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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2019

spannend und absolut mitreißend

ENDGAME Buch 1
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„Er ist wie ein Puppenspieler, der mich immer schneller bewegt, bis ich auseinanderfalle.“ (Avery in Endgame 1)

Worum geht’s?
Avery hatte alles – einen tollen Freund, einen liebevollen Vater, ein großes ...

„Er ist wie ein Puppenspieler, der mich immer schneller bewegt, bis ich auseinanderfalle.“ (Avery in Endgame 1)

Worum geht’s?
Avery hatte alles – einen tollen Freund, einen liebevollen Vater, ein großes Vermögen, einen Platz an einer Top-Uni. Doch dann verlor sie alles durch einen Skandal ihres Vaters. Was blieb, war ein Haufen Rechnungen, ein schwerverletzter und pflegebedürftiger Vater und jede Menge Schulden. Und so entschied sich Avery, in einem berüchtigten Herrenclub um ein Darlehen zu bitten. Statt eines Darlehens wollte man sie, besser noch ihre Jungfräulichkeit, versteigern. Doch Avery ahnt nicht, auf welch ein Spiel sie sich einlässt…

Endgame – Der Bauer ist Band 1 einer dreiteiligen Reihe und ist nicht in sich geschlossen.

Schreibstil / Gestaltung
Das schlichte Cover ist in schwarz-weiß gehalten mit roten Highlights. Es passt ganz gut zum Buch, ist angenehm zurückhaltend und gibt wenig Hinweis auf den Inhalt. Die Geschichte wird ausschließlich aus Sicht von Avery in der Ich-Perspektive und ist linear aufgebaut. Das Buch lässt sich sehr gut und schnell lesen, es ist flüssig und verständlich geschrieben. Das sprachliche Niveau ist normal, es ist weder vulgär geschrieben noch mit Kraftausdrücken gespickt.

Mein Fazit

Schachmatt. So habe ich mich gefühlt, als ich die letzte Seite gelesen habe. Über drei Stunden komplett in einem Rutsch habe ich das Buch gelesen und am Ende hat es mich einfach schachmatt gesetzt.

Nach einem kurzen Prolog mit einem Einblick in Averys „altes Leben“ startet die Geschichte unmittelbar mit dem Aufeinandertreffen von Avery und einigen Männern im Herrenclub, unter anderem Gabriel Miller, dem männlichen Protagonisten des Buches, Avery benötigt verdammt viel Geld und möchte eigentlich um ein Darlehen ersuchen, was ihr die Männer verweigern. Als Gegenvorschlag unterbreitet ihr Gabriel allerdings die Möglichkeit, sich selbst zu versteigern. Anfangs noch abgeneigt, stellt sie schnell fest, dass es ihre vielleicht einzige Chance ist. Und so stimmt sie zu. Der Weg zu der Entscheidung, die Begleitumstände und ihre Beweggründe sind dabei sehr gut und nachvollziehbar dargestellt, dass man sogar so eine heftige Entscheidung nachvollziehen kann. Immer wieder kommt dabei auch das Thema Jungfräulichkeit auf, wobei beim Leser der Eindruck entsteht, dass Avery Angst vor Sex hat. Wieso – das erfährt man erst im Laufe des Buches.

An sich ist die Idee hinter der Geschichte natürlich nicht neu. Armes Mädchen braucht Geld, verkauft sich, landet bei einem reichen Mann, hat verdammt viel Sex und wahlweise zerbricht oder verliebt sich. Bei diesem Buch war ich mir lange unsicher, in welche Richtung es gehen wird. Wird es ein regelrechter Sexroman? Die Antwort lautet: Nein. Bei Endgame steht zwar das Thema im Vordergrund, dass Avery sich verkauft und was der Käufer von ihr will. Der Erotikanteil an diesem Buch ist allerdings sehr niedrig, es gibt sehr wenige, kurze Erotikszenen, die aber sehr niveauvoll und ansprechend verpackt werden. Denn eigentlich steckt viel mehr hinter der Story.

Und so erfährt der Leser Seite für Seite gemeinsam mit Avery zahlreiche Geheimnisse über ihren Vater, über Gabriel Miller und ihr altes Leben, muss mit ansehen, wie Averys Leben immer weiter aus den Fugen gerät und ihr Weltbild stückchenweise demontiert wird. Es ist wie ein Sog, den das Buch ausübt. Man möchte weiterlesen, man möchte mehr erfahren über die Geschehnisse, die zu Averys Verzweiflungstat geführt haben, aber vor allem auch über Gabriel Miller und seine Rolle in diesem ganzen Spiel. Denn Spiel trifft es sehr gut: Je weiter man liest, desto mehr beschleicht einen das Gefühl, dass hier ein sehr perfides, perfekt geplantes, hoch strategisches Spiel hinter allem steckt. Die Storylines sind miteinander verwoben und man fühlt sich, als sei Avery eine hilflose Schachfigur auf einem Spielfeld, dessen Regeln sie nicht kennt. Die Schachthematik wird in diesem Buch regelmäßig aufgegriffen und spielt auch eine große Rolle. Machtspielchen in diesem Buch werden nicht im Bett, sondern unter anderem auf dem Brett ausgetragen. Das Buch ist in meinen Augen hochgradig spannend, wenn auch in einigen Punkten etwas vorhersehbar oder zumindest nicht überraschend. Die fesselnde Geschichte und die ewig währende Frage, was mit Avery und Gabriel eigentlich los ist, hat mich komplett in ihren Bann gezogen und das Buch für mich zu einem Pageturner gemacht. Als sich dann am Ende die einzelnen Spielzüge entfalteten und alles, was man zu glauben dachte, auf den Kopf gestellt wird, bleibt Verblüffung und jede Menge Betroffenheit, aber auch Abscheu zurück. Ein fieser Cliffhanger, auf den man dringend Antworten braucht. Auf jeden Fall zählt Endgame zu einem der besten Dark Romance Bücher, welches ich je gelesen habe.

