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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.06.2021

George Orwells Klassiker liest sich wie eine aktuelle Dystopie.

1984
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Beschreibung

Winston Smith arbeitet im Ministerium für Wahrheit und schreibt täglich die Vergangenheit zugunsten der Regierung um. Die Partei beherrscht die Menschen durch ein totalitäres System und eine ...

Beschreibung

Winston Smith arbeitet im Ministerium für Wahrheit und schreibt täglich die Vergangenheit zugunsten der Regierung um. Die Partei beherrscht die Menschen durch ein totalitäres System und eine engmaschige Überwachung durch technische Bildschirme. Sogar die Beziehungen und Ehen sind in diesem Überwachungsstaat strengstens geregelt, Liebe ist sogar verboten. In Winston regt sich zunehmend der Widerstand als er sich verliebt und sich nichts mehr wünscht, als frei zu sein.

Meine Meinung

George Orwell zählt zu den Wegbereitern der dystopischen Science-Fiction und sein weltberühmtes Werk »1984« wurde mehrfach verlegt, sodass man eine große Auswahl an Ausgaben zur Verfügung hat. Im dtv Verlag ist der Klassiker nun in einer Neuübersetzung von Lutz-W. Wolff und mit einem Vorwort von Robert Habeck erschienen. Eine gute Gelegenheit um zu dieser Lektüre zu greifen, sollte man dies, wie ich, noch nicht getan haben.

Mit »1984« hat George Orwell einen gesellschaftskritischen Roman hervorgebracht, der von einem Überwachungsstaat durch eine Partei-Diktatur geprägt ist und Begrifflichkeiten wie »Big Brother is watching you« etablierte, die längst in unsere Popkultur eingegangen sind. Die drei Grundpfeiler der Regierung bauen auf der Bequemlichkeit der Menschheit auf und lauten:

KRIEG IST FRIEDEN
FREIHEIT IST SKLAVEREI
UNWISSENHEIT IST STÄRKE

Die Konstruktion der Gesellschaft und die gesetzlichen Regelungen sind gefüllt mit fiktiven Fachausdrücken wie z. B. NeuSprech, UnDenk, IngSoc, um nur einige zu nennen, deren Bedeutungen im Anhang aufgeschlüsselt sind. Dies verleiht dem Gelesenen noch einmal eine erschreckende Tiefe.

Bei einer Erstveröffentlichung des Romans im Jahre 1949 lassen sich in Orwells Geschichte durchaus zeitliche Aspekte wiedererkennen, doch der technische Fortschritt machen die Geschichte auch zu einem brandaktuellen Lesestoff. Was passiert, wenn den Menschen jegliche Entscheidungen abgenommen werden, sie nicht mehr selbst denken müssen?

Winston Smith, der Hauptprotagonist des Romans, ist ein gewöhnlicher Bürger, der seiner Arbeit im Ministerium für Wahrheit nachgeht und längst von seiner Frau getrennt lebt, für die er nichts empfindet. An ihm nagen Zweifel, denn er fühlt sich schon lange nicht mehr Wohl in seinem beengten und fremdbestimmten Leben.

Die Partei macht sich nämlich auch den Sexualtrieb zunutze, denn sie sieht darin eine direkte Verbindung zwischen Keuschheit und Fanatismus. Indem es nur gestattet wird mit einem Ehepartner, den man auf keinen Fall lieben darf, zu verkehren, wird die Stimmung auf dem Siedepunkt gehalten. Ein Tête-à-Tête von Verliebten wird zum Akt der Rebellion.

Als sich Winston verliebt und zum ersten Mal die Luft von Freiheit schnuppert, lässt er sich zusammen mit seiner Geliebten Julia auf ein immer gefährlicher werdendes Spiel ein. Sie brechen die starren Vorschriften des Regimes und ahnen nicht, dass sie längst unter Beobachtung stehen.

George Orwell hat mir mit dieser Geschichte wahrlich eine Gänsehaut beschert, denn sein Roman fühlt sich furchterregend realistisch an. Perfekt eingefangen wird diese Stimmung in der ungekürzten Hörbuch-Ausgabe, in der Christoph Maria Herbst in die Rolle des Winston schlüpft und die Zuhörer*innen auf eine alptraumhafte Reise mitnimmt.

Fazit

George Orwells Klassiker liest sich wie eine aktuelle Dystopie. Sehr lesenswert – wer die Geschichte noch nicht kennt, sollte dies unbedingt nachholen!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 20.03.2021

Veröffentlicht am 15.06.2021

Ein brillant illustrierter zweiter Band,

Schloss der Tiere. Band 2
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Meine Meinung

Die Comic-Serie »Schloss der Tiere« konnte mich schon im ersten Band »Miss Bengalore« mit den intensiven Illustrationen von Félix Delep in den Bann ziehen. Parallelen zu George Orwells Klassiker ...

