Cover-Bild Fräulein Gold: Scheunenkinder
Teil 2 der Serie "Die Hebamme von Berlin"
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19,95
inkl. MwSt
  • Verlag: Argon
  • Themenbereich: Belletristik - Krimi: Weibliche Ermittler
  • Genre: Krimis & Thriller / Krimis & Thriller
  • Ersterscheinung: 13.10.2020
  • ISBN: 9783839818138
Anne Stern

Fräulein Gold: Scheunenkinder

Anna Thalbach (Sprecher)

Berlin, 1923. Hebamme Hulda Gold wird zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen. Die jüdische Familie lebt nach ihren ganz eigenen, strengen Regeln, aber Hulda gewinnt das Vertrauen der jungen Mutter. Und als das Neugeborene nach wenigen Tagen verschwindet, wird sie unvermittelt in die rätselhafte Suche verstrickt. Denn wie kann ein Kind in dieser engen Gemeinschaft einfach so verschwinden? Bald zeigt sich, dass auch die Berliner Polizei nach Kinderhändlern fahndet. Kann Kommissar Karl North helfen, das Neugeborene zu finden? Als sich der Judenhass der Berliner Nazis in einem Pogrom entlädt, gerät Hulda selbst in höchste Gefahr.
Band 2 der farbenprächtigen Saga um Hebamme Hulda Gold, die im Berlin der 1920er-Jahre in rätselhafte Fälle verstrickt wird.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2021

Not und Elend schüren Hass und Skrupellosigkeit

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Berlin Herbst 1923: Die Hyperinflation ist in vollem Gange. Das Geld wird schneller entwertet, als man es ausgeben kann. Die Armut wird immer erdrückender, doch einige haben von dem letzten Krieg profitiert ...

Berlin Herbst 1923: Die Hyperinflation ist in vollem Gange. Das Geld wird schneller entwertet, als man es ausgeben kann. Die Armut wird immer erdrückender, doch einige haben von dem letzten Krieg profitiert und finden auch jetzt ihr Auskommen, als Opportunisten. Die freiberufliche Hebamme Hulda Gold ist immer noch rund um den Winterfeldplatz aktiv, locker verbandelt mit Kriminalkommissar Karl North und immer bestens informiert von Zeitungsverkäufer Bert. Ihr jüdischer Vater hat ihr einen Auftrag bei einer bitter armen, jüdisch-orthodoxen Familie im Scheunenviertel besorgt. Hulda spürt sofort, dass in dieser Familie irgendwas ganz und gar nicht in Ordnung ist. Als das Neugeborene kurz nach der Geburt verschwindet, scheint die harte Schwiegermutter erleichtert und die ungeliebte Schwiegertochter am Boden zerstört. Auch Karl zieht es beruflich ins Scheunenviertel, als auf einem abgestellten Anhänger eine ganze Wagenladung toter, ausgemergelter Kinder entdeckt wird. Stecken skrupellose Menschenhändler dahinter? Hulda würde Karl gerne unterstützen, der ist aber wenig angetan. Als sie jedoch endlich gemeinsam das Viertel aufsuchen, entlädt sich der stetig anschwellende Judenhass über dem Elendsviertel.

Die Hyperinflation sorgt für Not und Elend, der perfekte Nährboden um Hass und Missgunst gegenüber Minderheiten zu säen. So fällt Hitlers judenfeindliche Propaganda schon früh auf fruchtbaren Boden, auch wenn Stresemann und die junge Weimarer Republik das nicht unterstützen. Hulda hat sich nie viel um ihr jüdisches Erbe gekümmert, doch scheint der Glaube ihres Vaters, in dem sie nie erzogen wurde, allmählich immer wichtiger zu werden. Die Stimmung wird immer aufgeheizter und Anna Thalbach lässt ihre Stimme drängender werden. Der Angst die Hulda bisweilen bei Angriffen völlig Fremder empfindet, verleiht sie ebenso Ausdruck wie ihrem Entsetzen, als sie erfährt, dass ein Neugeborenes verschwunden ist und niemand etwas unternimmt. Hulda ist eine moderne Frau, sie kann das Unrecht nicht einfach so stehen lassen, sie muss etwas unternehmen und ihre Neugierde kommt ihr dabei sehr zu gute! Die politische Situation und die Verzweiflung durch die Geldentwertung wird hier sehr eindrücklich und drängend mit Huldas Alltag verwoben, obwohl Hulda sich gar nicht für Politik interessiert und diese am liebsten einfach ignorieren würde. Doch so einfach ist es nicht, denn das aktuelle Geschehen und der Zeitgeist treffen sie unmittelbar.