Avery als süße Protagonistin, die teilweise sehr naiv wirkt, teilweise aber auch sehr erwachsen daherkommt, hat es mir von Anfang an leicht gemacht, sie zu lieben. Ich mochte sie und ich litt mit ihr mit. Die größte Stärke des Buches ist jedoch wie oft bei solchen Romanen in meinen Augen der männliche Protagonist. Gabriel ist selbstverständlich extrem gutaussehend, verdammt reich und ein exzellenter Schachspieler – nicht nur auf dem Brett. Er ist undurchsichtig, er ist verwirrend aber zugleich auch sehr betörend. Man möchte ihn verstehen, seine Beweggründe und seine Taten. Immer, wenn man denkt, seine Maske ist gefallen, schafft er es, einem wieder zu zeigen, dass er ein Meister der Manipulation ist. Immer wieder zeigt er beinahe zärtliche Seiten und ganz still und heimlich hat er sich Stück für Stück in mein Herz geschlichen, ohne dass ich es gemerkt habe. Und dann, im richtigen Moment, hat er ausgeholt, mein armes Herz brutal rausgerissen und es mit einem gekonnten Wurf direkt auf dem Boden in tausend Teile zerschmettert.

Und so bleibe ich entsetzt zurück, mit einem Scherbenhaufen anstelle meines Herzens, jeder Menge Fragezeichen und dem verzweifelten Durst nach Antworten, die ich hoffentlich in Band 2 finde. Ich bin mir sicher, Gabriel wird mein Herz liebend gern erneut brechen. Und ich bin liebend gern bereit, es erneut brechen zu lassen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise dem Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 06.03.2019

sehr umfangreich mit einigen Mängeln

Das Hot-Body-Programm
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Worum geht’s?

Michelle Lewin ist ein weltweit bekanntes Fitnessmodel, die jahrelang an Fitnesswettkämpfen teilgenommen hat und auch bei Instagram mit über 13 Millionen Followern sehr erfolgreich ist. ...

Worum geht’s?

Michelle Lewin ist ein weltweit bekanntes Fitnessmodel, die jahrelang an Fitnesswettkämpfen teilgenommen hat und auch bei Instagram mit über 13 Millionen Followern sehr erfolgreich ist. In „das Hot-Body-Programm“ möchte sie Fitnesstipps, Ernährungstipps und ihre eigene Story teilen, um andere zu motivieren, ihren Körper zu transformieren.

Schreibstil / Gestaltung

Das in einem knalligen Pink gehaltene Buch zeigt auf den Cover Michelle in Topform. Gepaart mit dem Slogan „in 28 Tagen zur absoluten Traumfigur“ wirkt es sehr motivierend, auch wenn Michelle eher so wirkt, als würde sie den Leser mit ihrem Programm quälen wollen.

Das Buch überraschte mich tatsächlich stark mit seinem Format. Vergleichbare Bücher aus dem Fitnessbereich kommen meist in einem Din-A-4-ähnlichen Format daher und sind vor allem durch zahlreiche bildliche Darstellung geprägt. Das Hot-Body-Programm hingegen hat das Format eines dickeren Taschenbuchs, ist bis auf eine Hand voll Seiten in der Mitte des Buches komplett unbebildert und ohne Farbe. Das Buch verwendet eine relativ kleine, taschenbuchtypische Schriftart. Es gibt zahlreiche Zitatkästen an der Seite des Textes, einige Tabellen, Notizfelder, insgesamt aber so gut wie gar keine gestalterischen Elemente.

Der Schreibstil ist sehr leicht lesbar, angenehm und persönlich. Das Buch ist gut ausgearbeitet und kompliziertes gut verständlich geschrieben und erklärt.


Der Inhalt

Das Buch startet mit einem kurzen Vorwort von Sophia Thiel und einem längeren Vorwort von Dr. Samar Yorde, die gemeinsam mit Michelle Lewin das Buch geschrieben hat. Im Anschluss folgt eine übersichtliche Einleitung von Michelle Lewin, 12 umfangreiche Kapitel und ein Anhang. Im Buch erwartet den Leser folgendes:

Kapitel 1 – Meine Geschichte und warum ich sie dir erzähle: Hier lernt der Leser die Autorin kennen und erfährt ihren Lebensweg, ihren Weg in die Fitnessbranche und auch ihre persönlichen Hindernisse, mit denen sie leben musste. Man erfährt relativ ausführlich, wer hinter diesem Buch steckt und kann eine Verbindung zur Autorin aufbauen, die zB auch offen zugibt, dass sie Phasen hatte, wo sie nicht auf sich geachtet hat und mal eben 10kg zunahm.

Kapitel 2 – Besiege deine schlechten Gewohnheiten: In diesem Kapitel geht es vor allem darum, dass der Leser sich selbst auf das Programm vorbereitet und sich fragen soll, wieso er abnehmen möchte, was er verändern möchte und woran es bisher scheiterte.

Kapitel 3 – Fünf Dinge, die du wissen musst, bevor du dein Leben änderst: In diesem umfassenden Kapitel geht es um Fragen, was eigentlich Fitness bedeutet, wie man Verletzungen vermeidet, wieso man auf seinen Hormonstatus achten sollte, aber es werden Informationen rund um das Thema Körperfett aufgegriffen.