Meine Meinung

Die Comic-Serie »Schloss der Tiere« konnte mich schon im ersten Band »Miss Bengalore« mit den intensiven Illustrationen von Félix Delep in den Bann ziehen. Parallelen zu George Orwells Klassiker »Farm der Tiere« sind zwar offenkundig vorhanden, doch versteht es Xavier Dorison der Geschichte eine völlig andere Wendung zu geben.

Im Gegensatz zu den Tieren in Orwells Klassiker, regt sich in Dorisons Erzählung Widerstand gegen die beherrschende Machtherrschaft des Stieres Silvio und seiner Wachhunde. Der zweite Band »Margeriten im Winter« nimmt eine friedliche Revolution der Tiere, angeführt durch die Katzendame Miss Bengalore in den Fokus.

Die harte Arbeit sowie die zusätzlichen freien Stunden, die die Tiere mit dem Sammeln von Feuerholz verbringen, treiben sie an ihre körperlichen Grenzen. Die größte Ungerechtigkeit ist jedoch, dass sie das selbst gesammelte Holz auch noch von ihrem geringen und hart verdienten Lohn bezahlen sollen. Miss Bengalore ruft zur friedlichen Revolution gegen das diktatorische Regime auf und verlangt kostenloses Feuerholz für alle Tiere. Immer mehr Tiere verweigern Silvio den Abkauf »seines« Holzes und werden zunehmend zu einem Problem, denn sie gefährden seine Machtposition.

Obwohl die Comic-Serie »Schloss der Tiere« recht viel Text beinhaltet, kann man dem Storyverlauf auch als Comic-Einsteiger leicht folgen. Die ausdrucksstarken und wunderschönen Illustrationen von Félix Delep tragen ihr Übriges dazu bei, um die Geschichte zu einem fesselnden Leseerlebnis zu gestalten.

Ich kann mich gar nicht sattsehen an den schwungvollen Tierzeichnungen, denen so viel Menschliches innewohnt und freue mich unheimlich auf die nächste Ausgabe.

Fazit

Ein brillant illustrierter zweiter Band, den man sich alleine schon aufgrund der eindrucksvollen Bilder nicht entgehen lassen darf!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 19.03.2021

Veröffentlicht am 11.06.2021

Verschmitzt, offen und selbstbewusst wird hier die Sexualität und Lust von Frauen präsentiert.

Small Favors – Kleine Gefälligkeiten
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Meine Meinung

Bereits Anfang der 2000er veröffentlichte die amerikanische Zeichnerin Colleen Coover ihre ersten erotischen Comic-Strips unter dem Titel »Small Favors«, diese wurden nun vom Cross Cult ...

Meine Meinung

Bereits Anfang der 2000er veröffentlichte die amerikanische Zeichnerin Colleen Coover ihre ersten erotischen Comic-Strips unter dem Titel »Small Favors«, diese wurden nun vom Cross Cult Verlag in einer Gesamtausgabe neu aufgelegt.

»Small Favors – Kleine Gefälligkeiten« versammelt kurze Episoden aus dem Leben der einundzwanzigjährigen Annie, die lose zusammenhängen, und das Augenmerk darauf ausrichten die schambehaftete Lust von jungen Frauen auf humorvolle und befreite Art und Weise zu erleben. Während die Selbstbefriedigung bei pubertierenden Jungs als etwas ganz normales wahrgenommen wird, ist es beim weiblichen Geschlecht etwas, über das nur unter vorgehaltener Hand getuschelt wird.

Diesem Umstand steuert Coover mit ihrem Comic entgegen – denn warum sollten sich Frauen für ihr Verlangen schämen – und dafür hat sie sich eine spaßige Rahmenhandlung erdacht, denn Annie hat ein Problem, sie liebt es zu Masturbieren und frönt dieser Leidenschaft ausgiebig. Das ruft die Königin ihres Gewissens auf den Plan, welche ihr weitere Handlungen der sexuellen Selbstbefriedigung verbietet und sie dazu aufruft ihre Lust im Zaum zu halten. Als Anstandsdame stellt sie Annie die kleine Wächterin Nibbil zur Seite, jedoch ahnt die Königin da noch nicht, dass Nibbil genau die Gespielin ist auf die Annie gewartet hat.