Es hat mir sehr gefallen Hulda und ihre Freunde, Bekannten ebenso wie ihre schöne Rivalin Helene wiederzutreffen. Anne Stern schafft es, atmosphärisch dicht, Not und Elend, sowie Überfluss dieser Zeit vor dem inneren Hörerauge heraufzubeschwören. Doch neben Not und Elend steigen Hass und Missgunst und sämtliche moralischen Hemmungen und Skrupel fallen. Eine Atmosphäre aus Angst und Gewalt entsteht, die zeigt, wie dünn die zivilisierte Lackschicht der Gesellschaft bei manchen ist, und wie leicht in der Not jegliche Solidarität vergessen wird. Ein Gefühl das sich aktuell bisweilen erahnen lässt und erschreckt und hoffentlich deutlich macht, wie wichtig die Demokratie ist. So wird es gegen Ende des Hörbuches wirtschaftlich deutlich besser und auch die Gesellschaft wird auf den ersten Blick wieder friedlicher und toleranter, aber leider wissen wir alle, dass dies nur von kurzer Dauer war. Eine dringend benötigte, unaufdringliche, aber unmissverständliche Warnung aus der deutschen Geschichte, die noch gar nicht allzu lange her ist. Dabei taucht man mit Hulda auch in die nicht nur ihr, unbekannte Welt des orthodoxen Judentums ein. Noch ist Religion und religiöse Herkunft für sie nicht wichtig, aber es macht sich langsam bemerkbar, dass Hulda auf Dauer nicht mehr alle unliebsamen Gedanken weiter ausblenden kann und einen Plan B für die Zukunft benötigt, wie ihre Freunde sie drängen. Ihre Freunde? Eigentlich hatte Hulda bislang keine Freunde, mehr Gönner, doch endlich ändert sich das für sie, denn gerade wenn die Zeiten schwierig werden, ist eine gute Freundin unerlässlich und ich freue mich, demnächst mehr über diese Freundschaft zu erfahren. Das Schicksal der getöteten Kinder macht uns hoffentlich allen deutlich, wie glücklich wir über unseren Sozialstaat sein können. Wenn Kinder zur Ware werden, ist die Menschlichkeit verloren.

Den historisch, persönlichen Teil finde ich in diesem Band sehr stark. Der Kriminalfall kommt mir allerdings etwas zu kurz, das Ende etwas zu abrupt. Die Problematik des Menschenhandels aus Elend spielt leider eine etwas untergeordnete Roll. Auch wenn Hulda über das gute Ende sicherlich erleichtert ist, so hat es doch für Karl einen bitteren Beigeschmack. Wieder eine Entwicklung die neugierig macht.

Ich bin sehr erleichtert, dass Hulda dieses mal die Finger von den Drogen lässt, wenn auch Karl in diesen schweren Zeiten mit wenig Vergnügen immer häufiger Trost im Gin sucht.

Anna Thalbach ist für mich die perfekte Wahl für die forsche, moderne Hulda, die selbst hin- und hergerissen ist. Mal klingt sie ganz weich, mal kratzbürstig oder entschlossen. Nie hat sie mich gelangweilt, ich hätte ihr noch stundenlang weiter zuhören können. Als waschechte Berlinerin vermag sie von jetzt auf gleich von Hochdeutsch ins Berlinerische zu wechseln und ihre Stimme den sozialen Klassen und Herkünften anpassen. So wird Huldas Ermittlung noch lebendiger.

Eine Reihe die ich sehr empfehlen kann und der ich auf jeden Fall weiter folgen werde.

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Veröffentlicht am 20.01.2021

Die Not im Scheunenviertel

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Berlin, 1923. Die Hebamme Hulda Gold wird dieses mal zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen. Das Viertel gehört eigentlich nicht zu ihrem Gebiet, aber ihr Vater hat den Kontakt vermittelt. Die zukünftige ...