Kapitel 4 – Stoffwechsel und Energiedichte: Hier gibt es eine intensive Einführung in das Thema Stoffwechsel. Die Autorin greift dabei auch sehr viele Mythen auf wie Hungerstoffwechsel, erklärt wieso radikale Diäten schlecht sind und welche Bausteine für einen guten Stoffwechsel notwendig sind, welche angeblich guten Nahrungsmittel schlecht sind und was man beachten sollte.

Kapitel 5 - Nahrungsmittel, die helfen können, deinen Körper zu verändern: Dieses Kapitel beschäftigt sich mit dem Thema Nahrungsmittelgruppen, erläutert die drei Hauptstoffe Kohlenhydrate, Fette und Proteine und ihre Bedeutung.

Kapitel 6 – Wo fange ich an? Grundsätzliche Ratschläge für einen fitten Körper: Hier gibt es sehr viele Ratschläge, was man beachten sollte. Von banalen Sachen wie „mehr Obst und Gemüse“ über „achte auf Salz“ bis zu „wie sollte man das Training gestalten“ wird auch das Thema Nahrungsergänzungsmittel aufgegriffen.

Kapitel 7 – Die Essenspläne des Hot Body Programms: Der Kernteil des Buches. Anfangs gibt es noch eine „was man vorbereiten sollte“-Einführung, es werden zahlreiche Lebensmittel aufgezählt, die Berechnung von Kalorien erklärt und dann die Essenspläne und zugehörige Rezepte präsentiert. Die Rezepte sind ein wilder Mix aus „typischen Instagram-Rezepten“ wie Detox-Smoothies, zahlreiche Shakes, aber auch einige normalere Rezepte wie Thai-Pfanne oder Kebab-Spieße. Ferner gibt es Austausch-Tabellen, wo steht, womit man einzelne Komponenten wechseln kann.

Kapitel 8 – Das Erreichte sichern: Mach einen Lebensstil aus deinem Ernährungsplan: Wie es nach den 28 Tagen weitergehen kann, welche Probleme im Alltag warten (Jojo, Auswärtsessen) und wie man das in den Griff bekommen kann, erfährt der Leser in diesem eher kurzem Kapitel.

Kapitel 9 – Ergänzungsmittel: Ein ausführlicher Ritt durch die gängigsten Ergänzungsmittel wie BCAA, CLA und Omega-3 mit Erklärungen, wofür sie gut sind.

Kapitel 10 – Häufig gestellte Fragen: Alles, was bisher nirgends gepasst hat, wird hier angesprochen, vor allem werden Mythen aufgegriffen wie Training auf nüchternen Magen oder

Anhang: Hier findet man vorgefertigt ein Ernährungsprotokoll, Trainingsprotokoll, eine Tabelle zum Messwerte-Sichern sowie eine Einkaufsliste.


Mein Fazit

Zugegebenermaßen kannte ich vor diesem Buch weder die Autorin noch ihre Geschichte, aber das Versprechen „in 28 Tagen zum absoluten Traumkörper“ klingt natürlich verlockend. Aus diesem Grund wollte ich es mir genauer anschauen.

Zunächst war ich über das Format verwundert. Das Buch ist ziemlich umfangreich, kommt an ein durchschnittliches Taschenbuch heran und ist dabei fast vollumfänglich textlastig, es gibt nur minimale Abweichungen durch Tabellen oder ähnliches. So ein umfangreiches Buch hatte ich im Fitnessbereich bisher tatsächlich nicht in der Hand, sowieso warne sämtliche Fitnessprogramme bisher eher gestaltungslastig und bildlastig.

Dem Leser wird hier auf jeden Fall ein sehr umfangreiches Buch präsentiert, was bei der Fülle der Informationen fast schon erschlagend wirkt. Es gibt sehr viel Wissen zu sehr vielen Bereichen rund um Ernährung, es werden viele Mythen aufgegriffen und viel erklärt. Die Autorin ist dabei an vielen Stellen auch sehr motivierend und erweckt den Eindruck, Verständnis für die Probleme des Lesers zu haben. Die Fülle der Informationen war auf jeden Fall so umfangreich, dass ich mehrere Tage häppchenweise lesen musste, weil ich die Informationen Stück für Stück verarbeiten musste.

Inhaltlich ist gerade für Anfänger vieles dabei. Das Buch geht sehr in die Breite, teilweise auch in die Tiefe. Leider muss ich sagen, dass vieles der gesagten Dinge für mich Fragezeichen hervorgerufen hat, da es gängiger Literatur im Fitnessbereich widerspricht – etwa die Aussagen zum Stoffwechsel und das Abraten von Vollkorn. Hier bin ich etwas zwiegespalten, da das Buch ja offenbar unter ärztlicher Aufsicht geschrieben wurde, aber in vielen anderen Büchern eben genau gegenteilige Informationen stehen. Viele der Tipps sind meiner Meinung nach auch nicht realistisch umsetzbar, so empfiehlt die Autorin 5-6x die Woche 90 Minuten Fitnesstraining und präsentiert nebenbei einen Ernährungsplan über 28 Tage mit jeweils 6 Mahlzeiten (teile davon allerdings Shakes). In ihrer Welt mag dies funktionieren, in der Welt des Lesers wahrscheinlich weniger. Ebenso stehe ich der stets propagierten Nutzung von Ergänzungsmitteln skeptisch gegenüber.