Annie und Nibbil leben gemeinsam die unterschiedlichsten Fantasien aus, es geht heiß her und im weiteren Verlauf gesellen sich auch noch mehr Frauen hinzu. Der freche Mädchencharme geht bei den fantasievollen Sex-Spielchen jedoch nicht verlorenen und besonders das Augenzwinkern, mit dem Coover die Story präsentiert, sorgt für unterhaltsamen Lesespaß!

Colleen Coover richtet sich mit ihren lesbischen Comic-Strips in erster Linie an Frauen und leistet einen Beitrag, den Umgang mit weiblicher Lust und Masturbation aus der dunklen Ecke der Verschwiegenheit herauszuholen. Dennoch kann der Band auch für Männer interessant sein, da die weibliche Sexualität hier mal ganz abseits des typisch pornografischen Männer-Blickwinkels dargestellt wird.

Fazit

Die gesammelten sexy Frauen-Comic-Strips von Colleen Coover. Verschmitzt, offen und selbstbewusst wird hier die Sexualität und Lust von Frauen präsentiert.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 18.03.2021

Veröffentlicht am 11.06.2021

Ein episches Meisterwerk!

Siegfried Gesamtausgabe (Graphic Novel)
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Meine Meinung

Die zwischen 2008 und 2012 erschienen drei Bände der alten germanischen Sage um Siegfried den Drachentöter, die Nibelungen, die Walküren und Götter der nordischen Mythologie wurden in einer ...

Meine Meinung

Die zwischen 2008 und 2012 erschienen drei Bände der alten germanischen Sage um Siegfried den Drachentöter, die Nibelungen, die Walküren und Götter der nordischen Mythologie wurden in einer prachtvollen Gesamtausgabe im Splitter Verlag neu aufgelegt. In seiner Interpretation des Legendenstoffes nimmt sich Alex Alice Richard Wagners »Ring der Nibelungen« zum Vorbild und so lässt sich der Comic auch wunderbar mit dieser musikalischen Untermalung genießen.

Im ersten Band »Siegfried« erzählt Alex Alice vom Tod von Siegfrieds Eltern, welche Rolle Odin dabei einnahm und wie Siegfried schließlich in die Obhut des Nibelungen-Schmiedes Mime kam. Einige der eindrucksvoll gestalteten Seiten kommen dabei ganz ohne Text aus und erzeugen dennoch eine tiefgehende Atmosphäre die für Gänsehautmomente sorgt. Eingebettet wird die Geschichte von einer Rahmenhandlung über eine Walküre, die sich in der Höhle einer Hexe befindet.

Der zweite Band »Die Walküre« bezieht verstärkt die Rahmenhandlung über Odins Tochter, einer Walküre, ein. Diese möchte Siegfried bei der Erfüllung bzw. auf dem Weg zu seiner Bestimmung behilflich sein, obwohl ihr dies strengstens untersagt wurde. Um zu erfahren, ob Siegfried wirklich den mächtigen Drachen Fafnir bezwingen kann wendet diese sich an die Hexe Völva, um mehr über die Zukunft des Jungen zu erfahren.

Über eine ganze Seite erstreckt sich der aufsehenerregende Moment als Odin seine zwei Raben »Gedanke« und »Erinnerung« auf die Suche nach seiner Tochter ausschickt, um sie von ihrem schicksalshaften Vorhaben abzuhalten.

Sehr spannend fand ich vor allen Dingen wie Alex Alice die Informationen über das Volk der Nibelungen und die Entstehung des Drachen Fafnir präsentiert. Denn Alice durchbricht klassische Panel-Seiten immer wieder mit aufregenden Splash-Pages, an denen man sich nicht sattsehen kann und die einen wichtigen Bestandteil der Geschichte ausmachen. Auf diese Weise lässt sich das Geschehene im Zusammenhang mit den Hintergründen einordnen.

Die Nibelungensage hat etwas Erdrückendes und Düsteres an sich, genau wie Richard Wagner dies in seiner melancholischen Opernmusik einfängt, gelingt es auch Alex Alice diese Stimmung in seiner Comicadaption durch Blautöne und effektvolle Schattierungen einzufangen. Alice ist es zudem gelungen der Geschichte einen moderneren Touch zu verleihen und im Zusammenspiel von Mime und Siegfried humorvolle Szenen, die dem schweren Sagenstoff eine gewisse Leichtigkeit verleiht, einfließen zu lassen.

Der dritter Band »Götterdämmerung« läutet den epischen Showdown der Sage ein, Siegfried und Mime sind am Ziel ihrer Reise angelangt und nach seinem erbitterten Kampf gegen den Drachen Fafnir muss sich Siegfried schließlich auch noch Odin selbst stellen.