Berlin, 1923. Die Hebamme Hulda Gold wird dieses mal zu einer Geburt ins Scheunenviertel gerufen. Das Viertel gehört eigentlich nicht zu ihrem Gebiet, aber ihr Vater hat den Kontakt vermittelt. Die zukünftige Mutter ist bereits im neunten Monat schwanger. Sie macht auf Hulda einen ängstlichen Eindruck. Die Schwiegermutter der jungen Frau ist sehr abweisend.

Die Entbindung läuft problemlos, doch wenige Tage nach der Geburt ist der kleine Säugling verschwunden. Hulda macht sich Sorgen, doch von der jüdischen Familie erfährt sie nichts genaues. Huldas Freund Karl North arbeitet zur Zeit an einem nervenaufreibenden Fall. Doch er sagt zu Hulda, dass er nichts über den Fall erzählen darf. Als Hulda aus anderer Quelle erfährt, dass die Polizei einem Kinderhändlerring auf der Spur ist, befürchtet sie das Schlimmste für das Neugeborene.

Während Hulda im Scheunenviertel nach Spuren zum Baby sucht, fallen die Berliner Nazis über das Viertel her und Hulda gerät in Gefahr....

In ihrem zweiten Band erzählt Anne Stern die Geschichte um die Berliner Hebamme weiter. Dabei ist es ihr wieder gut gelungen das Erzählte mit dem geschichtlichen Hintergrund zu verbinden. Gelesen wird das Buch von Anna Thalbach. Sie hat eine sehr angenehme Stimme und es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Das Buch bekommt von mir 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.11.2020

Inflation, Hass und eine mutige Hebamme

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Hulda Gold, die Hebamme mit dem detektivischen Spürsinn, lernt in Anne Sterns historischem Kriminalroman "Scheunenkinder" das Berlin der 1920-er Jahre abseits der "goldenen Zeiten" kennen. Die selbstbewusste ...

Hulda Gold, die Hebamme mit dem detektivischen Spürsinn, lernt in Anne Sterns historischem Kriminalroman "Scheunenkinder" das Berlin der 1920-er Jahre abseits der "goldenen Zeiten" kennen. Die selbstbewusste junge Frau kommt dank ihres Berufs in ganz unterschiedliche Milieus der Stadt - doch das Scheunenviertel in Berlin Mitte war für sie bisher ein unbekanntes Pflaster. Über die Vermittlung ihres Vaters soll sie in dem Stadtteil, der wegen seiner vielen ostjüdischen Einwohner wie ein galizische Stetl mitten in Berlin ist, der hochschwangeren Tamar durch die Geburt helfen. Die fromme orthodoxe Familie legt Wert auf eine jüdische Hebamme - auch wenn Hulda, deren Mutter Christin war, im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes gar nicht als Jüdin anerkannt ist und auch ihr Vater als Vertreter des liberalen Reformjudentums wenig mit der Glaubenswelt der frommen und bitterarmen Ostjuden gemeinsam hat.

Bei aller Faszination für die fremde Welt des Scheunenviertels merkt Hulda schnell, dass Tamar bei aller Vorfreude auf ihr Kind in der Familie isoliert ist. Zwar liebt sie ihren Ehemann Zvi, wird von der Schwiegermutter aber vehement abgelehnt, da sie keine Jüdin, sondern Armenierin ist. Als Hulda nach der weitgehend unkomplizierten Geburt wenige Tage später nach Tamar schaut, ist die junge Mutter apathisch und depressiv - und von dem Kind ist keine Spur zu finden. Huldas Fragen laufen ins Leere, vergeblich versucht sie, ihren Freund, den Kriminalkommissar Karl, für den Fall zu interessieren. Doch der steckt bis über beide Ohren in Arbeit nach dem Fund mehrerer toter Kinder, die wohl als Arbeitssklaven verkauft worden sollten. Gibt es womöglich Bezüge zu dem verschwundenen Baby? Hulda jedenfalls lässt sich nicht abwimmeln, weder von Tamars Schwiegermutter noch von Karl. Und auch der junge Rabbiner der Familie, über den sich Hulda nicht ganz klar ist, muss sich allerlei Fragen gefallen lassen...

