Mutig mit unterschiedlichen Facetten
Irgendwie verläuft der Tag für den Biberbär Mister O’Lui und seinen Freund, das Streifenschweinchen Rubert, ganz anders als geplant. Sie finden das Blumenbeet verwüstet und das Picknick geplündert vor. ...
Irgendwie verläuft der Tag für den Biberbär Mister O’Lui und seinen Freund, das Streifenschweinchen Rubert, ganz anders als geplant. Sie finden das Blumenbeet verwüstet und das Picknick geplündert vor. Selbst am Birnbaum sind alle Birnen spurlos verschwunden. Rupert hat den Verdacht, dass ein Monster sein Unwesen treiben muss. Doch Mister O’Lui glaubt ihm das nicht so ganz, denn vielleicht steckt Rupert ja selbst dahinter. Aber dann verschwindet Rupert. Mister O’Lui muss nicht nur mutig sein, um seinem Freund zu helfen, sondern auch, um sich zu entschuldigen.
Silke Siefert hat mit dem Zuhause von Mister O’Lui eine kleine Wohlfühloase geschaffen. Hier wird gemütlich Kakao getrunken und Marmeladenbrot gegessen. Außerdem werden über den Tag hinweg viele kleine Päuschen eingeplant. Mit einem kurzen Rückblick zu Beginn greift die Autorin geschickt das Kennenlernen von Mister O’Lui und Rupert auf sowie das Thema rund um das Glück aus dem ersten Band auf.
Der Biberbär Mister O’Lui ist ein absolut liebevoller Ruhepol. Rupert passieren immer mal wieder kleine Missgeschicke, die er gutmütig weglächelt. Über die Seiten hinweg häufen sich jedoch komische Vorfälle, die quasi typisch für Rupert sein könnten. Sichtlich enttäuscht ist der Biberbär schließlich über das geplünderte Picknick und kann Rupert, der mit Marmelade und Kakao beschmiert ist, seine Geschichte von einem Monster nicht wirklich glauben. Die Wege der beiden trennen sich erstmal, da Mister O’Lui erstmal über alles nachdenken möchte. Kurz bevor er wieder Zuhause ist kommen ihm beim Betrachten des geplünderten Birnbaums Zweifel auf, denn die Birnen sind für Rupert viel zu hoch. Hier kommt langsam Spannung auf , die noch größer wird als Mister O’Lui den Tag Revue passieren lässt und feststellt, dass Rupert garnicht da ist. Unheil verkündend braut sich ein Gewitter zusammen und bei einem Blitz kann Mister O’Lui seinen Freund Rupert draußen erkennen und daneben einen dunklen Schatten, das Monster. Nun heißt es den ganzen Mut zusammennehmen und seinem Freund zur Hilfe eilen. Doch das Monster entpuppt sich als die Giraffe Olivia, die auf der Suche nach neuen Freunden ist. Sie erzählt mutig ihre Geschichte und wie sie ihren Mut zusammennehmen musste, um sich vorzustellen. Und Mister O’Lui bringt zuletzt den Mut auf, sich bei Rupert zu entschuldigen ihn fälschlicherweise verdächtigt zu haben.
Damit schafft es Silke Siefert das Thema Mut aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und Motivationen heraus zu beleuchten. So überwindet Mister O’Lui seine Furcht vor einem vermeintlichen Monster, um seinem Freund zu helfen. Olivia hingegen muss all ihren Mut zusammennehmen, um die beiden Freunde anzusprechen. Und auch eigene Fehler einzugestehen und sich zu entschuldigen kann mutig sein. Dahingehend können viele schöne Gesprächsanlässe eröffnet werden und darüber nachgedacht werden, wann man selbst einmal mutig sein musste. Die Illustrationen bieten zudem allerhand zu entdecken an, wirken aber nicht überladen. Wenn ganz genau gesucht wird, kann Olivia sogar schon hinter einem Busch und als Schatten in der Gewitternacht entdeckt werden. Der längere Aufbau der Handlung trägt dazu bei, dass über mehrere Seiten hinweg überlegt werden kann, wer für die Missgeschicke verantwortlich ist und ob Rupert mit seiner Behauptung eines Monsters recht hat. Die schnelle Auflösung zum Ende hin hat einen tollen Überraschungsmoment. Und letztendlich ist wieder eine neue Freundschaft hinzugekommen.