Der Plan und die Rezepte sind Geschmackssache. Es sind zahlreiche gute Rezepte dabei, aber auch zahlreiche Rezepte, die in der Fitnesswelt vielleicht gut funktionieren, für den normalen Leser aber nicht so toll sind. Es sind einige untypische Zutaten (bis heute rätsle ich, was Mandelkäse ist) dabei, es gibt viele Rezepte, für die man zahlreiche Eiweiße, aber keine Eigelbe braucht und sowieso ist ein Großteil nicht familientauglich. Daher würde ich das Buch eher für junge Leute in Erwägung ziehen.

Verwunderlich finde ich, dass Michelle Lewin mehrfach die Bedeutung von Sport für den Körper und die Abnehmreise betont, im gesamten Buch aber minimal das Thema Sport aufgegriffen wird und erst recht keine Fitnesspläne mitgeliefert werden. Das hätte für mich aber zur Gesamtheit dazugehört.

Insgesamt ist es ein sehr umfangreiches Buch mit sehr vielen Informationen von einer recht sympathischen Autorin, es wirkt aber teilweise zu speziell und mir fehlt leider vor allem ein Sportteil. Dennoch erhält man hier viele gute Informationen und dieses Buch ist das bisher vielleicht umfangreichste Programm auf dem Markt.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 05.03.2019

spannende Fälle mitreißend dargestellt mit tollem Schreibstil

Mörder
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„Strafverteidigung ist Pokern mit dem Schicksal eines Menschen. Und du bist als Verteidiger permanent »All In«.“ (Veikko Bartel im Vorwort von Mörder)

Worum geht’s?

Wie bereits das Buch „Mörderinnen“ ...

„Strafverteidigung ist Pokern mit dem Schicksal eines Menschen. Und du bist als Verteidiger permanent »All In«.“ (Veikko Bartel im Vorwort von Mörder)

Worum geht’s?

Wie bereits das Buch „Mörderinnen“ handelt auch das Buch „Mörder“ von Fällen aus der beruflichen Laufbahn des Autoren Veikko Bartel als Strafverteidiger. In zahlreichen Tötungsdelikten hat er Leute vertreten, die das schlimmste Verbrechen unseres Gesetzbuches begangen haben: Sie haben getötet. Nachdem bei „Mörderinnen“ Frauen auf der Anklagebank saßen, geht es in diesem Buch um sechs Fälle mit männlichen Angeklagten, um einzigartige Einblicke in die Arbeits- und Gedankenwelt eines Strafverteidigers und die ewig währende Frage: Wieso töten Menschen? Denn der Autor erzählt hier die Geschichten der jeweiligen Tat und ihrer Umstände.

„Mörder“ ist unabhängig vom Vorgänger-Buch „Mörderinnen“.

Schreibstil / Gestaltung

Auch das Cover von Mörder besticht wieder durch ein schlichtes, unaufdringliches – wenngleich auch etwas klischeehaftes - Cover mit einem schemenhaften Gestalt in schwarz mit Kapuze und dem üblichen Hinweis „Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers“. Man erkennt auf jeden Fall die Stimmigkeit im Verhältnis zu Mörderinnen und empfindet auch hier ein nüchterne, sachliche Atmosphäre ohne viel Brimborium. Das Buchcover ist erneut ein Schutzumschlag, unter dem sich dieses Mal ein schönes, mattschwarzes Buch mit dem weißen Schriftzug des Titels und Autors am Buchrücken verbirgt. Insgesamt ist die Gestaltung erneut sehr stimmig.

Das Buch umfasst insgesamt sechs Fälle, die in jeweilige Abschnitte gegliedert sind und dem ein äußerst kurzes Vorwort (im Vergleich zu Mörderinnen) vorgestellt ist. Die jeweiligen Fälle haben keine eigene Untergliederung in Unterabschnitte, werden jedoch teilweise mit einem kurzen Epilog abgeschlossen. Jeder Fall ist in sich geschlossen und kann somit eigenständig gelesen werden. Der Umfang der Fälle variiert von etwa 25 bis 60 Seiten.

Sprachlich überzeugt Mörder wie auch bereits Mörderinnen durch einen angenehmen Schreibstil, eine verständliche Erzählweise und der gut ausgeprägten Fähigkeit des Autors, mit Sprache umgehen zu können. Die Gratwanderung zwischen spannendem und einfühlsamem Bericht gepaart juristischen Erklärungen gelingt hervorragend.

Mein Fazit

Wo fängt man an, wo hört man auf, wenn man über dieses Buch reden möchte. Ich habe unzählige Real Crime Bücher gelesen, ich bewege mich beruflich in genau diesem Bereich und dachte, dass Veikko Bartel „Mörderinnen“ kaum toppen kann. Und doch saß ich hier, mit einem Buch, welches mich weit über die Lesezeit hinaus beschäftigt hat und musste feststellen: Er hat sich selbst übertroffen.

