viel und ich persönlich fand es sehr hilfreich und einprägsam. Wer am Anfang dennoch Probleme damit hat, kann immer wieder zurück blättern und nachsehen, das ist gar kein Problem. Wie allerdings auch in anderen High Fantasy-Romanen gibt es auch Eigenennamen bezüglich der Städte, doch auch hier bekommt der Leser Hilfestellung durch eine sehr einprägsame und einschlägig gestaltete Karte. Ich selbst musste nur noch einmal zwischendrin nachsehen, weil ich mir nicht ganz sicher war wo ein bestimmtes Gebiet liegt.
Und dann eröffnet Leigh Bardugo dem Leser eine ganz eigene, magiebehaftete Welt voller Überraschungen. Und während wir Alina auf ihrem Weg begleiten, lernen wir das Leben dort kennen und tauchen vollends in die Geschichte ab.
Um Alina zu erklären darf auch ihr bester Freund aus Kindertagen nicht fehlen, Maljen. Sie beide sind als Weisen aufgewachsen und hängen zusammen wie Pech und Schwefel. Einzig das Erwachsenwerden bereitet ihrem Zusammenhalt ab und zu schwierigkeiten, doch sind sie füreinander Freunde, Familie und Heimat in einem. Alina selbst fühlt sich nur bei Maljen zugehörig und gemeinsam traten sie der ersten Armee des Zaren bei, bis eine Reise ins Ungewisse alles veränderte! Wenn du die Magie der Grischa in dir trägst, wirst du in den kleinen Künsten unterrichtet. So viel ist jedem klar und so wie einige zu den Grischa aufsehen, verachten sie andere und verspotten sie als Hexen und Hexer. Doch die Grischa sind mehr, einige mächtiger als andere und Alina steckt ebenplötzlich mittendrin. Allein. Ihre doch recht starke Persönlichkeit wird von Vermissen getrübt und doch hat sie keine andere Wahl als plötzlich dem Druck der Gesellschaft Folge zu leisten. Und dem Dunklen - einem der mächtigsten - zu dienen.
Wo Alina das Mitgefühl des Lesers weckt und in einer emotionalen Achterbahn steckt, bekommt der Dunkle in ihrem Leben immer mehr Raum und
Maljen rückt an den Rand. Enttäuschung und Wut machen Alina das Leben bei den Grischa nicht gerade einfacher, doch der Dunkle scheint sie zu verstehen und wirkt eine machtvolle Anziehungskraft auf sie aus, ebenso wie auf jeden anderen Menschen. Doch sein Interesse gilt scheinbar alleine ihr. Ob das gut ist? Oder schlecht? Und während Alina mit Kopf, Herz und Bauchgefühl ringt, scheint sich niemand außer mir zu fragen, ob der Dunkle eigentlich keinen richtigen Namen hat. Ernsthaft. Niemand sagt ihn, niemand weiß ihn. Der geheimnissvolle, machtvolle Mann ist einfach der Dunkle. Punkt. Wer jetzt von meiner Beschreibung her vielleicht mit einer Dreiecksbeziehung oder dergleichen rechnet, der sei beschwichtigt. Nein. Das ist es nicht, es ist viel interessanter, verstrickter. Mit mehr Intriegen und Lügen. Verstrickt mit so vielen von Alinas Emotionen, dass man einfach nicht anders kann als gebannt der Geschichte zu folgen.
Grischa ist eine Geschichte voller Wunder und Überraschungen. Keine Buntmalerei und dennoch unglaublich fesselnd. Alinas Leben nimmt so viele Wendungen und sobald man denkt sie haben ihren Weg gefunden, schlägt sie eine neue Richtung ein. Ein stetiger Wandel. Ich bin absolut begeistert und hoffe darauf, dass es so oder sogar noch besser weiter geht.