Mit Hulda Gold hat Anne Stern eine sympatische Hauptfigur geschaffen, die aufgeschlossen und neugierig durch die Stadt geht und mit viel Mitgefühl "ihren" werdenden Müttern begegnet. Anna Thalbach gibt in diesem Hörbuch nicht nur Hulda eine Stimme, sondern zeigt ihre ganze Bandbreite von burschikosen "Straßen-Berlinerisch" bis hin zur angeblich feinen Gesellschaft. Mit ihrer Interpretation schafft sie es, Kopfkino des historischen Berlins der 1020-er Jahre zu erzeugen.

Weltwirtschaftskrise und Inflation, Armut und Arbeitslosigkeit, wachsender Nationalismus und Antisemitismus prägen auch den Berliner Alltag. Und auch wenn Hulda selbst ihre jüdische Herkunft nicht zum Thema machen will, erkennt sie zunehmend, dass ihr Name und ihr Aussehen bei manchen Menschen bereits auslösen, Hass auszulösen. Wie nahe Gewalt und antisemitischer Hass auch im Jahr 1923 schon sind, muss Hulda eines Tages im Scheunenviertel erleben - und auch, wie gleichgültig viele Polizisten auf das Pogrom reagieren.

Auch die Beschränkungen, mit denen Frauen in dieser Zeit immer noch konfrontiert sind, macht die Autorin deutlich. Auch wenn Hulda in ihrem Beruf aufgeht - als Ärztin wäre sie sicherlich ebenso erfolgreich. Doch Frauen an den Universitäten - das ist noch immer mit zahlreichen Problemen und Hindernissen verbunden.

"Scheunenkinder" ist weniger ein Whodunit als ein historischer Roman mit "Kriminal-Elementen". Dabei überzeugt die Figur der Hulda als patente und aufgeschlossene junge Frau, die sich nicht mit den Umständen abfinden will, bei ihrem Privatleben allerdings manchmal den Durchblick zu verlieren droht.

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Veröffentlicht am 12.11.2020

Im Scheunenviertel ... dem Kiez der armen Schlucker ...

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Auch dieser zweite Teil der Trilogie um die patente Hebamme Fräulein Hulda Gold hat mir mal wieder ausgesprochen gut gefallen. Bestimmt lag es mit daran, dass Anna Thalbach der jungen Hulda Leben eingehaucht ...

Auch dieser zweite Teil der Trilogie um die patente Hebamme Fräulein Hulda Gold hat mir mal wieder ausgesprochen gut gefallen. Bestimmt lag es mit daran, dass Anna Thalbach der jungen Hulda Leben eingehaucht hat. Sie hat schon ein unheimliches Sprachtalent, das sie in „Scheunenkinder“ ganz phantastisch rüber bringt.
Wieder einmal entführt uns Anne Stern mit ihrem Roman ins Berlin der Zwanziger Jahre. Die Polizei hat gerade alle Hände voll zu tun, denn es scheinen Kinderhändler am Werk zu sein, die gerade die ärmeren Gegenden unsicher machen. Immer wieder verschwinden Kinder auf nimmer Wiedersehen und es schaudert einem bei dem Gedanken daran, was mit ihnen geschehen sein mag. Auch Hulda wird damit konfrontiert, nachdem sie im Scheunenviertel – das eigentlich gar nicht in ihr gewöhnliches Revier fällt – einem gesunden Baby auf die Welt hilft, das wenige Tage später verschwunden ist. Da die Familienverhältnisse in der jüdischen Familie nicht zum Besten stehen, werden die Kinderhändler und das verschwundene Neugeborene zuerst nicht in Verbindung gebracht, doch der Verdacht scheint sich langsam zu erhärten …
Neben dem Kriminalfall kommen natürlich auch persönliche Beziehungen nicht zu kurz. So kommt dann schnell ans Licht, dass die Beziehung zwischen dem Cafébesitzer Felix Winter und seiner Angetrauten nicht wirklich auf Rosen gebettet zu sein scheint, dafür kommen sich Hulda und ihr Kriminalkommissar Karl North immer wieder ein Stückchen näher, wenn sie auch bei Weitem nicht immer einer Meinung sind.
Das Buch endet mit einem wunderbaren Cliffhanger, zu dem ich Hulda alle Daumen drücke und mich deshalb schon riesig auf Teil drei freue. Von mir mit der Stimme von Anna Thalbach eine absolute Hörempfehlung!