Während mich bei „Mörderinnen“ neben dem tollen Schreibstil vor allem überzeugt hat, dass ein Buch über die vergleichsweise seltene Tätergruppe der Frauen geschrieben wurde, war es bei „Mörder“ wahrscheinlich die Vielzahl an Momenten, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben und mich mit jeder Menge „was würde ich tun“-Fragen zurückgelassen hat. Denn der Autor verlangt dem Leser – vielleicht für den Leser teilweise unbewusst – ab, dass er selbst seine Bewertungen und Meinungen fällt. Im Vordergrund des Buches steht größtenteils die Tat und wie es zu dieser Tat kam, nebensächlich ist meist das Urteil, denn der Leser wird permanent vor die Frage gestellt: Ist das Urteil so in dieser Weise verständlich? Veikko Bartel leitet dabei gern mit dem Urteilsspruch ein, um den Leser im Anschluss daran regelrecht an den Kopf zu werfen, dass er sich nicht vorschnell ein eigenes Urteil bilden soll. Zu keiner Zeit bleibt dabei außer Acht, dass es sich um teils juristische Inhalte handelt, die vielen Lesern nicht alltäglich sind, weshalb viele Sachen erklärt werden. In „Mörderinnen“ hatte ich teilweise das Gefühl, dass hier einige Erklärungen auf der Strecke blieben, während hier mit Fußnoten und auch im jeweiligen Epilog zahlreiche Fragen beantwortet werden. Man merkt dem Autor dabei auch an, welche „Standardfragen“ er immer wieder im Rahmen seiner beruflichen Laufbahn beantworten musste und sicher wird sich der ein oder andere Leser ertappt fühlen, wenn Herr Bartel ansetzt zu „jetzt könnte man meinen, dass..“. Die lehrreichen Erklärungen wirken dabei aber nie belehrend.
Mörder ist ein interessanter Einblick in eine sehr vorurteilsbehaftete Welt der Strafverteidigung, welche der Autor durch seinen Berufs- und Büroalltag erklären möchte. Es gibt einige Anekdoten, die das Buch ein wenig auflockern (etwa, als der Autor an der Supermarktkasse stehend in einem Telefonat eine Leiche beschrieb und die gesamten Anwesenden mithören konnten oder wie er seinem Bodyguard in Indien entkam, um an Straßenständen zu essen). Aber nie verliert Veikko Bartel sein eigentliches Ziel – den Fall – aus den Augen, wenngleich es hin und wieder aber auch längere Umwege gibt, etwa im Kapitel „Der Scharfschütze der Fremdenlegion“, wo der Autor nach Indien fliegt und sehr eindrucksvoll von seinen Erlebnissen dort berichtet. Er stellt fast immer den Mandanten in den Vordergrund und verfällt auch bei guten Verteidigungszügen nicht in eine ausufernde Selbstbeweihräucherung, wie man es von anderen Autoren des Genres kennt.

Die Auswahl der Fälle ist erneut gut gelungen, insbesondere, dass sie nicht alle in die gleiche Kerbe schlagen und nicht alle den gleichen Verlauf nehmen. Etwas unterschiedlich in der Erzählung ist das Kapitel „Der Scharfschütze der Fremdenlegion“ (der Ausflug nach Indien thematisiert mehr das indische Rechtssystem und die damit verbundenen Erlebnisse) und das letzte Kapitel „Der Serienvergewaltiger, der Tod von Frau Meyer und das Gewissen eines Strafverteidigers“. Eines haben aber alle Fälle gemeinsam: Sie zeigen für mich, dass Recht oftmals nicht schwarz oder weiß ist. Denn der Leser wird mitgenommen auf eine Reise, die zwischen Entsetzen, Emotionen und einem gewissen Grad an Verständnis für einige zu der vielleicht erschreckenden Erkenntnis führen wird, dass auch hinter einem Fall, wo ein Mensch das Leben eines anderen nimmt, nicht immer menschliche Abgründe liegen müssen, sondern manchmal auch menschliche Schicksale stecken können. Fast jeder Fall in diesem Buch hallte dabei in mir nach und ich ertappte mich immer wieder, wie ich auch später über einzelne Punkte nachdachte. Herr Bartel hat mir mit einer Frage jedoch tatsächlich tagelange Alpträume beschert: Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie reagieren würden, wenn jemand Sie anruft und fragt, was er nach der Tötung einer Person tun soll?


Das letzte Kapitel des Buches spricht vor allem über das Bild eines Strafverteidigers in der Realität, seine Rolle im Strafverfahren und seine Bedeutung für die rechtsstaatliche Ordnung. Es war ein Kapitel, was für mich fast wie ein therapeutischer Epilog wirkte, denn es geht hierbei um Fragen, denen sich ein Strafverteidiger regelmäßig stellen muss: Hat ein Strafverteidiger ein Gewissen? Der Autor erläutert für mich sehr schön die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, den Spagat zwischen seiner Rolle im System und seinem eigenen Gewissen anhand eines Falles. Veikko Bartel beherrscht die Kunst, ebendiese Rolle des Strafverteidigers eindrucksvoll zu erläutern, ohne den Strafverteidiger wie ein Monster wirken zu lassen, welches rücksichtslos auf der Seite des vermeintlich Bösen steht. Und er entlässt den Leser mit einer verborgenen Frage, die fast so wirkt, als sei er an ihr zerbrochen.

Und so beende ich dieses Werk, bei dem man die Liebe des Schreibers zu einem Beruf, der ihn sicher öfter zur Verzweiflung und zu Selbstzweifeln gebracht hat, mit der festen Überzeugung, dass ich dem letzten Satz in diesem Buch nicht zustimme und verbleibe mit der Hoffnung, dass dieses Buch nicht das letzte Buch von Veikko Bartel sein wird. Denn er beherrscht die Kunst, den Leser in eine unbekannte Welt zu entführen und ohne sensationslüsterne Schilderungen zu fesseln und zu begeistern, auch wenn ich nicht immer komplett seine Ansichten teile. Von mir aus könnte der Autor auch über Rotlichtverstöße, Hausfriedensbruch oder Ladendiebstahl schreiben – ich bin mir sicher, ich wäre genauso überzeugt. Denn Veikko Bartel zählt für mich – spätestens nach diesem Werk, wenn nicht bereits seit Mörderinnen, welches ich ebenfalls jedem ans Herz legen kann – zu einem der besten True Crime Autoren der Gegenwart.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 03.03.2019

niedliche Liebesgeschichte, die ultimativ vorhersehbar ist

Park Avenue Princess
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„Wenn ich mir vorstelle, dass ich gerade anfing, an Liebe zu glauben, während du dabei warst, sie zu zerstören…“ (Georgie zu Andrew in Park Avenue Princess)

Worum geht’s?
Georgianna, genannt Georgie, ...