Mime mit seiner mürrischen und eigenbrötlerischen Art ist mir im Verlauf der Story zusehends ans Herz gewachsen, da er einen Kontrast zu unserem wagemutigen Titelhelden und das Drama um Macht, Liebe und Leben abgibt.

Alex Alice glänzt hier besonders mit großformatigen kunstvollen Illustrationen über eine oder gar zwei Seiten, die diesen krönenden Abschluss unterstreichen.

Das Gesamtpaket von »Siegfried« überzeugt mit hochwertigen Illustrationen, einem atmosphärischen Farbenspiel in Blau-, Grün- und Orangetönen und einem fesselnden Erzählstil. Ein optisches wie erzählerisches Highlight, das alten Sagenstoff in ein frisches Format bringt.

Fazit

Die Sage von Siegfried dem Drachentöter eingefangen in einem kompakten Comic und den zauberhaften Bildern von Alex Alice. Ein episches Meisterwerk!

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 17.03.2021

Veröffentlicht am 11.06.2021

Ein wundervolles Fantasy-Abenteuer, dass durch seinen unterschätzten Helden und einzigartigen Charme auf ganzer Linie überzeugt.

Aldobrando
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Meine Meinung

Dies ist mein erster Comic des französischen Szenaristen Gian Alfonso Pacinotti (kurz »Gipi«) und ich kann schon vorwegnehmen, dass mich seine Erzählkunst überaus begeistert hat. In »Aldobrando« ...

Meine Meinung

Dies ist mein erster Comic des französischen Szenaristen Gian Alfonso Pacinotti (kurz »Gipi«) und ich kann schon vorwegnehmen, dass mich seine Erzählkunst überaus begeistert hat. In »Aldobrando« vereint Gipi Zutaten eines Fantasy-Märchens wie man sie zum Beispiel auch in William Goldmans »Die Brautprinzessin« findet, und kreiert daraus eine fesselnde Abenteuergeschichte mit ungewissem Ausgang.

Der Titelheld ist ein etwas dümmlicher und schwächlicher Waisenknabe, dessen Gliedmaßen Spinnenbeinen ähneln und der von einem Zauberer aufgenommen wurde, bis dieser beim Brauen eines Trankes von einer Katze verletzt wird und den Stubenhocker Aldobrando hinaus in die Welt schickt, um das heilende Wolfskraut aufzutreiben. Auf seinem Weg begegnet er einem gerissenen Hochstapler, einer wunderschönen und herzzerreißend traurigen Prinzessin, einem fettleibigen König, einem fast schon übernatürlich starken Menschentöter und natürlich auch einem hinterlistigen Ränkeschmied am Königshof.

Obwohl Gipi mit seiner Geschichte das Fantasy-Rad nicht neu erfunden hat, kann er in »Aldobrando« mit seinen trefflichen Figuren, unerwarteten Wendungen und einem passgenauen Tempo aus Action und Spannung das Blatt für sich herumreißen! Zudem bin ich mir sicher, dass die Geschichte auch bei mehrmaligem Lesegenuss noch einige Details offenbaren wird, die beim ersten Lesen im Verborgenen geblieben sind.

»Aldobrando« hat sich vor allen Dingen durch seinen gleichnamigen Underdog-Helden in mein Herz gebrannt, denn ab der ersten Seite fiebert man mit dem armen Waisenknaben mit und hofft auf ein gnädiges Schicksal für ihn, als den letzten seines Geschlechts. Trotz seiner Naivität und geringer Intelligenz ist Aldobrando nicht ganz auf den Kopf gefallen und hat vor allen Dingen ein ausgeprägtes Verbundenheitsgefühl gegenüber seines Zauberer-Ziehvaters, dass ihn durch die schrecklichsten Situationen begleitet und ihn trotz einiger Schlenker nicht vom Weg abkommen lässt.

Die Zeichnungen von Luigi Critone haben eine herrlich schwungvolle Linienführung und fangen actionreiche Szenen genauso hervorragend ein, wie die etwas ruhigeren Momentaufnahmen. Atmosphäre wird den Bildern von der brillanten Kolorierung von Francesco Daniele und Claudia Palescandolo eingehaucht, die immer perfekt auf die jeweiligen Panels, egal ob weiße Schneelandschaft, Kerker, Zauberhütte, Kampfarena oder eine Waldlichtung abgestimmt ist.

Fazit

Ein wundervolles Fantasy-Abenteuer, dass durch seinen unterschätzten Helden und einzigartigen Charme auf ganzer Linie überzeugt.

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© Bellas Wonderworld; Rezension vom 16.03.2021