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Veröffentlicht am 08.11.2020

Berlin, Anfang der 1920-er Jahre

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Auf dem Cover schwarz-weißen blickt uns eine junge Frau mit mittellangen nach damaliger Mode frisierten dunklen Haaren und dunklen Augen in einem ebenso dunklen Mantel entgegen. Rechts von ihr lesen wir ...

Auf dem Cover schwarz-weißen blickt uns eine junge Frau mit mittellangen nach damaliger Mode frisierten dunklen Haaren und dunklen Augen in einem ebenso dunklen Mantel entgegen. Rechts von ihr lesen wir den Namen der Autorin Anne Stern. Darunter in goldenen großen Lettern "FRÄULEIN GOLD" und darunter wiederum in weiß "Scheunenkinder".

Im Prolog wird über eine junge namens Frau Ruth berichtet, die sich im Jahr 1902 verliebt und doch weiß, dass sie einen anderen heiraten muss.

Man schreibt das Jahr 1923. Die Menschen sind arm, es gibt wenig zu essen, das aber nur teuer zu erwerben ist. Ihr Geld tragen sie wegen der Inflation in Taschen und Koffern zu den Einkäufen, es ist das Papier nicht wert, auf das es gedruckt wurde. Hulda Gold ist eine gefragte, wenn auch von den Ärzten nicht gern gesehene Hebamme. Bei Schwierigkeiten während der Geburten ruft sie die Ärzte zur Hilfe bzw. sorgt sie dafür, dass die werdenden Mütter ins Krankenhaus gebracht werden. Diese haben jedoch sehr wenig Vertrauen in diese Institutionen.

Sie wird eines Tages ins Scheunenviertel gerufen. Hier wohnen viele Juden, auch ganz strenggläubige. Zu einer der ganz strenggläubigen Familien muss Hulda. Die Schwiegertochter Tamar ist guter Hoffnung. Doch diese hat innerhalb ihrer Familie einen schweren Stand. Sie ist nicht nur keine Jüdin, ist ist auch Armenierin und sehr abergläubig. Ihre Schwiegermutter lässt sie links liegen, sie kann ihr nichts recht machen.

Kurz darauf entbindet Hulda Tamar von einem gesunden Jungen. Der junge Rabbi des Viertels summt dem Neuankömmling Lieder vor, aber insgesamt ist er Hulda nicht geheuer. Als die Hebamme zwei Tage später nach Mutter und Kind sehen will, ist es verschwunden. Alle Fragen innerhalb der Familie nutzen ihr nicht. Doch sie gibt nicht auf. Sie fragt in der Nachbarschaft nach und sucht das Gespräch mit dem jungen Rabbi.
Innerhalb des Scheunenviertels wird es immer gefährlicher, denn die Juden werden angegriffen, wo sie sich auch nur zeigen. Doch Hulda lässt sich nicht von der Suche nach dem Neugeborenen abhalten.

Anne Stern hat uns mitgenommen in die Zeit der Inflation bis zur Einführung der Rentenmark. Heutzutage kann man sich gar nicht vorstellen, wie es den Menschen seinerzeit ging und nur hoffen, dass so etwas nicht wieder passiert.

Eindringlich und doch unterhaltsam berichtet die Autorin uns vom damaligen Leben in Berlin, von seinen Unterhaltungen wie Cafés, Tanz und Kino, aber auch von den Ängsten der Menschen vor Schlägereien, Totschlag, Kinderhandel u.a. und von ihrer Armut. - Hulda Gold ist durch ihren Beruf nah am Geschehen.

Dieser fesselnde Roman ist der zweite aus der Trilogie um "Fraulein Gold". Man kann ihn ohne Kenntnis des ersten "Fräulein Gold - Schatten und Licht" lesen. Jedoch ist es wie immer besser, auch den ersten Teil zu kennen.

Es war schade, dass der Roman zu Ende war. Doch ich wurde dadurch besänftigt, dass es noch eine weitere Ausgabe um die Hebamme Hulda Gold geben wird. Einen Auszug aus diesem Roman, der im Mai 2021 erscheinen soll, kann man im direkten Anschluss an die Danksagung zu diesem Roman lesen.

Veröffentlicht wurde der Roman am 13.10.2020 im Verlag rowohlt POLARIS.

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