„Wenn ich mir vorstelle, dass ich gerade anfing, an Liebe zu glauben, während du dabei warst, sie zu zerstören…“ (Georgie zu Andrew in Park Avenue Princess)

Worum geht’s?
Georgianna, genannt Georgie, ist ein reiches Partygirl aus Manhattan. Als sie in eine neue Wohnung zieht, trifft sie auf ihn: Andrew, bester Scheidungsanwalt der ganzen Stadt. Doch statt gute Nachbarn werden beide regelrecht Erzfeinde. Er findet sie lächerlich, sie findet ihn steif. Zwischen beiden beginnt ein erbitterter morgendlicher Krieg, wenn Andrew zur Arbeit geht und Geogie von einer Partynacht nach Hause kommt. Doch eines Morgens scheinen die Fronten sich zu verhärten – und es endet in einem Kuss. Blöd nur, dass dieser schon bald überall in der Klatschpresse zu sehen ist. Und nun müssen sich Georgie und Andrew fragen: Welche Bedeutung hat dieser Kuss für sie und ihren Krieg?

Park Avenue Princess ist in sich geschlossen.

Schreibstil / Gestaltung
Das Cover passt gut zum Buch. Man sieht einen Herren im Anzug und eine Frau in einem edlem Kleid – mutmaßlich Georgie und Andrew. Der gold-glitzernde Schriftzug passt perfekt zu der Beschreibung von Georgie in dem Buch. Insgesamt ist das Cover allerdings nichts besonderes und erinnert an zahlreiche Upper Eastside-Bücher.

Die Erzählweise im Buch ist linear. Es wird einerseits aus Georgies Sicht in der Ich-Perspektive berichtet, vereinzelte Kapitel aber auch aus Andrews Sicht, allerdings in dritter Person erzählt. Insgesamt werden aber mehr Kapitel aus Georgies Sicht erzählt. Der Schreibstil ist sehr angenehm, das Buch lässt sich sehr flüssig und leicht lesen. Das Buch ist durch und durch „easy to read“ und ist sehr kurzweilig, dass man weite Strecken oder sogar das ganze Buch in einem Rutsch lesen kann.

Mein Fazit
Partygirl trifft Anwalt – und beide finden zueinander, nachdem sie sich geküsst haben. So in etwa habe ich mir das Buch vorgestellt. Tatsächlich ist die Story ein wenig anders, aber um viel mehr geht es tatsächlich nicht. Müsste ich Park Avenue Princess mit eine Wort beschreiben, wäre es wohl: Niedlich.

Das Buch startet mit einer Einführung in Georgies Leben. Partys, Essensverabredungen, Shoppen – und morgens um 5 nach Hause torkeln mit Donuts für den Portier. Wieso, das erfährt der Leser direkt: Morgens um 5 trifft sie nämlich immer auf ihren Nachbarn Andrew, der als Scheidungsanwalt einen strikten Tagesplan und nichts als Verachtung für Georgies Lebensstil übrig hat. Und so gibt es jeden Morgen eine Art kalten Krieg mit Gemeinheiten und Provokationen zwischen den beiden. Diese Aufeinandertreffen machen einen Großteil der ersten Hälfte des Buches aus und sind wirklich sehr unterhaltsam zu lesen. Drumherum gibt es Einblicke in Georgies Leben und ihre Gefühlswelt, aber auch in ihre Beziehung zu ihren Eltern. Erst gegen Buchmitte kommt es zu dem im Klappentext angesprochenen Kuss und den damit verbundenen Fragen. Und ab da? Nun ja, passiert das, was man seit Seite 1 erwartet und dank Klappentext ja eh schon wusste: Es geht darum, ob Georgie und Andrew zueinanderfinden, obwohl sie so gegensätzlich sind. Kurz vor Ende gibt es dann ausnahmsweise noch ein wenig Drama – aber um ehrlich zu sein: Dieser Plot war so vorhersehbar wie Weihnachtsgeschenke unter dem Weihnachtsbaum. Generell ist alles an diesem Buch von Seite 1 an vorhersehbar, es gibt keinen Spannungsbogen (dank Klappentext weiß man ja, dass sie sich küssen werden, man wartet nur darauf, wann und wieso – nach dem Kuss ist auch klar, worum es gehen wird), es gibt keine Überraschungen, wenig Tiefgang, keine Twists.

Und dennoch: Ich fand das Buch entzückend und fesselnd. Denn Andrew und Georgie sind bezaubernde Charaktere. Während ich anfangs etwas voreingenommen bezüglich Georgie war, wickelte sie mich von Seite zu Seite mehr um den Finger. Mit einer gehörigen Portion Schlagfertigkeit, ein wenig Selbstironie und viel Gutherzigkeit ausgestattet führt sie den Leser primär durchs Buch und zeigt, dass mehr in ihr steckt als man – und Andrew – annimmt. Es sind die witzigen Dialoge und ihre Selbstreflexion, die einen weiterlesen lassen. Andrew ist eine harte Nuss und der Leser wartet einfach sehnsüchtig darauf, dass sie ihn knacken kann.

Es gibt eine gute Portion Schmachtmomente, es gibt viele „wie kannst du nur“-Momente und zahlreiche Schmunzler und das alles, obwohl die Story eigentlich nicht wirklich etwas hergibt. Das soll dabei gar nicht abwertend gemeint sein, denn Park Avenue Princess ist einfach ein Buch, wo es nicht um das „ob“ geht, sondern um das „wie“. Die Story ist seicht, sie ist schlicht, sie entwickelt sich in einem angemessenen Tempo ohne große Dramen oder Fake-Dramen. Man sollte allerdings auch den geringen Umfang des Buches berücksichtigen, der gar nicht viel Raum für große Sprünge gibt, denn tatsächlich sind gut 15% des Buches gar kein Storyinhalt sondern Danksagung, Leseprobe etc.

Das Buch ist einfach angenehm und niedlich, von Anfang bis Ende. Es ist eine Geschichte, wie man sie ein einem guten Disney-Nachmittags-Liebesfilm erwarten würde und wo sie auch gut hinpasst. Das Ende ist ebenfalls absolut klischeehaft, der Epilog setzt dem Ganzen quasi noch das Sahnehäubchen auf und obwohl ich diese 0815-Standard-Kitschenden fast schon verabscheue, hat es mir hier ein befriedigendes Gefühl gegeben, um mit Georgie und Andrew abzuschließen.

Man sollte hier also nicht mit den größten Erwartungen an das Buch herangehen, aber wenn man eine solide, niedliche Liebesgeschichte zweier Gegensätze sucht, die man einfach entspannt ohne große Denkanstrengung konsumieren und genießen kann – dann ist Park Avenue Princess definitiv die richtige Wahl!

+++ es folgen im Weiteren mögliche Spoiler +++

Leider hat es mich ein wenig gestört, dass das Buch ultimativ vorhersehbar war. Klar, es war zu erwarten, dass beide zusammenfinden. Es war zu erwarten, dass es einige Reibereien geben wird. Mir war klar, dass hier keine Novität auf mich wartet. Allerdings wurde relativ früh die Storyline um den Beziehungszustand der Eltern aufgegriffen und ab da war mir klar, dass hier das Thema Scheidung kommen wird und natürlich der beste Scheidungsanwalt der Stadt ins Spiel kommt. Ich habe also regelrecht nur darauf gewartet, dass die Bombe endlich platzt, damit das zarte Beziehungspflänzchen in Mitleidenschaft gerät, nur um kurz danach natürlich wieder zurechtgerückt zu werden. Irgendwie hätte man sich das Ganze fast schon sparen können, aber nun gut, immerhin hat Georgie dadurch erkannt, dass sie an die Liebe glauben kann und Andrew hat festgestellt, dass er nicht ohne will.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise von Netgalley und dem Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 28.02.2019

viel Erotik, düster und brutal, aber auch einiges Kopfschütteln

Tears of Tess - Buch 1
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„Hat mein Schicksal deswegen beschlossen, dass mein Leben zu perfekt war, und meine kranken Sehnsüchte auf die schlimmstmögliche Weise erfüllt?“ (Tess in Tears of Tess 1)

Worum geht’s?
Von ihrem Freund ...

„Hat mein Schicksal deswegen beschlossen, dass mein Leben zu perfekt war, und meine kranken Sehnsüchte auf die schlimmstmögliche Weise erfüllt?“ (Tess in Tears of Tess 1)

Worum geht’s?
Von ihrem Freund überrascht bricht Tess zu einem Urlaub nach Mexiko auf. Doch was als romantischer Pärchen-Trip gedacht war, endet in einem Alptraum: Tess wird entführt, ihr Freund brutal niedergeschlagen. In den Händen von Menschenhändlern taucht Tess in eine Welt voller Gewalt ein und landet schlussendlich bei einem geheimnisvollen Mann namens Q in Frankreich, der sie emotional und körperlich an dunkle Grenzen und darüber hinaus bringt. Und in einer Welt voller Qualen muss Tess sich fragen: Wird sie fliehen können und wird sie es überhaupt wollen?

Tears of Tess 1 ist Band 1 einer mehrbändigen Reihe. Das Buch kann aber auch eigenständig gelesen werden, da es kein offenes Ende hat.

Schreibstil / Gestaltung
Das Cover passt perfekt zum Buch. Es zeigt die Protagonisten Tess in ihrem Sklavenoutfit. Sogar auf das Detail mit dem Armband wurde geachtet. Das Cover ist schlicht, ruhig und nichtssagend – und steht damit im krassen Kontrast zum Inhalt der Story.

Der Schreibstil des Buches hat mir teils gefallen, teils empfand ich ihn als anstrengend. Phasenweise wirkt die Erzählweise sehr heruntergeleiert, um möglichst viele Teile zu überspringen, während an anderen Stellen sehr detailliert und facettenreich das Geschehen berichtet wird. Es gab immer wieder Phasen im Buch, bei denen ich nicht so motiviert war, weiterzulesen, da ich das Gefühl hatte, das Buch würde nicht vorwärtskommen.

Das Buch wird abgesehen vom Epilog ausschließlich aus Sicht von Tess in der Ich-Perspektive erzählt. Jedes Kapitel trägt als Überschrift einen Vogelnamen, was sich im Laufe der Geschichte noch genauer erklärt. Sprachlich ist das Buch ein wilder Mix und enthält reichlich obszöne Sprache und Kraftausdrücke. Immer wieder fließen französische Sätze mit in das Buch ein, die meist aber grob übersetzt werden. Das Buch ist in jeder Hinsicht auf das volljährige Publikum zugeschnitten. Es enthält detaillierte, umfangreiche Erotikszenen und viele Gewalttätigkeiten.

Mein Fazit
Tears of Tess ist eines der Bücher, an das ich mich lange Zeit nicht herangetraut habe. Das Genre Dark Romance ist mir nicht fremd und ich gehöre sicher nicht zur zimperlichen Sorte von Lesern. Dennoch habe ich im Vorfeld viel über das Buch gehört und habe hierbei vor allem von Gewaltexzessen, Vergewaltigungen und brutalen Erotikszenen gehört. Dennoch wollte ich dem Buch eine Chance geben, da die Grundstory mit der Entführung und den Menschenhändlern spannend klang.

Der Einstieg in das Buch gelang mir schnell und gut. Die Geschichte setzt unmittelbar vor dem Flug von Tess und ihrem Freund Brax nach Mexiko an. Anfangs wird der Leser vor allem in Tess‘ Gedankenwelt eingeführt wird, die sich darum dreht, dass sie ihre sexuelle Fantasie ausleben möchte und von Brax dominiert werden möchte, der dies aber nicht möchte. Man merkt, wie unerfüllt Tess ist. Relativ schnell wird sie dann aber auch schon entführt, ist bei den Menschenhändlern und noch schneller bei dem geheimnisvollen Q. Über 80% des Buches spielen sich in der Welt von Q ab. Das fand ich etwas schade, da gerade der komplette Teil um die Entführung und ihren Erlebnissen hier für mich wichtig waren und hier einfach etwas die Tiefe fehlt. Als Leser hätte ich gern etwas mehr in das Grauen eintauchen wollen und mich mit Tess‘ Schicksal verbinden wollen, was mir aber nicht möglich war, da sie zu schnell bei Q war. Nicht, dass bei Q nicht das Grauen auf sie wartet. Hier passiert auch verdammt viel, aber auf einer anderen Ebene.

Die Zeit bei Q fand ich größtenteils sehr interessant, was vor allem an Q liegt. Steinreich, riesige Villa, komplett undurchsichtig, geheimnisvoll und irgendwie gefährlich kommt er daher. Man weiß nicht, wer er ist, was er will und was er mit Tess vorhat. Tatsächlich schafft die Zeit bei Q mich immer wieder zwischen Abscheu, Entzückung und Hoffnung hin und her zu werfen, nur um mich meist am Boden zu zerschmettern. Es gibt immer wieder Spannungsmomente und bruchstückhaft werden einem Puzzleteile für das Gesamtbild hingeworfen. So viel sei verraten: Selbst am Ende ist das Puzzle noch nicht komplett. Q schafft es regelmäßig, beim Leser für kurze „Aw“-Momente zu sorgen, nur um dann mit einer unglaublichen Heftigkeit das arme Leserherz wieder zu zerschmettern. Das war eine sehr große Stärke des Buches.

Ein größeres Manko an dem Buch war für mich aber leider Tess. Tess ist stark, widerspenstig und nicht auf den Mund gefallen. Sie hat Power und sie hat dunkle Begierden, zu denen Q perfekt passt. Große Teile des Buches geht es um Tess‘ innere Zerrissenheit und ihre Gefühle, dass ihr Inneres falsch gepolt ist. Es wird sicher Leser geben, die Tess zustimmen würden. Mir fehlte in großen Teilen das Verständnis für Tess und ihre Vorlieben, im Rahmen des Buches passte jedoch alles zusammen. Man hat hier definitiv eine unkonventionelle Beziehung, die sicher in einigen Aspekten krankhaft oder gefährlich ist. Man muss eine gehörige Portion Akzeptanz mitbringen und wird dennoch regelmäßig den Kopf über Tess schütteln müssen und sie manchmal auch ordentlich durchschütteln wollen. Ich bin leider nie wirklich mit ihr warmgeworden und war vor allem am Anfang oft leicht genervt von ihr.

Große Teile der Geschichte sind extrem erotisch aufgeladen. Man muss der Autorin lassen, dass sie jedoch stets niveauvoll und angemessen zu lesen waren und trotz der teils extremen Handlungen nicht unangenehm wirkten. Ob es jedoch so vielen und ausufernden Sexszenen bedarf, um die Message des Buches zu tragen, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir persönlich war es teilweise zu viel. Auch gab es leider einige Stellen, die einfach nicht nachvollziehbar waren.

Das Ende des Buches ist insgesamt eine Runde Sache. Theoretisch könnte man nur Band 1 lesen, da die Story kein offenes Ende hat. Man sucht allerdings noch zahlreiche Antworten, auf die ich in Band 2 hoffe. Das Ende kam überraschend und nicht überraschend zugleich daher. Es war für mich nicht unwahrscheinlich, nicht unverständlich, aber zugleich kurios. Dennoch passt es ziemlich gut zum Buch. Besonders verblüffend fand ich allerdings den Epilog und die Erkenntnisse, die man hier über Q gewinnen kann.

Tears of Tess ist ein Buch, welches mich emotional unentschlossen zurückgelassen hat. Die Story ist spannend und bringt viele Geheimnisse mit, deren Antwort man wissen möchte. Vor allem Q tut es einem schnell an, auch wenn seine Dunkelheit beängstigend ist. Es gibt viele Anhaltspunkte für spannende Hintergrundstorys in diesem Buch, die jedoch teilweise in der ganzen Erotik und Grobheit untergehen. Dennoch hat mich das Buch auf eine emotionale Achterbahnfahrt geschickt, ich habe oft mitgefiebert und gehofft und mehr als einmal an meine Verständnisgrenzen gedrängt. Zu diesem Buch sollte man aber definitiv nur greifen, wenn man ein Genrefan ist oder zumindest eine gewisse Härte abkann.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]